Nour Lahbitich trägt ein schwarzes Kopftuch und sitzt am Dortmunder Hafen.

Chancen und Hobbys schenken: Das Dortmunder Nordsterne-Stipendium

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Nachmittags zum Fußballtraining oder Schwimmunterricht oder in die Musikschule zu gehen - für viele Jugendliche ist das selbstverständlich. Doch längst nicht für alle. In der Dortmunder Nordstadt bekommen junge Menschen jetzt die Chance, ihre Talente zu entdecken und ein Hobby auszuprobieren. Dank des Nordsterne-Stipendiums.

Von Kristin Trüb

Nour Lahbitich fährt mit dem Bogen über die erste Seite der Geige. Erst noch etwas zaghaft, doch mit jedem Strich wächst ihr Selbstbewusstsein. "Das klingt doch super", lobt der Geigenlehrer und die 14-Jährige strahlt. Sie hat lange davon geträumt, zur Musikschule zu gehen. Jetzt wird dieser Traum Realität.

Dank Stipendium: Nour Lahbitich spielt Geige

00:35 Min. Verfügbar bis 21.07.2027

Nour und ihre Familie leben seit zehn Jahren in Dortmund. Ihre Eltern stammen aus Marokko, die ersten Lebensjahre verbrachte sie in Spanien. Nach der Schule hilft die Jugendliche viel zu Hause. Sie übersetzt zum Beispiel Dokumente für ihre Eltern oder schreibt E-Mails an Behörden. "Ich weiß, dass viele meiner Freunde das nicht machen müssen", sagt sie, "aber ich helfe meinen Eltern gerne". Zeit und auch das Geld für Geigenunterricht haben bisher gefehlt. Doch dank des Nordsterne-Stipendiums hat sich das geändert und die Jugendliche kann ausprobieren, ob ihr das Geigespielen zusagt.

Nordsterne-Stipendium: Chancengleichheit für Jugendliche

Die 14-Jährige ist eine von 30 Jugendlichen im Nordsterne-Stipendium. Alle kommen aus der Dortmunder Nordstadt, einer Gegend, die geprägt ist von hoher Arbeitslosigkeit, niedrigem Bildungsniveau und Kriminalität, aber auch von Vielfalt und Wandel. Mit dem Stipendium hofft Sozialarbeiter Stefan Blank mehr Chancengleichheit für die Jugendlichen aus der Nordstadt herzustellen. Er hatte die Idee zum Nordsterne-Stipendium, inspiriert von einem ähnlichen Programm für benachteiligte Jugendliche in Rumänien.

  • Auch das "Jugendforum Nordstadt" setzt sich für alle ein, die dort aufwachsen

Jahrelang hat er für seine Idee geworben und schließlich einen Sponsor gefunden. Ein Dortmunder Unternehmen für Medizintechnik finanziert das Stipendium. Jetzt treffen sich die Jugendlichen einmal pro Woche am Dortmunder Hafen. Sie erledigen dort ihre Hausaufgaben und stärken Fähigkeiten wie Teamarbeit, Konzentration und Problemlösung. Jeden Monat gibt es außerdem Workshops zu Themen wie Bildungsgerechtigkeit, Rassismus, Demokratie und Berufsorientierung.

Jugendliche mit dem Nordstern-Stipendium sitzen in einem Raum mit geklinkerten Wänden an einem langen Tisch und gucken auf eine große Leinwand

Jede Woche Unterstützung und Workshops: das Nordsterne-Stipendium

Und dann macht das Stipendium auch noch persönliche Träume wahr. Bei Nour ist es eben der Geigenunterricht, bei anderen Jugendlichen der Sport oder das Singen, wofür bisher das Geld fehlte.  "Wir haben es hier mit Jugendlichen zu tun, die aus der Nordstadt kommen, die kommen aus nicht privilegierten Hintergründen", sagt Collin Hauke vom Stipendiumsteam.

Collin Hauke erklärt, was das Stipendium leisten soll

00:37 Min. Verfügbar bis 21.07.2027

Für das Stipendium konnten sich Jugendliche der 7. bis 9. Klasse an Schulen in der Dortmunder Nordstadt bewerben. "Begabte Jugendliche", heißt es. Wobei Begabung alles sein kann, sagt Ideengeber Blank, "musisch, sportlich, in irgendeiner Art und Weise künstlerisch oder wenn die Jugendlichen zu Hause viel Care-Arbeit machen." Gerade solche Talente werden oft übersehen, meint der Sozialarbeiter. In dieser Form ist das Stipendium bisher einzigartig in Deutschland.

Jugendliche bekommen Taschengeld

Neben Workshops, Lernangeboten und Hobbys bekommen die Jugendlichen ein Jahr lang auch noch 100 Euro Taschengeld pro Monat. Darüber können sie frei verfügen. Viele mussten dafür erst einmal ein eigenes Konto eröffnen. Denn das Geld soll nicht einfach ins Familieneinkommen fließen.

Auch Nour bekommt das Geld. Die Tage, an denen sie nach der Schule noch zur Lernförderung oder den Workshops geht, sind lang. Doch das macht ihr nichts aus. Die Jugendliche ist ehrgeizig, besucht das Gymnasium. Ihr Ziel: nach dem Abitur Medizin studieren. "Ich weiß, dass es schwer ist und viele daran scheitern. Aber ich glaube, wenn man für seine Träume arbeitet, wird man es schaffen", sagt sie. Mithilfe des Nordsterne-Stipendiums ist dieser Traum ein Stück näher gerückt.

Über dieses Thema haben wir auch am 17.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr.