Gemeinsam Duisburg sauber halten: Dafür kämpft dieses Ehepaar
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Marvin und Clarissa Rathmann ärgern sich über Müll in ihrer Heimatstadt. Deswegen sind sie seit über einem halben Jahr unterwegs und befreien Duisburgs Straßen von wildem Müll. Warum das in Duisburg bisher nicht jeder machen darf - und wie die Rathmanns das ändern wollen.
Von Frederik Brack
Bewaffnet mit zwei Müllzangen schlagen sich Marvin und Clarissa Rathmann durch ein Gebüsch in Duisburg-Hamborn. Marvin Rathmann schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Darin sitzt aber kein Kleinkind, sondern ein großer Müllsack mit der Aufschrift "Wirtschaftsbetriebe Duisburg". Schnell findet das Ehepaar, wonach es gesucht hat. "Hier wurde schon wieder ordentlich vermüllt", sagt der 32-Jährige. "Wahlplakate, Autoreifen, Bilder, einen Gartenstuhl, Teppich und Tisch", zählt seine 35-jährige Frau die ersten Funde im Busch auf.
Die Rathmanns bezeichnen sich selbst als "Aufräumblitz Duisburg" und befreien den Norden ihrer Heimatstadt ehrenamtlich von illegal entsorgtem Müll. Dabei filmen sie sich und teilen Eindrücke von ihren Einsätzen auf Social Media. Ein bisschen Geld verdienen sie über ihren TikTok-Kanal auch.
Da die Einnahmen für die siebenköpfige Familie nicht ausreichen, stocken sie ihr Einkommen mit Bürgergeld auf. "Wenn die Kinder in der Schule sind, sammeln wir draußen Müll", sagt Clarissa Rathmann. Am Wochenende sei aber Familienzeit.
Teure Müllentsorgung
Wilde Müllkippen sind in vielen Städten und Kommunen Nordrhein-Westfalens ein bekanntes Problem. Laut einer nicht repräsentativen Umfrage eines Online-Portals wird Duisburg als zweitdreckigste Stadt Deutschlands wahrgenommen. Vor zwei Jahren wurden hier 8700 wilde Müllkippen gezählt. Die Entsorgung verursacht in ganz NRW Kosten in Millionenhöhe. Spitzenreiter ist Köln, die Stadt gab dafür im Jahr 2023 knapp 13 Millionen Euro. Das entspricht 12,08 Euro pro Kölner.
"Aufräumblitz"-Ehepaar sammelt Müll in Duisburg
Trotz der problematischen Lage in Duisburg hatten die Rathmanns zu Beginn Startschwierigkeiten. Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg untersagten den beiden, ehrenamtlich Müll zu sammeln. Die organisatorischen und logistischen Rahmenbedingungen seien nicht gegeben gewesen. "Nachdem wir uns an die Zeitung gewandt haben, durften wir mit dem Aufräumen anfangen", erinnert sich der 32-Jährige.
Ihr größtes Ziel ist es nun, eine Sauberkeitspatenschaft in Duisburg zu installieren. Ein ähnliches Modell gibt es in Oberhausen. Dort kann jeder eine solche Patenschaft beantragen und erhält Müllzangen, -säcke und eine Warnweste, um die Stadt ehrenamtlich zu säubern.