Rolling Stones: Sechs Jahrzehnte an der Spitze

Von Ingo Neumayer, Luca Cramer und Jasper Witkowski

Seit über 60 Jahren existieren die Rolling Stones – und reihen dabei Erfolg an Erfolg, Rekord an Rekord, Skandal an Skandal. Am 07.05.1966 erschien ihre Hitsingle "Paint It Black" in den USA.

 Mick Jagger und Keith Richards stehen 1964 in London auf der Bühne

Die Geschichte der Stones beginnt 1961 auf einem Bahnhof in Dartford, 30 Kilometer südöstlich von London. Dort trifft der 18-jährige Keith Richards einen Schulfreund aus der Grundschule namens Mike Jagger. Richards sieht die Chuck-Berry-Platte, die Jagger unter dem Arm trägt, und die beiden stellen fest, dass sie dieselben musikalischen Vorlieben haben.

 Mick Jagger und Keith Richards 1965

Jagger erzählt von seiner Band "Little Boy Blue And The Blue Boys", lädt Richards, der Gitarre spielt, ein, sie mal im Proberaum zu besuchen. Wenig später taucht er dort auf, spielt ein bisschen auf seiner Hofner-Gitarre – und überzeugt auf Anhieb.

Ein junger Mick Jagger singt in die Kamera

Ein Bandname, Mitstreiter und ein Manager sind schnell gefunden. Im Juni 1963 erscheint mit "Come On" die erste Single der Rolling Stones. Anfangs sind Jagger (der sich inzwischen Mick nennt) und Richards noch so unsicher bezüglich ihrer Fähigkeiten als Songwriter, dass sie sich das Pseudonym "Nanker/Phelge" geben.

Brian Jones und Mick Jagger stehen 1965 in Münster auf der Bühne

Dieses Pseudonym wird später auch für Kompositionen der ganzen Band benutzt. Phelge hieß ein ehemaliger Mitbewohner Jaggers und Nanker bezeichnete eine Grimasse, die Gitarrist Brian Jones gerne schnitt.

Rolling Stones 1965 in Stockholm

Die Stones etablieren sich als Gegenmodell zu den Beatles. Sie gelten als "böse Buben", die Anzüglichkeiten verbreiten und den Exzess zelebrieren. Sie liefern zwar Hits am Fließband ab, wie zum Beispiel "Satisfaction", "The Last Time", "Ruby Tuesday", "Paint It Black" oder "Jumpin Jack Flash". Aber es ist mehr als die Musik, die ihre Attraktivität ausmacht.

Krawalle beim Altamont-Konzert der Rolling Stones 1969

1969 wird zum Schicksalsjahr der Stones. Im Sommer werfen sie Brian Jones aus der Band, der seinen Drogenkonsum nicht mehr im Griff hat – wenig später wird er ertrunken in seinem Pool aufgefunden. Und im Dezember kommt es beim Altamont Free Concert zu Ausschreitungen. Ein Mitglied der Rockergang Hells Angels ersticht einen Zuschauer direkt vor der Bühne.

Mick Jagger und Marianne Faithfull

Zu Beginn der 70er zeigen die Stones mit "Sticky Fingers" und "Exile On Main St.", dass sie auch im neuen Jahrzehnt zu den wichtigsten und relevantesten Bands gehören. Eine der wenigen Frauen, die auf einer Stones-Platte zu Songwriter-Ehren kommt, ist übrigens Marianne Faithfull (li.). Ihr Song "Sister Morphine" landet auf "Sticky Fingers".

Mick Jagger und Keith Richards schauen in die Kamera

In den 1970er Jahren wird die Freundschaft zwischen Jagger und Richards zunehmend brüchig. Gleichzeitig entsteht in dieser Zeit aber ein Pseudonym, das besondere Nähe suggeriert: "The Glimmer Twins" (zu Deutsch: die schimmernden Zwillinge). "It's Only Rock 'n' Roll" (1974) ist das erste Stones-Album, das laut Plattenhülle von den Glimmer Twins produziert wurde.

Ron Wood und Mick Jagger, 1980

Doch die Zeiten, in denen sie mit ihren Alben Maßstäbe setzen, neigen sich langsam dem Ende zu. Stattdessen werden die Stones zu einer globalen Marke, die vor allem mit ihren Konzerten Maßstäbe setzt: Sie spielen pompöse Shows in riesigen Arenen, zu denen die Band im eigenen Privatjet fliegt.

Rolling Stones live 1982

Hits gelingen der Band ab Mitte der 70er nur noch vereinzelt, aber es finden sich andere Wege, um im Gespräch zu bleiben. Jagger und Richards füllen regelmäßig die Klatschspalten der Zeitungen: mit Drogen, Frauengeschichten, Exzessen und internen Konflikten. Vor allem Mick Jagger reicht es nicht aus, "nur" der Sänger der größten Rock 'n' Roll-Band des Planeten zu sein.

