Melvin Flor legt seinen Arm um seine Großmutter. Sie stehen in der Küche und lachen.

Aus Liebe zu "Omma": Das Ruhrgebiets-Kochbuch mit Familienrezepten

Heimatliebe

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Bei Oma schmeckt es bekanntlich am besten, aber irgendwann muss auch die beste Oma gehen. Der Duisburger Melvin Flor wollte verhindern, dass die Rezepte seiner Großeltern irgendwann in Vergessenheit geraten. Zwischen Kohle, Kindheitserinnerungen und mit ganz viel Herzblut setzt er ihr ein kulinarisches Denkmal.

Von Yunus Gündüz, (Text), Luisa Woch (Multimedia)

In einer engen, aber gemütlichen Küche in Duisburg brutzelt es kräftig. Der Raum ist offen und so verteilt sich überall ein vertrauter Geruch. In der Pfanne braten nämlich die selbst gemachten Frikadellen von "Omma" - nur ist "Omma" nicht mehr da. Ihr Enkel Melvin Flor steht am Herd und beobachtet die Frikadellen auf dem Weg zu ihrer geschmacklichen Vollendung. Der 29-Jährige hat alte Rezepte seiner Großeltern und teilweise seiner Urgroßeltern gesammelt, um sie zu bewahren und weiterzugeben. Das Ergebnis liegt in der Pfanne und steht geschrieben im Kochbuch "Bergmannsherz und Omas Herd".

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Ein typisches Gericht aus dieser Zeit sind beispielsweise Frikadellen, wie die von Flors "Omma". "Das sind Erinnerungen. Die Menschen sind physisch nicht mehr da. Aber in dem Moment, wenn ich das Gericht zubereite, oder man es gemeinsam isst, sind Omma oder Oppa wieder da."

Ein Andenken an die "Ommas" und das Bergbau-Erbe

Keine andere Region wurde kulturell und wirtschaftlich so sehr vom Bergbau geprägt wie das Ruhrgebiet. Das hatte Auswirkungen bis in die Töpfe und Pfannen der Bergmannsfamilien: Schwere Arbeit verlangte nach einfachen, sättigenden Speisen mit viel Fett und Kohlenhydraten. Schnelle Energie musste das Essen liefern.

Zur Hochzeit des Bergbaus in den 1950er-Jahren arbeiteten laut LWL rund 600.000 Menschen im Ruhrgebiet in 150 Zechen - eine Zahl, die fast der Gesamtbevölkerung des heutigen Dortmunds entspricht. Während der "Kohlekrise" von 1957 und 1958 nahm die Nachfrage nach Steinkohle ab. Das Zechensterben begann, bis 2018 mit Prosper-Haniel die letzte Zeche des Ruhrgebiets in Bochum schloss. Heute sind viele Zechen und ihre ikonischen Fördertürme Denkmäler für diese Zeit.

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Auch Melvin Flor will an diese Zeit erinnern, dabei ist er eigentlich Leiter einer Autowerkstatt und das Kochen nur ein Hobby. Von klein auf kochte Melvin Flor mit seiner Mutter oder seinen Großeltern. So lernte er die Rezepte kennen, kochte sie nach, bis sie in Fleisch und Blut übergingen.

Gegen die Zettelwirtschaft

Flor begann irgendwann, die Rezepte auf DIN-A4-Zettel niederzuschreiben: "Meine Mutter hatte schon ein paar gesammelt. Aber irgendwie war das herzlos." So entstand die Idee für sein Kochbuch. "Ich wollte einfach was Besonderes machen. Es geht ja auch darum, die Leute zu würdigen", sagt Flor. Zu jedem Gericht gibt es kurze Anekdoten über die Großeltern. Mittlerweile sucht er für sein Buch einen Verlag, damit die Rezepte seiner Familie noch weiter getragen werden.

Seine Familie ist seit drei Generationen im Ruhrgebiet. Beide Großväter waren Bergarbeiter, während die Großmütter den Haushalt schmissen. Weil seine Großeltern mütterlicherseits früh verstarben, hat Melvin Flor vor allem mit seiner Oma Elfie gekocht.

Für die Heimat, für den Pott

Ein gemeinsames Weihnachtsfoto der beiden thront in der Küche und schaut ihm beim Kochen quasi auf die Finger. "Omma war nie 'ne Mühe zu viel. Für Leute, die keinen Hunger auf Gulasch hatten, hat sie noch einen Sauerbraten gemacht und 'ne kleine Ente auch noch. Also Omma stand Weihnachten teils vier bis sechs Stunden inne Küche", sagt er lächelnd.

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Seine Familie war vor dem Krieg in den Pott geflüchtet. "Es kann also sein, dass nicht jedes Rezept richtig aus dem Ruhrgebiet kommt", aber das sei nicht so schlimm. Mit den Maßangaben nimmt es Flor auch nicht so genau - es wird nach Augenmaß gekocht. Hauptsache es schmeckt. Wenn sein letzter, noch lebender Großvater dann beim Essen sagt: "Hömma, schmeckt wie bei Omma!", hat Melvin Flor sein Ziel erreicht. "Ein größeres Lob gibt es nicht".

Über dieses Thema haben wir auch am 23.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.