Lara Soyubey und Xenia Look stehen gemeinsam vor einer Patientin. Die beiden jungen Frauen tragen beide einen Mundschutz.

Rollentausch an der Uniklinik Bonn: Ärztin wird für einen Tag Pflegerin

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In der Kindermedizin der Bonner Uniklinik schlüpfen Ärzte für einen Tag in die Rolle der Pfleger. Bekommen sie so mehr Verständnis für den stressigen Alltag auf der Station?

Von Britta Schwanenberg

Die Kinderkrebsstation ist bis auf das letzte Bett belegt. Vielen der kleinen Patienten geht es schlecht. Auf der Station der Bonner Uniklinik klingeln unaufhörlich die Rufanlagen und an zahlreichen Türen leuchten rote Lämpchen. Eine ständige Erinnerung: Hier wird Hilfe gebraucht. Die Pflegekräfte eilen von Raum zu Raum, ohne Pause. So beschreibt Xenia Look, seit fast zehn Jahren Kinderkrankenpflegerin, einen "Höllentag" auf der Station. "Trinken, Essen, Toilette ist für uns dann irgendwie irrelevant."

Wie Ärzte Pflegekräfte in Stresssituationen unterstützen können

00:28 Min. Verfügbar bis 05.05.2027

Pflegekräfte in Deutschland arbeiten täglich unter Personalmangel und enormem Stress. Das Problem wird unter anderem anhand der in Kinderkliniken zur Verfügung stehenden Betten deutlich. Lediglich 367 von insgesamt 607 aufstellbaren Betten konnten im Jahr 2022 betrieben werden. Das ergab eine Befragung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin unter 110 Kinderkliniken. In 70 Prozent der Fälle nannten die Krankenhäuser fehlendes Personal als einen der Hauptgründe.

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Eine gute Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis zwischen Pflegern und Ärzten sind deshalb umso wichtiger. Um diese zu fördern, gibt es seit gut einem Jahr auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik Bonn den "Tag der Pflege". Das bedeutet: Rollentausch.

Ein Tag als Pflegerin: Bonner Ärztin erlebt den Klinikalltag neu

Heute wird Kinderärztin Lara Soyubey zur Pflegerin für einen Tag. Dafür schlüpft sie erstmal von ihrer blauen in eine weiße Hose. Daran lassen sich auf der Station die Ärzte und Pflegekräfte unterscheiden. Soyubeys erster "Patient" ist zur Sicherheit nur ein Dummy. Die Ärztin soll Blutabnehmen üben. Pflegerin Look hilft ihr dabei. "Das wird kompliziert", sagt die 28-jährige Soyubey.

Warum Kinderärztin Lara Soyubey die Hilfe der Pflegerin braucht

00:13 Min. Verfügbar bis 05.05.2027

In den nächsten Minuten wird konzentriert desinfiziert, an Kanülen geschraubt, Spritzen aufgezogen, aber auch viel gelacht. Mal liegt die desinfizierte Spritze nicht bereit, mal will der winzige Schraubverschluss nicht so, wie er soll. Gar nicht so einfach, das alles. Doch dann ist es geschafft und der erste echte Patientenkontakt steht bevor.

Mehr als Medizin: Die emotionale Seite im Krankenhaus

Soyubey und Look stehen vor einem Patientenzimmer. Die Pflegerin für einen Tag klopft kurz, dann schlüpfen die beiden durch die Tür. Zwei Mädchen warten drinnen, ihr Blutdruck muss gemessen werden. Eine der beiden steht kurz vor der Entlassung. "Das Essen war kalt, als ich nach der Untersuchung wiederkam", klagt die neunjährige Patientin. "Das ist ja echt blöd", sagt Ärztin Soyubey mitfühlend und streift dabei das Blutdruckgerät über den Arm.

Auch Universitäten und andere Kliniken in NRW setzten schon auf das Konzept des Perspektivwechsels: Medizinstudierende schlüpfen etwa in die Rolle von Eltern oder Patienten und üben Gesprächssituationen. Die Heliosklinik in Bonn schickt sogar ihre Geschäftsführung in den OP-Saal, um den Arbeitsalltag dort zu veranschaulichen.

Soyubey lernt heute, was es bedeutet, auch nach der medizinischen Behandlung für die Patienten da zu sein. Pflegerin Look weiß, dass die Familien auf der Station oft auch auf ihre aufmunternden Worte angewiesen sind. Wenn die Ärzte nach der Visite raus sind, kommen oft die Gefühle hoch, erklärt die 30-Jährige. Dafür habe sie diesen Beruf gewählt. Auch wenn an stressigen Tagen nicht viel Zeit dafür bleibt.

Lara Soyubey und Xenia Look lächeln in die Kamera, Lara Soyubey hält eine weiße Hose in die Luft.

Hosentausch: Als "Pflegerin" ist Ärztin Lara Soyubey heute in diese weiße Hose geschlüpft

Die Schicht neigt sich dem Ende zu. Die Kinderärztin hat inzwischen zahlreiche Medikamente verteilt, auf ständige Hilferufe reagiert und die Bettpfanne gewechselt. Am meisten überrasche sie, wie anstrengend es ist, ständig unterbrochen zu werden. "Dass ich zu jedem Klingeln wirklich hin muss, selbst zu erleben, was es bedeutet, keine Alternative zu haben, das war wirklich unerwartet schwer." Ihr Fazit: "Das würde in ganz vielen Bereichen guttun!"

Auch Pflegerin Look ist von dem Konzept überzeugt: "Wir arbeiten sowieso sehr auf Augenhöhe, aber es hat trotzdem zu viel mehr Verständnis auf beiden Seiten geführt und dass Dinge und Prozesse überdacht werden."

Über dieses Thema haben wir auch am 21.03.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Bonn, 19.30 Uhr.