Als Inge Sundermann die Einladung zum Klassentreffen erhält, möchte sie am liebsten direkt ablehnen. Ihre Kindheit in der Lüneburger Heide, ganz nahe an dem Konzentrationslager Bergen-Belsen, scheint fern und sie erinnert sich nur ungern an die Zeit zurück.
Acht Jahre alt war sie, als der Zweite Weltkrieg endete. Doch es ist nicht nur der Krieg und die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre, die sie vergessen möchte. Die idyllische Heide wurde damals zum Schauplatz für Kriegsverbrechen, deren Täter noch Jahrzehnte später unbehelligt in den Dörfern der Umgebung lebten. Als kleines Mädchen verstand Inge damals nur wenig davon, doch durch die Tagesbuchaufzeichnungen der Journalistin Helga von Borcke, die damals eine Chronik der Region anfertigte, werden ihre Erinnerungen wieder wach.
Der Geschichte "Wo der Wind die Namen trägt" von Anja Jonuleit verknüpft zwei Zeitebenen, 2023 und 1946, und erzählt von Tätern, die nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und zwei Frauen, die sich schließlich der Wahrheit stellen. Ein eindringlicher Roman über Schuld, Erinnerung und späte Aufarbeitung.
Hörbuch
Anja Jonuleit: Wo der Wind die Namen trägt. Gelesen von Ruth Reinecke, Tessa Mittelstaedt und Monika Oschek. Der Audio Verlag, 2026. 10 Stunden und 47 Minuten, 25 Euro. ISBN 978-3-7424-3753-2
Buch
Anja Jonuleit: Wo der Wind die Namen trägt. C. Bertelsmann Verlag, 2026. 384 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-570-10606-8
Autorin: Juliane Krebs
Redaktion: Kathrin Schröter
Service Hörbuch ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden zweiten Montag zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.