Mick Jagger bei den Dreharbeiten zu "Kelly, der Bandit"

Er startet eine Solokarriere und versucht sich als Schauspieler. Schon 1970 dreht er "Kelly, der Bandit", einen Film über einen australischen Straßenräuber im 19. Jahrhundert. Der Film floppt – wie die meisten anderen auch, in denen er zu sehen ist. 1982 soll er mit Klaus Kinski in Werner Herzogs "Fitzcarraldo" spielen, doch wegen einer Tournee muss er absagen.

Keith Richards und Johnny Depp in 2011

Ironischerweise ist Richards an ungleich erfolgreicheren Filmen beteiligt. In "Fluch der Karibik" lehnt Johnny Depp die Rolle des Piraten Jack Sparrow an Keith Richards an, denn: "Piraten waren die Rockstars ihrer Zeit". Im dritten und vierten Teil der Filmreihe hat Richards dann sogar kurze Gastauftritte als Jack Sparrows Vater.

Mick Jagger und sein Vater sowie zwei seiner Töchter in 2003

In den 60er Jahren galt er noch als Bürgerschreck, 2003 wird er von Prinz Charles zum Ritter geschlagen. Sir Mick Jagger bringt zur Verleihung seinen Vater und zwei seiner Töchter mit und ist sichtlich angetan von den hohen Würden. Keith Richards kommentiert die Aktion mit Spott und Häme.

Rolling Stones live

Es ist müßig, alle Rekorde und Superlative aufzuzählen, die die Rolling Stones im Laufe ihrer über 60-jährigen Karriere aufgestellt haben. Deshalb hier nur der bislang letzte: Im April 2020 schafft es die Band mit "Living In A Ghost Town" auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Zuletzt war ihnen das vor 56 Jahren mit "Jumpin' Jack Flash" gelungen.

Charlie Watts am Schlagzeug 2019

2021 stirbt Charlie Watts im Alter von 80 Jahren. Der Drummer, der 2016 vom "Rolling Stone"-Magazin auf Platz zwölf der besten Schlagzeuger aller Zeiten gewählt wurde, hinterlässt auch menschlich eine große Lücke.

Steve Jordan am Schlagzeug

Aber Aufhören ist für die Stones keine Option. Für die verbliebenen Konzerte der "No Filter"-Tour holen sie sich einen langjährigen Weggefährten von Keith Richards an Bord: Steve Jordan.

Rolling Stones 2024

Jordan hat gleich alle Hände voll zu tun. 2022 und 2024 geht's auf Tournee, 2023 erscheint das 24. Studioalbum "Hackney Diamonds", das in Deutschland für 28 Wochen auf Platz eins springt.

Eine Schallplatte mit der Aufschrit "The Cockroaches" in einem Schallplattenspieler

Und auch mehr als 60 Jahre nach "Satisfaction" haben die Stones noch nicht genug: Unter dem Pseudonym "The Cockroaches" erscheint im April 2026 eine neue Single. Kostenpunkt: 10,07 Pfund – Gerüchten zufolge ein versteckter Hinweis auf ein neues Album im Juli …

Die Geschichte der Stones beginnt 1961 auf einem Bahnhof in Dartford, 30 Kilometer südöstlich von London. Dort trifft der 18-jährige Keith Richards einen Schulfreund aus der Grundschule namens Mike Jagger. Richards sieht die Chuck-Berry-Platte, die Jagger unter dem Arm trägt, und die beiden stellen fest, dass sie dieselben musikalischen Vorlieben haben.

Jagger erzählt von seiner Band "Little Boy Blue And The Blue Boys", lädt Richards, der Gitarre spielt, ein, sie mal im Proberaum zu besuchen. Wenig später taucht er dort auf, spielt ein bisschen auf seiner Hofner-Gitarre – und überzeugt auf Anhieb.

Ein Bandname, Mitstreiter und ein Manager sind schnell gefunden. Im Juni 1963 erscheint mit "Come On" die erste Single der Rolling Stones. Anfangs sind Jagger (der sich inzwischen Mick nennt) und Richards noch so unsicher bezüglich ihrer Fähigkeiten als Songwriter, dass sie sich das Pseudonym "Nanker/Phelge" geben.

Dieses Pseudonym wird später auch für Kompositionen der ganzen Band benutzt. Phelge hieß ein ehemaliger Mitbewohner Jaggers und Nanker bezeichnete eine Grimasse, die Gitarrist Brian Jones gerne schnitt.

