Udo Lindenberg: Eine pompöse Karriere

Vom Provinztrommler zum Gesamtkunstwerk: Udo Lindenbergs Karriere war bunt, wechselhaft, extrem. Und sie ist noch lange nicht vorbei. Am 17. Mai wird er 80 Jahre alt.

Udo Lindenberg bei einem Auftritt 1979 in der Bremer Stadthalle

Gronau ist ein ziemliches Kaff. Das findet auch Udo Gerhard Lindenberg, der schon als Kind auf allem rumtrommelt, was ihm in die Quere kommt. Musiker werden, das wäre toll. Aber raus aus Gronau ist auch schon mal nicht schlecht, also geht er mit 15 nach Düsseldorf und macht eine Ausbildung in einem Hotel. Und nebenbei tingelt er durch die Kneipen und Bars der Stadt.

Udo Lindenberg steht in den 70er Jahren im Rahmen der TV-Show "Lieder mit anderen Worten" im Scheinwerferlicht

Frankreich, Libyen, Westfalen: Der junge Udo kommt viel rum in der Welt und spielt überall, wo es eine Bühne gibt. Ende der 60er landet er in Hamburg. Er spielt Schlagzeug, Saxophon, singt. Was eben gerade anfällt.

Udo Lindenberg in den 70er Jahren am Saxophon

Er lernt den Jazzmusiker Klaus Doldinger kennen, und als dieser den Auftrag bekommt, für eine neue ARD-Krimireihe namens "Tatort" die Titelmelodie einzuspielen, setzt sich Udo kurzerhand an die Drums. Doch eigentlich zieht es ihn nach vorne auf die Bühne, ins Rampenlicht.

Udo Lindenberg um 1973

1971 erscheint das erste Lindenberg-Album: Er singt englisch, die Stücke klingen mal nach Krautrock, mal nach den bunten Beatles der "Sgt. Peppers"-Phase. Das Album floppt, also versucht es Udo auf Deutsch. Ein Jahr später erscheint "Daumen im Wind". Vom "Panikrocker" ist noch nichts zu spüren, stattdessen passen Sound und Aussehen eher zur Schlagerszene.

Udo Lindenberg live in den 70er Jahren in der Hamburger Fabrik

Es dauert ein weiteres Jahr, bis Lindenberg seine künstlerische Identität gefunden hat: Mit dem Album "Alles klar auf der Andrea Doria" legt er das Fundament für seine weitere künstlerische Laufbahn. Hier ist schon alles angelegt: Songs wie das Titellied oder "Cello" sind ungezwungen und mitreißend, spontan und witzig.

Udo Lindenberg 1981 mit Zigarette in der Hand

Das liegt natürlich auch an Udos Schnoddertexten voller Assoziationen und Alliterationen. Sein Talent für Sprüche und Späße wird auch in einer WG in Hamburg-Winterhude geschärft, in der er damals haust. Seine Mitbewohner: Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen. Wer hätte da nicht gerne mal eine Party gefeiert?

Der Rennfahrer und Prinz von Bayern Leopold hält sich zusammen mit Udo Lindenberg und einem Freund am Rande einer Rennstrecke auf, ca. 1980er Jahre

Es läuft bei Udo. Als erster deutscher Rocksänger unterschreibt er einen millionenschweren Plattenvertrag. Und das Geld lässt er nicht nur in Bars, Luxushotels und auf Rennstrecken ...

Udo Lindenberg in den 1970er Jahren

... auch der Entertainment-Faktor seiner Auftritte wird aufgemotzt: Mit großer Begleitband, Tänzerinnen und Tänzern sowie einem aufwändigen Bühnenbild werden seine Konzerte immer mehr zu Revue-Vorstellungen.

Udo Lindenberg mit Helga Feddersen in der ARD-Fernsehsendung "Plattenküche" (1978)

Gerhard Gösebrecht, Jonny Controlletti, Rudi Ratlos, Wotan Wahnwitz: Im Lindenberg-Kosmos tummeln sich allerhand skurrile Figuren. Doch obwohl er in angesagten Sendungen wie der "Plattenküche" (hier mit Helga Feddersen) auftritt, sinkt sein Stern gegen Ende der 70er ein bisschen.

