Andre Verheyen steht neben dem Meiler im Rauch.

Ein fast vergessenes Handwerk: Wie in der Haard Grillkohle entsteht

Heimatliebe

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Eine Wurst auf den Grill, ein Salat auf dem Tisch - das gehört für viele in NRW unverzichtbar zum Sommer dazu. Doch woher kommt eigentlich die Kohle für den Grill? In der Haard bei Haltern machen zwei Köhler sie selbst. Und lassen damit ein uraltes Handwerk wieder aufleben.

Von Katharina Hollstein (Text) und Olaf Tack (Multimedia)

Langsam geht die Sonne an diesem Mai-Morgen über Haltern auf. Dichte Rauchschwaden steigen in den Himmel über der Haard, einer Hügellandschaft mit dem größten Waldgebiet des Ruhrpotts. Mitten im weißen Rauch stehen zwei Männer in schwarzer Kleidung auf einem ebenso pechschwarzen Hügel. Mit langen Stäben stechen sie Löcher hinein. Die Szene wirkt, als sei sie aus der Zeit gefallen.

Der Rauch über der Haard bedeutet in erster Linie viel Arbeit. Die Männer in Schwarz sind Andre Verheyen und Tim Petermann. Der Hügel ist ihr Kohlemeiler. 14 Tage lang sind die beiden hier im Einsatz, rund um die Uhr. Aus einem Stapel Buchenholz, einem Haufen Heu und Erde soll Grillkohle für den Sommer werden. Dafür wird trockenes Holz bei geringer Luftzufuhr erhitzt. Im Meiler glimmt es so lange vor sich hin, bis nur noch Kohle übrig ist.

Wie entsteht die Kohle in der Haard?

00:21 Min. Verfügbar bis 12.05.2027

Dass Tim Petermann so genau weiß, was zu tun ist, ist alles andere als selbstverständlich. Denn das Handwerk der Köhlerei ist uralt und nur noch den wenigsten bekannt. Mittlerweile gehört es sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Hochwertige Holzkohle war früher beispielsweise für die Glasherstellung unerlässlich.

14 Tage bei 600 Grad schuften - ein ungewöhnliches Hobby

Heute wird Kohle meist industriell produziert. Der Großteil der Grillkohle, die in Deutschland genutzt wird, ist importiert. Um aber an die Tradition der Köhlerei in NRW zu erinnern, entzündet der RVR Ruhr Grün jedes Jahr im Mai den Kohlemeiler in der Haard. Die regionale Holzkohle soll außerdem Transportwege reduzieren und den tropischen Regenwald vor Abholzung schützen.

Die Köhlerei ist für Verheyen und Petermann ein Hobby. Eigentlich arbeitet Petermann als Straßenwärter. Um seinen Kohlemeiler betreuen zu können, hat der 53-Jährige sich extra Urlaub genommen. Verheyen ist Rentner. Die beiden Ennepetaler lieben die Atmosphäre in der Haard, besonders wenn die Nacht hereinbricht. "Man hört es gelegentlich auch im Wald rascheln", erzählt Petermann. "Neulich, als ich hier in unserem Lager gesessen habe, habe ich auch gedacht: Da bricht jetzt gerade ein Bär durch den Wald. Aber das war dann doch nur ein Köhler, der unheimlich geschnarcht hat."

Die Köhler Andre Verheyen und Tim Petermann stehen vor dem qualmenden Kohlemeiler.

Ihr Kohlemeiler hält Andre Verheyen und Tim Petermann ständig auf Trab

Ob Tag oder Nacht, Verheyen und Petermann müssen die Luftzufuhr im Kohlemeiler genau im Auge behalten. Der glühende Holzhaufen hat eine Temperatur von 600 Grad. Verheyen fügt ein paar weitere Löcher am unteren Teil hinzu. "Wir wollen Kohle, keine Asche. Für Asche kriegen wir keine Kohle", sagt der 73-Jährige und schmunzelt über sein eigenes Wortspiel.

Regionale Grillkohle: Hier wird die Haard-Kohle verkauft

In ihrem selbstgebauten Unterschlupf, der wie ein großer Camping-Pavillon wirkt, haben Verheyen und Petermann es sich gemütlich gemacht. Die Kaffeemaschine surrt, die Männer schmieren sich belegte Brötchen. Doch um die Verpflegung müssen die beiden sich eigentlich wenig Gedanken machen. In Haltern-Flaesheim haben sie fast Kultstatus. Immer wieder schauen Besucher am Kohlemeiler vorbei. "Wir haben jetzt schon das eine oder andere Mal von den Flaesheimern was zu essen bekommen", sagt Petermann.

Heute kommt auch Juliane Saebel, stellvertretende Betriebsleiterin des RVR Ruhr Grün, vorbei, um sich die Arbeit am Kohlemeiler anzuschauen. Sie weiß: Die Qualität der Kohle ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Welche Kohle-Qualität erwartet Juliane Saebel für diese Saison?

00:16 Min. Verfügbar bis 12.05.2027

Schon in wenigen Tagen soll die erste Holzkohle aus dem Meiler genommen werden. Wer sie einmal selbst testen möchte, bekommt sie am Forsthof Haard und am Rangerstützpunkt in Dorsten.

Über dieses Thema haben wir auch am 06.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Dortmund, 19.30 Uhr.