Links sitzt Mutter Greta auf der Couch, ein Baby im Arm. Rechts steht Anna van der Luijt, trägt ebenfalls ein Baby und lächelt.

Mütterpflegerin: "Eine sinnstiftende und erfüllende Aufgabe"

Füreinander

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Anna van der Luijt ist Mütterpflegerin. Sie kümmert sich nach der Geburt um Frauen, die aus medizinischen Gründen Hilfe im Haushalt und bei der Kinderversorgung benötigen. Warum dieser Job für sie so erfüllend ist.

Von Katharina Paris

Anna van der Luijt holt eine Pfanne aus dem Schrank in der Küche, sucht im Regal nach Öl und gibt etwas davon in die Pfanne. Heute gibt es zum Mittagessen Nudeln mit einer Zucchinisoße. Das Essen bereitet sie schon am Morgen vor, denn heute steht viel auf dem Plan. Während van der Luijt die Zucchinis raspelt, wippt sie immer wieder auf und ab. Denn vor ihrem Körper hängt Emil im Tragetuch - ein neun Wochen alter Säugling. Im Wohnzimmer nebenan sitzt Emils Mama Greta Brauer, die eigentlich einen anderen Nachnamen hat, und stillt Jakob, den Zwillingsbruder.

Mütterpflegerin: Praktische Entlastung im Alltag

Dass die frischgebackene Mutter das so entspannt machen kann, hat sie van der Luijt zu verdanken, die sie seit ein paar Wochen zu Hause unterstützt. Van der Luijt ist Mütterpflegerin. Während sich eine Hebamme um die medizinische Versorgung kümmert, ist eine Mütterpflegerin für die praktische Entlastung im Alltag da. Sie hilft neuen Eltern im Haushalt, kocht, geht mit dem Baby spazieren, holt Geschwisterkinder vom Kindergarten ab oder macht Wäsche.

Anna van der Luijt über ihre Aufgaben als Mütterpflegerin

00:40 Min. Verfügbar bis 25.07.2027

Anspruch auf eine solche Unterstützung haben alle Mütter, die aus medizinischen Gründen den Haushalt nicht mehr selbst führen oder die Kinderbetreuung nicht vollumfänglich leisten können. Nach Angaben des Berufsverbands Mütterpflege Deutschland e.V. gibt es derzeit bundesweit etwa 200 bis 300 Mütterpflegerinnern. Für van der Luijt ist dieser Job sinnstiftend und erfüllend. "Weil man einfach ganz nah dran ist und konkret helfen kann", sagt die 40-Jährige.

Hilfe für Mütter: Zusammen geht's einfacher

Bevor van der Luijt die Ausbildung machte und Mütterpflegerin wurde, arbeitete sie als Heilpädagogin in einer therapeutischen Einrichtung. Als sie selbst eine Familie gründet, ist ihr Beruf nicht mehr mit ihrer Alltagssituation vereinbar. "Außerdem habe ich gemerkt, dass man manchmal erst nach sehr langer Zeit einen Erfolg bei seinen Patienten feststellt. In meinem jetzigen Job merke ich den Effekt sofort. Wenn die Mama auf der Couch liegt und stillt, kann ich ihr ein Glas Wasser holen", erzählt van der Luijt, die in Mülheim an der Ruhr wohnt.

Es ist inzwischen kurz vor 10 Uhr. Van der Luijt ist mit dem Kochen fertig und hilft jetzt, Emil und Jakob fertig zu machen. "Wir sind gut in der Zeit", sagt van der Luijt mit Blick auf die Uhr. Bei den Zwillingen steht heute ein wichtiger Arzttermin an. Dafür müssen die Jungs ins Auto gepackt werden. "Ich bin heilfroh, dass Anna dabei ist, das würde ich mit den Autositzen sonst gar nicht schaffen", sagt Brauer, während sie die Sachen zusammensucht, die sie gleich mitnehmen muss. Windeln, Taschen, Wechselsachen, Untersuchungshefte für die Kinder - die Liste ist lang.

Ein Baby im Kindersitz. Man sieht das Gesicht nicht.

Anna van der Luijt begleitet Greta und die Zwillinge auch zu Arztterminen

Die Essenerin und ihr Mann wohnen im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses. Wegen einer verlängerten Rückbildungszeit nach der Zwillingsschwangerschaft darf Brauer nicht schwer heben. "Ich wüsste gar nicht, wie ich das alleine schaffen würde." Ihr Mann geht wieder arbeiten, die Familie wohnt nicht in der Nähe. Umso dankbarer ist sie, dass van der Luijt da ist.

Mütterpflegerin - noch nicht so bekannt

Zwischen sechs Wochen und vier Monaten ist van der Luijt in den Familien und bekommt jedes Mal wertschätzende Rückmeldungen. Dennoch ist sie nicht traurig, wenn sie eine Familie verlassen muss: "Wenn ich gehe, geht es den Müttern wieder gut und sie schaffen den Alltag alleine. Und das ist ja das Ziel."

Greta Brauer ist dankbar für die Hilfe

00:21 Min. Verfügbar bis 25.07.2027

Obwohl viele Anspruch auf eine Mütterpflegerin haben, wissen die meisten Frauen nichts davon. Auch Brauer ist erst durch eine Freundin darauf gekommen. "Ich wünsche es wirklich jeder Frau. Denn so ist trotz aller Herausforderungen alles etwas schöner und entspannter", sagt sie. Eine entsprechende Verordnung gibt es beim Hausarzt, dem Gynäkologen oder jedem anderen Facharzt. "Wenn die Frauen eine Diagnose haben, können sie uns Mütterpflegerinnen kontaktieren", erklärt van der Luijt.

Mittlerweile sind die Babys angezogen. Obwohl die zwei Frauen alle super gut vorbereitet hatten, ist es trotzdem ein Akt, bis die Zwillinge und Taschen im Auto verstaut sind. "Ich bin wirklich so froh, dass Anna dabei ist. Ohne sie wäre ich total gestresst", sagt Brauer. Ein paar Wochen hat sie noch Hilfe von der Mütterpflegerin. Dann wird diese in einer neuen Familie gebraucht. 

Über dieses Thema berichten wir voraussichtlich auch am 01.08.2025 im WDR Fernsehen: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.