Villa für Tiere: Warum diese Ruine nicht abgerissen wurde
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Die Fenster sind kaputt, der Putz bröckelt, es riecht nach Erde. Trotzdem ist diese Villa im Kreis Lippe heute ein Zuhause voller Leben. Hier wohnen wilde Tiere, deren Lebensräume in der Natur immer seltener werden. Wie ein Landschaftsökologe das alte Gemäuer in ein ungewöhnliches Schutzprojekt verwandelt hat.
Von Cordula Krell, (Text) und Kolja Selker (Multimedia)
Mit menschlichen Augen gesehen, ist es eine Bruchbude. Mit einem lauten Quietschen öffnet Christian Höppner die Eingangstür. Im Flur türmen sich Steinpyramiden, gestapelte Ziegel und Strohhaufen. Putz bröckelt von den Wänden, Fensterscheiben fehlen. Trotzdem lächelt Landschaftsökologe Höppner auf seinem Rundgang durch das Haus. Er hat es vor fünf Jahren für die neuen Bewohner hergerichtet. Aber wer lebt freiwillig in so einem Haus? Die Antwort: Geschützte Tierarten. Für sie ist die alte Villa so etwas wie eine Wohnanlage mit Wohlfühlgarantie.
Christian Höppner bei seinem Rundgang durch das Artenschutzhaus
00:24 Min.. Verfügbar bis 03.05.2027.
Eigentlich sollte die alte Villa abgerissen werden. Das Gelände gehört einem Kieswerk-Unternehmen. Doch stattdessen erschuf Höppner, der als Landschaftsökologe bei einer Tochter des Kieswerk-Unternehmens angestellt ist, gemeinsam mit Helfern eine sogenannte Ausgleichsfläche.
Solche Ausgleichsflächen müssen immer dann geschaffen werden, wenn es Eingriffe in die Natur oder die Landschaft gibt, wie in diesem Fall durch die Kies-Abbauflächen. "Wir schaffen etwas Neues, Positives, und dürfen dafür etwas anderes, Altes, entnehmen", sagt Jörg-Peter Kölling, einer der Geschäftsführer von WRM Reese.
Eine Nische für Tiere statt Abrissbirne
Über 7000 solcher Kompensationsflächen gab es 2020 laut Landesregierung in NRW. Das sind meist Grünflächen oder Streuobstwiesen, ein komplettes Haus ist etwas Besonderes.
An den Türen hängen Schilder wie "Ameise", "Hornisse" und "Falterquartier". An den offenen Fenstern lehnen Äste und Bretter als Aufstiegshilfen, damit das Haus nicht zur Falle wird. In einem Besenschrank sitzen einige Falter, die sich von Höppner nicht stören lassen. "Das sind Tagpfauenaugen", sagt er. Eigentlich war die Kammer für Igel und Fledermäuse gedacht. "Deswegen haben wir extra unten und oben einen Einschlupf ausgesägt." Die Tiere hatten aber ihre eigenen Vorstellungen von der Zimmeraufteilung.
Christian Höppner schaut bei seinen Untermietern vorbei
Die Fledermäuse leben stattdessen im Keller. "Sie möchten immer eine bestimmte Luftfeuchtigkeit haben. Dafür stehen diese Fässer hier, in denen immer ein bisschen Wasser ist", erklärt Höppner. Auch hier liegen Steinhaufen, für Amphibien wie den Feuersalamander.
Die meisten Bewohner bleiben unsichtbar
Auf jeder Etage leben andere Lebewesen, jedes Schlupfloch hat einen anderen Bewohner. Auf dem Dachboden leben Eulen, in einer Zwischendecke nistet ein kleinerer Vogel. Die meisten Bewohner bekommt Höppner aber nie direkt zu sehen. Nur an den Spuren, die sie hinterlassen oder in den Überwachungskameras erkennt er, dass sie das Haus annehmen.
Christian Höppner zeigt den Dachboden und einige der Bewohner
00:32 Min.. Verfügbar bis 03.05.2027.
Inzwischen leben längst nicht nur geschützte Arten in dem Haus. Für Höppner kein Problem. Denn er weiß, dass auch deren Lebensräume immer seltener werden. Bis zum Sommer gibt es einen Besucherstopp, so dass alle Tiere im Artenschutzhaus möglichst ungestört bleiben, damit sie in aller Ruhe Nachwuchs bekommen können.
Über dieses Thema haben wir auch am 20.03.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.