v. l. Jan Stermann und Tino Menzner im Gaming-Keller

Rückkehr der 80er: Wie zwei Duisburger die Amiga-Szene am Leben halten

Heimatliebe

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Tino Menzner und Jan Stermann aus Duisburg lieben Computerspiele. Vor allem die Konsolenklassiker der 80er-Jahre haben es ihnen angetan. Angefangen hat alles mit dem Amiga. Das Ding konnte aus damaliger Sicht alles: Die Grafik war der Wahnsinn, der Sound revolutionär. Heute gibt es zwar Besseres, warum sie dennoch dem Amiga die Treue halten.

Von Christian Zimmer

Die Kellertreppe in einem Doppelhaus in Duisburg-Rheinhausen führt zum Allerheiligsten. Mit jeder Stufe werden die typischen 80er-Jahre-Konsolenklänge lauter. Pac-Man, Frogger, Space-Invaders oder Super Mario heißen die Spiele dieser Zeit. In einer Nische sitzt Jan Stermann. Feiner Lötdampf steigt auf. Der 44-Jährige ist in seinem Element. "Eigentlich ist das Teil ein robustes Kinderspielzeug. Aber mit den Jahren gehen die Kondensatoren der Amigas kaputt. Dann läuft eine Chemikalie aus und versaut die Boards. Da hilft nur, die Bauteile rauslöten, alles reinigen und neu reinlöten", erzählt Stermann konzentriert. Er bastelt gern an den alten Konsolen herum.

Jan Stermann schätzt das Gemeinschaftsgefühl unter Gamern

00:34 Min. Verfügbar bis 06.05.2027

Hier unten im Hobbykeller trifft sich Stermann noch immer gerne mit seinem Kumpel Tino Menzner zum Zocken - so wie früher. Hinter der nächsten Kellertüre wird der 8-Bit-Sound noch präsenter. Menzner malträtiert seinen Joystick. Er spielt ein Jump 'n' Run. Der 49-Jährige liebt die typische Klötzchen-Grafik. Was heute Vintage ist, war damals revolutionär. "Als der Amiga 1985 vorgestellt wurde, ist der eingeschlagen wie eine Bombe", erinnert sich Menzner.

Tino Menzner demonstriert, wie Gaming mit dem Amiga aussehen kann

00:25 Min. Verfügbar bis 06.05.2027

"Mit 1100 D-Mark war der Amiga auch wirklich teuer. Um einen zu bekommen, habe ich damals meinen Eltern einen windigen Deal vorgeschlagen: Ich schreibe in der nächsten Mathearbeit eine zwei", erinnert sich Stermann. "Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als wir dann zum Elektromarkt nach Mülheim gefahren sind."

Lebendige Retro-Gaming-Szene im Ruhrgebiet

Die Amiga-Szene im Ruhrgebiet ist recht umtriebig. Menzner und Stermann planen auch ein großes Treffen in Duisburg am 21. Juni. Sie nennen es "Amiga Ruhrpott Convention". Mehrere Hundert Teilnehmer haben sich schon angemeldet, kommen kann aber jeder. Es gibt ganz viel alte Amiga-Technik zum Anfassen und Ausprobieren. "Es haben sich auch einige große Namen angekündigt. So auch die amerikanischen Entwickler von damals. Das ist ein richtiger Ritterschlag für uns", schwärmt Mitorganisator Menzner.

Die Hinterköpfe von Tino Menzner. Sie sitzen vor einem großen Bildschirm und spielen ein Computerspiel.

Tino Menzner und Jan Stermann spielen leidenschaftlich gerne alte Computerspiele

Doch die Amigas waren nie einfach nur zum Spielen. Schon früh hat sich eine sogenannte Demo-Szene herausgebildet. Ihre Mitglieder produzieren kleine kunstvolle Musik- und Grafikfilmchen, mit denen sie sich gegenseitig überbieten wollen - bis heute. "Dieser Wettbewerbscharakter stachelt die Leute an, technische Kniffe anzuwenden und Sachen aus der Hardware rauszuholen, die so von den Entwicklern nie vorgesehen waren", erzählt Stermann, während er wie gebannt so ein Demo-Filmchen auf einem alten Röhrenfernseher schaut.

Die Magie des Amiga: mehr als nur eine Konsole

In Menzners Keller sind die Regale gefüllt mit Dutzenden elektronischen Spielgeräten und Konsolen aller Hersteller. "Die haben sich mit den Jahrzehnten so angesammelt. Doch der Amiga ist mein Favorit. Schließlich heißt Amiga ja auf Spanisch Freundin. Der Amiga war demnach meine erste Freundin. Er war meine erste große Liebe", sagt Menzner und lacht verschmitzt, während er über den Joystick streichelt.

Über dieses Thema berichten wir am 06.05.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.