Eine Straße mit Schäden, im Hintergrund steht ein Auto

Vor 50 Jahren: Als in Hückelhoven plötzlich die Erde einbrach

Heimatliebe

Stand:

400 Bergleute arbeiten unter Tage, als plötzlich Wasser in einen Schacht von Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven strömt. Ein Blick zurück in ein beängstigendes Kapitel Bergbaugeschichte.

Von Katharina Hollstein (Text) und Silvia Andler (Multimedia)

Es ist die Nacht vom 12. auf den 13. September 1975. Hunderte Kumpel sind rund 400 Meter unter der Erde auf der Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven im Einsatz. Zunächst scheint alles wie immer. Doch plötzlich ergießen sich riesige sandhaltige Wassermassen in einen Schacht. In Angst um ihr Leben versuchen sich die Bergleute nach oben zu retten.

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Auch heute müssen in NRW immer noch Menschen evakuiert werden, weil ihre Häuser aufgrund von Bergbauschäden nicht sicher sind. Im Juni 2024 mussten beispielsweise Anwohner in Essen vorübergehend ihr Zuhause verlassen, weil die Gebäude auf einem instabilen Schacht standen. Mehrere tausend Kilometer Schächte und Stollen durchziehen die Erde allein im Ruhrgebiet. Mithilfe von Satelliten werden die Zugänge der Bergwerke kontrolliert. Bestenfalls werden Schächte frühzeitig neu verfüllt, um Schäden zu verhindern.

Häuser in Kilometern Entfernung beschädigt

Den Einbruch auf Zeche Sophia-Jacoba vor 50 Jahren hatte wohl niemand kommen sehen. "Die Leute kamen aus dem Schacht raus und waren fast alle am Heulen", erzählt Paul Spiertz. Er war damals 19 Jahre alt und Steiger auf Sophia-Jacoba. In der Umgebung brachen ganze Häuser ein. Die Schäden reichten bis in mehrere Kilometer Entfernung. Vor allem die Bergbausiedlung in Wassenberg war betroffen. Doch wie durch ein Wunder gab es weder Verletzte noch Tote. Alle 400 Bergleute konnten sich retten.

Der Wassereinbruch und seine Folgen über und unter Tage

Fotogalerie

Der Blick in einen Stollen, von oben fließt Wasser in Strömen von der Decke.

Innerhalb von 16 Stunden dringen in den Schacht große Mengen Wasser und Sand ein.

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Innerhalb von 16 Stunden dringen in den Schacht große Mengen Wasser und Sand ein.

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Die Existenz des gesamten Bergwerks ist bedroht.

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Auf einer Länge von 15 Kilometern ist die Strecke der Grubenbahn mit Sand verfüllt.

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Ein Seitenkipplader später beim Säubern der Stollen.

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Mittels einer speziell konstruierten Baggerpumpe wird der abgelagerte Sand abgesogen.

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Der Wassereinbruch sorgt auch an der Oberfläche für gewaltige Schäden.

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Viele Häuser werden teilweise oder völlig zerstört.

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Die komplette Wassenberger Feierabendsiedlung ist betroffen. 15 Familien müssen erstmal woanders unterkommen.

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Bis zu einem Meter breite Risse sind entstanden.

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Die Häuser konnten bis zum Winter wieder instand gesetzt werden.

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Grund für den Einbruch war laut Bergamt eine geologische Störung. Ein paar Tage und hunderte Tonnen in die Erde gegossenen Zement später, war die Lage wieder stabil. Der Plan: So schnell wie möglich soll hier wieder Kohle gefördert werden können. Sonst droht die Stilllegung. Möglich war das auch durch Subventionen in Millionenhöhe, bis die Zeche 1997 endgültig stillgelegt wurde.

Über das Thema haben wir am 09.01.2025 auch im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Aachen, 19.30 Uhr.