Sänger Udo Lindenberg und Künstler Joseph Beuys 1983

Dass in Udo mehr steckt als ein rockender Likörliebhaber, zeigt sich in seinem gesellschaftlichen Engagement. Er schreibt Songs gegen Rechtsradikale und engagiert sich in der Umwelt- und Friedensbewegung. Hier sieht man ihn an der Seite von Joseph Beuys bei einer Veranstaltung der Grünen.

Frankfurt am Main, 11.01.1983. Markus, Nena und Udo Lindenberg beim Treffen im Frankfurter "Odeon"

Als die Neue Deutsche Welle über das Land schwappt, bekommt auch Udo neuen Schwung mit. Mit Nena (rechts) hat er sogar ein Liebesverhältnis. Davon erfährt die Öffentlichkeit allerdings erst ein Jahr später.

Rockmusiker Udo Lindenberg tritt am 10.05.1982 auf der Waldbühne in Berlin auf

Ein seltener Anblick: Udo ohne Hut und ohne Brille.

Udo Lindenberg posiert am 13. Oktober 1983 in Ostberlin vor dem Brandenburger Tor

Udos großer Wunsch ist eine Tour durch die DDR. Doch mehr als ein Kurzauftritt im Palast der Republik im Herbst 1983 ist nicht drin. Der findet vor SED-Parteifunktionären statt, die wahren Fans stehen vor der Tür. Der Auftritt, der im DDR-Fernsehen gezeigt wird, sorgt dafür, dass Udo auch jenseits der Mauer zu einer wichtigen kulturellen Größe wird.

Udo Lindenberg überreicht dem ehemaligen SED-Generalsekretär Erich Honecker (M) bei dessen Besuch 1987 in Wuppertal eine - laut Lindenberg - "nicht ganz billige Gitarre" mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren"

1987 trifft er sogar den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Doch selbst die Lederjacke und die Gitarre, die Lindenberg ihm schenkt, können den "sturen Schrat" (Zitat aus "Sonderzug nach Pankow") nicht erweichen. Die erste Tour durch Ostdeutschland macht Udo erst nach dem Fall der Mauer.

Udo Lindenberg 1984 mit Zigarette in der Hand

Kippe, Hut, cooler Blick: In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wird Udo immer mehr zum Gesamtkunstwerk. Seine Hits werden seltener, aber im Gespräch bleibt er trotzdem.

Udo Lindenberg vor einem seiner Bilder

So finden seine Exzesse und sein wildes Leben ein Ventil in Udos Kunst. Mit den "Likörellen", für die er Malfarben mit Hochprozentigem mischt, sorgt er für Aufsehen. Er lässt sich diese Maltechnik sogar patentieren.

Udo Lindenberg bei einem Auftritt 2012 in Berlin

Im neuen Jahrtausend erlebt Udo dann seinen dritten Frühling. Zu den Konzerten kommen ganze Familienverbände mit Oma, Kindern und Enkeln. Und auch die neue Generation von Popstars tut sich gerne mit ihm zusammen: Clueso, Jan Delay oder Silbermond schauen bei ihm im Studio oder auf der Bühne vorbei.

Impressionen vom Udo Lindenberg-Konzert in Dortmund am 7.6.2022

Die Alben "Stark wie zwei" (2008) und "Stärker als die Zeit" (2016) werden zu den erfolgreichsten in Udos langer Karriere. Und auch live ist Udo wieder eine ganz große Nummer. Er füllt Hallen, Arenen, selbst Stadien und liefert Auftritte ab, die im Gedächtnis bleiben.

Jan Bülow (M) als Udo und Max von der Groeben (r) als Steffi Stephan in einer Szene des Films "Lindenberg! Mach dein Ding!"

