Zwei Männer sitzen für Nachhilfe an einem Tisch.

Wie der älteste Mann aus Heek einem Geflüchteten Deutsch beibringt

Füreinander

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Es ist inzwischen ein festes Ritual im Seniorenheim St. Ludgerus in Heek. Einmal in der Woche treffen sich der 95-jährige Kurt Rüße und sein syrischer Schüler Mohammad Sharif Muhye zum Deutsch-Unterricht. Über ein ganz besonderes Lehrer-Schüler-Duo.

Von Vivienne Zahel, (Text) und Stephan Hackenbroch (Multimedia)

Kurt Rüße sitzt in der Empfangshalle des Seniorenheims und wartet schon ganz ungeduldig. Heute aber nicht auf seine Familie, sondern auf seinen Deutsch-Schüler aus Syrien. Als Mohammad Sharif Muhye endlich kommt, ist die Freude auf beiden Seiten groß. Nach einer kurzen Begrüßung schiebt Muhye Rüßes Rollstuhl an einen freien Tisch im Besucherzimmer. Schließlich wollen die beiden Männer keine Zeit verlieren.

Kurt Rüße und Mohammad Sharif Muhye üben Deutsch

00:23 Min. Verfügbar bis 20.06.2027

Ruhig und geduldig erklärt Rüße dem 53-Jährigen deutsche Wörter und nutzt dafür Karteikarten. Die Stunden bereitet der Senior im Vorfeld sorgfältig vor. Am liebsten sprechen sie über Alltägliches wie das Wetter, Einkaufen oder Kochen. Mit viel Hingabe und Entschlossenheit arbeiten der ehemalige Buchhalter und sein Schüler nach und nach die verschiedenen Themen ab. Die ersten Erfolge haben sie auch schon erzielt.

Muhye ist einer von etwa 975.000 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit, die laut dem Statistischen Bundesamt Ende 2024 in Deutschland lebten. Zum Vergleich: 2013 waren es knapp 60.000 Menschen. Ursache für die starke Zunahme ist der Bürgerkrieg in Syrien, der viele Syrer zwang, ihre Heimat zu verlassen. Damit sind sie die drittgrößte Gruppe in Deutschland lebender Ausländer.

So fand sich das bemerkenswerte Duo

Das ungewöhnliche Lehrer-Schüler-Duo fand ungeplant zusammen: Muhye musste auf seine Deutschkurse warten, dabei wollte er die Zeit nutzen und schnell mit dem Lernen beginnen. Von diesem Wunsch erzählt er Denise Oldenkotte von der Flüchtlingsintegration der Gemeinde Heek. Sie hatte schließlich die Idee, die beiden Männer zusammenzubringen: Den ältesten Mann aus Heek, der in einem Seniorenheim wohnt, und den syrischen Geflüchteten, der seit eineinhalb Jahren in Deutschland lebt und in seiner Heimat Busfahrer war. Ein Beruf, bei dem er täglich mit vielen Menschen in Kontakt war und den er in Deutschland vermisst. Doch dafür muss er die deutsche Sprache beherrschen.

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So ist Muhye zum Deutschschüler und Rüße spontan mit seinen 95 Jahren zu seinem Lehrer geworden. Eine Win-Win-Situation für beide. Muhye lernt Deutsch und die kulturellen Gepflogenheiten in seiner neuen Heimat, während der Unterricht Rüße eine Tagesstruktur gibt und seine Konzentration fördert.

Der gemeinsame Unterricht tut beiden gut

00:28 Min. Verfügbar bis 20.06.2027

Rüße ist durch den Unterricht mit Muhye richtig aufgeblüht. Früher sei er oft mit sich selbst beschäftigt gewesen, erklärt der Leiter des Seniorenheims. Jetzt habe er eine weitere Aufgabe, die ihm sichtlich Freude bereite. Und davon erzählt der Heimbewohner auch immer wieder seiner verstorbenen Frau, die bis zu ihrem Tod gemeinsam mit ihm in der Einrichtung lebte. Ein Foto in der Empfangshalle erinnert an sie. Dort sitzt Rüße seitdem regelmäßig, um ihr zu erzählen, was er am Tag erlebt hat. Neuerdings spricht er auch viel von den Treffen mit Muhye.

So sind aus einer zufälligen Idee zwei ziemlich beste Freunde geworden. Eine Freundschaft zwischen zwei Männern, zwei Generationen und zwei Kulturen und vielleicht sogar darüber hinaus. Denn der Syrer nennt seinen Lehrer inzwischen Onkel Kurt.

Über dieses Thema haben wir auch am 10.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.