Ein älterer Mann steht in einer Kirche. Er trägt eine US-amerikanische Uniform.

Mit 100 Jahren: US-Kriegsveteran kehrt in die Eifel zurück

Heimatliebe

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Jake Ruser hat mit seinen 100 Lebensjahren eine lange Reise von den USA in die Eifel unternommen - an einen Ort, den er zuletzt im Zweiten Weltkrieg als junger Soldat gesehen hat. Damals kämpfte er im Hürtgenwald. Heute kehrt er zurück, um sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen.

Von Sabine Rieck

Mit leuchtenden Augen steht der US-Amerikaner Jake Ruser vor dem Altar der Sankt-Salvator-Basilika in Prüm. Auf Englisch sagt der 100-Jährige zu seinen Begleitern: "Ich bin froh, dass ich überlebt habe." Andächtig blickt er sich in der Kirche um und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Sie haben sie wirklich gut erhalten." Ruser kann das gut beurteilen, denn er erinnert sich genau: Im Februar 1945, wenige Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs, besuchte er zwischen seinen Fronteinsätzen zusammen mit Kameraden die Kirche.

Reise in die Vergangenheit

Die Eifelreise war Ruser ein Herzenswunsch. Er wollte die Orte wiedersehen, die er vor über 80 Jahren als junger Soldat erlebt hat. Als Krankenträger der 4. US-Infanteriedivision war er im Hürtgenwald und in den belgischen Ardennen im Einsatz - und rettete Verwundete an der Front.

Jake Ruser kommen viele Erinnerungen beim Gang durch das Museum Hürtgenwald

00:29 Min. Verfügbar bis 29.07.2027

Schon seine Kleidung verrät den Veteranen: Ruser trägt Militärkleidung mit Namensschild und Abzeichen. In den USA wird er verehrt - mit 100 Jahren ist er ein besonderer Zeitzeuge. Denn er hat den Zweiten Weltkrieg als junger Mann erlebt.

Die Rettung am Bauernhof

Eine Woche lang begleitet ihn Tobias Kreutzmann aus Mechernich. Er arbeitet ehrenamtlich für das Museum für Kriegsgeschichte im Hürtgenwald. Er hat die Stationen von Rusers Einsatz recherchiert und nach Hinweisen gesucht. Kreutzmann gelang es, mithilfe von alten Dokumenten die Koordinaten des Waldes zu finden, in dem Ruser stationiert war. "Jake war schon öfter in Deutschland", erzählt der 34-Jährige. "Aber er hat mir immer von einer besonderen Nachtaktion erzählt, bei der er mit seinen Kameraden einen verwundeten Amerikaner gerettet hat. Ich wollte ihm den Wunsch erfüllen, genau diesen Ort wiederzufinden."

Tobias Kreutzmann hat sich intensiv mit Jake Rusers Einsatz beschäftigt

00:28 Min. Verfügbar bis 29.07.2027

Nach dem Kirchenbesuch fährt Kreutzmann mit Ruser zu einem abgelegenen Bauernhof bei Niederprüm. Sie steigen aus und folgen einem Feldweg, der an einen Wald grenzt. Plötzlich beginnt Ruser zu erzählen: "Hier haben wir damals in der Nacht eine Rettung durchgeführt. Gegen 23 Uhr verließen wir die Frontlinie und kamen aus dem Wald. Es war dunkel. Dann gingen wir die Straße hinunter und holten den Kameraden aus dem Stall."

Ein riskantes Manöver - doch es gelang. Und die Erinnerung daran ist Ruser bis heute lebendig geblieben. Sichtlich bewegt blickt er auf den Weg zum Bauernhof. Der Moment berührt ihn.

Erinnerung an die Schlacht vom Hürtgenwald

Die Schlacht im Hürtgenwald dauerte von September 1944 bis Februar 1945. Sie zählt zu den verlustreichsten Gefechten des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden. In dem schwer zugänglichen Waldgebiet an der deutsch-belgischen Grenze trafen amerikanische Truppen auf deutsche Einheiten. Rund 33.000 US-Soldaten wurden getötet, verwundet oder galten als vermisst, während die deutschen Verluste auf etwa 28.000 geschätzt werden.

Die Schlacht führte nicht zu einem schnellen Durchbruch ins Rheinland und gilt heute in den USA als Symbol für die Sinnlosigkeit mancher Entscheidungen im Krieg und für seine Grausamkeit. In Deutschland hingegen ist die Schlacht lange Zeit kaum beachtet worden. Das Museum "Hürtgenwald 1944 und im Frieden" in Vossenack wurde in seiner jetzigen Form 2001 eröffnet und dokumentiert die Geschichte des US-Militäreinsatzes am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Museum des Friedens

Dorthin geht die Erinnerungsreise von Ruser und Kreutzmann weiter. Im Museum sind lebensgroße Figuren in Soldatenuniformen, Feldgeschirr, alte Waffen und viele Fotos zu sehen. Ruser geht langsam durch die Ausstellung, bleibt immer wieder stehen, stellt interessiert Fragen. Draußen vor dem Museum entdeckt er ein Denkmal - es ist seiner Einheit gewidmet. Er betrachtet den Stein, wirkt fast ungläubig.

Ein jüngerer und ein älterer Mann stehen neben einem Stein mit einer goldenen Tafel. Sie schauen auf die Tafel.

Ein Denkmal für Jake Rusers Einheit vor dem Museum

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals zurückkehre", sagt er. "Und schon gar nicht, dass ich das alles noch einmal sehen würde. Es kommen viele Erinnerungen hoch." An diesem Tag hat Ruser Frieden mit seiner Vergangenheit geschlossen. "Es ist gut zu sehen, wie sich die Dinge entwickelt haben - und dass die Geschehnisse zwischen unseren Ländern aufgearbeitet wurden."

Über dieses Thema haben wir auch am 26.06.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Aachen, 19:30 Uhr.