Nach einer Karriere mit vielen Höhe- und Tiefpunkten ist Udo wieder ganz obenauf. 2020 wird sein Leben sogar verfilmt. In "Lindenberg! Mach dein Ding" spielt Jan Bülow (Mitte) den jungen Udo, der sich und der Welt beweisen will, dass er das Zeug zum Star hat.

Udo Lindenberg und Apache 207 sitzen nebeneinander und posieren in schwarzen Outfits mit Sonnenbrille und Zigarre

Was die Filmemacher nicht wissen: Einen seiner größten Hits hat sich Udo noch aufgehoben! 2023 veröffentlicht er zusammen mit dem Deutschrapper Apache 207 die Single "Komet" – und knackt einen Rekord: 18 Wochen lang hält sich der Song auf Platz eins der deutschen Charts.

Impressionen vom Udo Lindenberg-Konzert in Dortmund am 7.6.2022

Zum 80. Geburtstag können sich Lindenberg-Fans auf zahlreiche Highlights freuen: Das Tribute-Album "We Love Udo" vereint Cover-Songs prominenter Gratulanten. In Hamburg ist die Lindenberg-Ausstellung "UDOVERSUM" zu sehen. Und die ARD erzählt in einer TV-Dokumentation und einem Podcast von Udos bewegtem Leben auf und abseits der Bühne.

Gronau ist ein ziemliches Kaff. Das findet auch Udo Gerhard Lindenberg, der schon als Kind auf allem rumtrommelt, was ihm in die Quere kommt. Musiker werden, das wäre toll. Aber raus aus Gronau ist auch schon mal nicht schlecht, also geht er mit 15 nach Düsseldorf und macht eine Ausbildung in einem Hotel. Und nebenbei tingelt er durch die Kneipen und Bars der Stadt.

Frankreich, Libyen, Westfalen: Der junge Udo kommt viel rum in der Welt und spielt überall, wo es eine Bühne gibt. Ende der 60er landet er in Hamburg. Er spielt Schlagzeug, Saxophon, singt. Was eben gerade anfällt.

Er lernt den Jazzmusiker Klaus Doldinger kennen, und als dieser den Auftrag bekommt, für eine neue ARD-Krimireihe namens "Tatort" die Titelmelodie einzuspielen, setzt sich Udo kurzerhand an die Drums. Doch eigentlich zieht es ihn nach vorne auf die Bühne, ins Rampenlicht.

1971 erscheint das erste Lindenberg-Album: Er singt englisch, die Stücke klingen mal nach Krautrock, mal nach den bunten Beatles der "Sgt. Peppers"-Phase. Das Album floppt, also versucht es Udo auf Deutsch. Ein Jahr später erscheint "Daumen im Wind". Vom "Panikrocker" ist noch nichts zu spüren, stattdessen passen Sound und Aussehen eher zur Schlagerszene.

Es dauert ein weiteres Jahr, bis Lindenberg seine künstlerische Identität gefunden hat: Mit dem Album "Alles klar auf der Andrea Doria" legt er das Fundament für seine weitere künstlerische Laufbahn. Hier ist schon alles angelegt: Songs wie das Titellied oder "Cello" sind ungezwungen und mitreißend, spontan und witzig.

Das liegt natürlich auch an Udos Schnoddertexten voller Assoziationen und Alliterationen. Sein Talent für Sprüche und Späße wird auch in einer WG in Hamburg-Winterhude geschärft, in der er damals haust. Seine Mitbewohner: Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen. Wer hätte da nicht gerne mal eine Party gefeiert?

Es läuft bei Udo. Als erster deutscher Rocksänger unterschreibt er einen millionenschweren Plattenvertrag. Und das Geld lässt er nicht nur in Bars, Luxushotels und auf Rennstrecken ...

... auch der Entertainment-Faktor seiner Auftritte wird aufgemotzt: Mit großer Begleitband, Tänzerinnen und Tänzern sowie einem aufwändigen Bühnenbild werden seine Konzerte immer mehr zu Revue-Vorstellungen.

