Der Ehrenamtliche Christoph Hustedt stapelt konzentriert längliche Steine aufeinander. Es soll eine stabile Steinmauer entstehen. Er hat Handschuhe und Arbeitskleidung an. Zwei andere Jugendliche schauen ihm dabei zu.

Freiwilligendienst in Monschau: Jugendliche retten Denkmäler

Füreinander

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Fast 30 Jugendliche restaurieren in der Monschauer Altstadt eine Woche lang Denkmäler - und das freiwillig. Doch warum packen sie ausgerechnet hier mit an?

Von Sabine Rieck

Kristin Nolte faltet den Zollstock schnell auseinander und hält ihn an die Fensterbank. "Hier ist nichts gerade im Haus", stellt sie fest. Das Fachwerkhaus aus Lehm ist über 200 Jahre alt und ihr Arbeitsplatz für die nächsten Tage. Die 19-Jährige wird das Bürgerhaus dämmen und verputzen. Sie ist mit einer Jugendgruppe eine Woche in Monschau unterwegs - im Rahmen des bundesweiten Projekts "Jugendbauhütten", das seit September 2024 durch verschiedene NRW-Städte tourt. Die Jugendlichen absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege.

Warum hat Kristin Nolte sich für die Denkmalpflege entschieden?

00:14 Min. Verfügbar bis 15.07.2027

Insgesamt 16 Gruppen der Jugendbauhütten gibt es bundesweit. Sie richten sich an Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren. Wer sich dafür interessiert, kann sich in einem oder mehreren Bundesländern bewerben. NRW teilt sich in die Jugendbauhütten Rheinland und Westfalen auf. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz finanziert die Projekte. Doch dabei geht es nicht nur um alte Häuser. Die Jugendlichen kommen auch in historischen Gärten oder Tischlereien zum Einsatz. Statt eines klassischen Lohns erhalten sie ein Taschengeld und Einblicke in ganz neue Arbeitsfelder.

Erfahrungen zur Berufsorientierung

Doch auch außerhalb des alten Hauses ist einiges los. Die Freiwilligen streichen Geländer an einem Bachlauf oder schleifen Fensterrahmen im Stadtarchiv. Meret de Fries aus Berlin restauriert eine alte Steinmauer. Für die 22-Jährige ist die ehrenamtliche Arbeit eine Orientierung nach ihrem Studium im Bauingenieurwesen. "Wir machen hier gerade eine Steinmauer-Blende aus Bruchsteinen. Bei all der Arbeit die vergangenen Monate habe ich auf jeden Fall herausgefunden, dass ein Bürojob nichts für mich wäre."

Eine kleine Straße mit weißen Fachwerkhäusern in Monschau.

Die Altstadt von Monschau: Hier gibt es für Denkmalschützer viel zu tun

Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) organisieren den Freiwilligendienst. Sie betreuen die Jugendlichen auf den Baustellen, begleiten Seminare und kümmern sich um Ansprechpartner vor Ort. Örtliche Handwerker oder Stadtarbeiter leiten die Freiwilligen an.

Jascha Braun ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Monschau und gibt als ehrenamtlicher Helfer den Jugendlichen vor Ort immer wieder Bau-Tipps. "Für uns Anwohner ist das natürlich super. Hier kommen junge Menschen hin, die sich für alte Häuser interessieren", erklärt er. "Es entstehen viele Begegnungen und Kontakte, man kommt ins Gespräch." Die Jugendlichen lernen so auch die Geschichte der Stadt Monschau viel besser kennen.

Gemeinschaft spielt eine große Rolle

Christoph Hustedt aus Hannover ist an einer Bruchsteinmauer mitten in der Altstadt beschäftigt. Mit einem Hammer schlägt der 19-Jährige die Kante eines Bruchsteins ab. Im Anschluss steckt er ihn in eine Lücke zwischen zwei anderen Steinen. Hustedt hat sein Abitur in der Tasche, will sich aber fachlich weiterbilden.

Christoph Hustedt arbeitet gemeinsam mit anderen an einer Bruchsteinmauer

00:19 Min. Verfügbar bis 15.07.2027

Kristin Nolte hat heute Essensdienst und muss kochen, denn bei den Jugendbauhütten leben die Freiwilligen in einem Selbstversorgerhaus. Das stärkt den Zusammenhalt auf der Baustelle. Nach der Mittagspause wird Nolte mit der Dämmung unter zwei Fenstern fertig. "Das sieht ganz gut aus", sagt sie. Dass ihr Arbeitsergebnis immer sichtbar ist, motiviert sie. Ob sie alles rechtzeitig schafft, weiß sie noch nicht. "Ich mache das ja nicht jeden Tag. Mir gefällt es aber, die Erfahrung zu sammeln, wie man handwerklich arbeitet." Und alte Häuser zu restaurieren, braucht eben ganz schön viel Zeit.

 Über dieses Thema haben wir auch am 15.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Aachen, 19.30 Uhr.