Gerhard Gösebrecht, Jonny Controlletti, Rudi Ratlos, Wotan Wahnwitz: Im Lindenberg-Kosmos tummeln sich allerhand skurrile Figuren. Doch obwohl er in angesagten Sendungen wie der "Plattenküche" (hier mit Helga Feddersen) auftritt, sinkt sein Stern gegen Ende der 70er ein bisschen.

Dass in Udo mehr steckt als ein rockender Likörliebhaber, zeigt sich in seinem gesellschaftlichen Engagement. Er schreibt Songs gegen Rechtsradikale und engagiert sich in der Umwelt- und Friedensbewegung. Hier sieht man ihn an der Seite von Joseph Beuys bei einer Veranstaltung der Grünen.

Als die Neue Deutsche Welle über das Land schwappt, bekommt auch Udo neuen Schwung mit. Mit Nena (rechts) hat er sogar ein Liebesverhältnis. Davon erfährt die Öffentlichkeit allerdings erst ein Jahr später.

Ein seltener Anblick: Udo ohne Hut und ohne Brille.

Udos großer Wunsch ist eine Tour durch die DDR. Doch mehr als ein Kurzauftritt im Palast der Republik im Herbst 1983 ist nicht drin. Der findet vor SED-Parteifunktionären statt, die wahren Fans stehen vor der Tür. Der Auftritt, der im DDR-Fernsehen gezeigt wird, sorgt dafür, dass Udo auch jenseits der Mauer zu einer wichtigen kulturellen Größe wird.

1987 trifft er sogar den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Doch selbst die Lederjacke und die Gitarre, die Lindenberg ihm schenkt, können den "sturen Schrat" (Zitat aus "Sonderzug nach Pankow") nicht erweichen. Die erste Tour durch Ostdeutschland macht Udo erst nach dem Fall der Mauer.

Kippe, Hut, cooler Blick: In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wird Udo immer mehr zum Gesamtkunstwerk. Seine Hits werden seltener, aber im Gespräch bleibt er trotzdem.

So finden seine Exzesse und sein wildes Leben ein Ventil in Udos Kunst. Mit den "Likörellen", für die er Malfarben mit Hochprozentigem mischt, sorgt er für Aufsehen. Er lässt sich diese Maltechnik sogar patentieren.

Im neuen Jahrtausend erlebt Udo dann seinen dritten Frühling. Zu den Konzerten kommen ganze Familienverbände mit Oma, Kindern und Enkeln. Und auch die neue Generation von Popstars tut sich gerne mit ihm zusammen: Clueso, Jan Delay oder Silbermond schauen bei ihm im Studio oder auf der Bühne vorbei.

Die Alben "Stark wie zwei" (2008) und "Stärker als die Zeit" (2016) werden zu den erfolgreichsten in Udos langer Karriere. Und auch live ist Udo wieder eine ganz große Nummer. Er füllt Hallen, Arenen, selbst Stadien und liefert Auftritte ab, die im Gedächtnis bleiben.

Nach einer Karriere mit vielen Höhe- und Tiefpunkten ist Udo wieder ganz obenauf. 2020 wird sein Leben sogar verfilmt. In "Lindenberg! Mach dein Ding" spielt Jan Bülow (Mitte) den jungen Udo, der sich und der Welt beweisen will, dass er das Zeug zum Star hat.

Was die Filmemacher nicht wissen: Einen seiner größten Hits hat sich Udo noch aufgehoben! 2023 veröffentlicht er zusammen mit dem Deutschrapper Apache 207 die Single "Komet" – und knackt einen Rekord: 18 Wochen lang hält sich der Song auf Platz eins der deutschen Charts.

Zum 80. Geburtstag können sich Lindenberg-Fans auf zahlreiche Highlights freuen: Das Tribute-Album "We Love Udo" vereint Cover-Songs prominenter Gratulanten. In Hamburg ist die Lindenberg-Ausstellung "UDOVERSUM" zu sehen. Und die ARD erzählt in einer TV-Dokumentation und einem Podcast von Udos bewegtem Leben auf und abseits der Bühne.

Stand: 17.05.2026, 00:00 Uhr