Die Stones etablieren sich als Gegenmodell zu den Beatles. Sie gelten als "böse Buben", die Anzüglichkeiten verbreiten und den Exzess zelebrieren. Sie liefern zwar Hits am Fließband ab, wie zum Beispiel "Satisfaction", "The Last Time", "Ruby Tuesday", "Paint It Black" oder "Jumpin Jack Flash". Aber es ist mehr als die Musik, die ihre Attraktivität ausmacht.

1969 wird zum Schicksalsjahr der Stones. Im Sommer werfen sie Brian Jones aus der Band, der seinen Drogenkonsum nicht mehr im Griff hat – wenig später wird er ertrunken in seinem Pool aufgefunden. Und im Dezember kommt es beim Altamont Free Concert zu Ausschreitungen. Ein Mitglied der Rockergang Hells Angels ersticht einen Zuschauer direkt vor der Bühne.

Zu Beginn der 70er zeigen die Stones mit "Sticky Fingers" und "Exile On Main St.", dass sie auch im neuen Jahrzehnt zu den wichtigsten und relevantesten Bands gehören. Eine der wenigen Frauen, die auf einer Stones-Platte zu Songwriter-Ehren kommt, ist übrigens Marianne Faithfull (li.). Ihr Song "Sister Morphine" landet auf "Sticky Fingers".

In den 1970er Jahren wird die Freundschaft zwischen Jagger und Richards zunehmend brüchig. Gleichzeitig entsteht in dieser Zeit aber ein Pseudonym, das besondere Nähe suggeriert: "The Glimmer Twins" (zu Deutsch: die schimmernden Zwillinge). "It's Only Rock 'n' Roll" (1974) ist das erste Stones-Album, das laut Plattenhülle von den Glimmer Twins produziert wurde.

Doch die Zeiten, in denen sie mit ihren Alben Maßstäbe setzen, neigen sich langsam dem Ende zu. Stattdessen werden die Stones zu einer globalen Marke, die vor allem mit ihren Konzerten Maßstäbe setzt: Sie spielen pompöse Shows in riesigen Arenen, zu denen die Band im eigenen Privatjet fliegt.

Hits gelingen der Band ab Mitte der 70er nur noch vereinzelt, aber es finden sich andere Wege, um im Gespräch zu bleiben. Jagger und Richards füllen regelmäßig die Klatschspalten der Zeitungen: mit Drogen, Frauengeschichten, Exzessen und internen Konflikten. Vor allem Mick Jagger reicht es nicht aus, "nur" der Sänger der größten Rock 'n' Roll-Band des Planeten zu sein.

Er startet eine Solokarriere und versucht sich als Schauspieler. Schon 1970 dreht er "Kelly, der Bandit", einen Film über einen australischen Straßenräuber im 19. Jahrhundert. Der Film floppt – wie die meisten anderen auch, in denen er zu sehen ist. 1982 soll er mit Klaus Kinski in Werner Herzogs "Fitzcarraldo" spielen, doch wegen einer Tournee muss er absagen.

Ironischerweise ist Richards an ungleich erfolgreicheren Filmen beteiligt. In "Fluch der Karibik" lehnt Johnny Depp die Rolle des Piraten Jack Sparrow an Keith Richards an, denn: "Piraten waren die Rockstars ihrer Zeit". Im dritten und vierten Teil der Filmreihe hat Richards dann sogar kurze Gastauftritte als Jack Sparrows Vater.

In den 60er Jahren galt er noch als Bürgerschreck, 2003 wird er von Prinz Charles zum Ritter geschlagen. Sir Mick Jagger bringt zur Verleihung seinen Vater und zwei seiner Töchter mit und ist sichtlich angetan von den hohen Würden. Keith Richards kommentiert die Aktion mit Spott und Häme.

Es ist müßig, alle Rekorde und Superlative aufzuzählen, die die Rolling Stones im Laufe ihrer über 60-jährigen Karriere aufgestellt haben. Deshalb hier nur der bislang letzte: Im April 2020 schafft es die Band mit "Living In A Ghost Town" auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Zuletzt war ihnen das vor 56 Jahren mit "Jumpin' Jack Flash" gelungen.

2021 stirbt Charlie Watts im Alter von 80 Jahren. Der Drummer, der 2016 vom "Rolling Stone"-Magazin auf Platz zwölf der besten Schlagzeuger aller Zeiten gewählt wurde, hinterlässt auch menschlich eine große Lücke.

Aber Aufhören ist für die Stones keine Option. Für die verbliebenen Konzerte der "No Filter"-Tour holen sie sich einen langjährigen Weggefährten von Keith Richards an Bord: Steve Jordan.

Jordan hat gleich alle Hände voll zu tun. 2022 und 2024 geht's auf Tournee, 2023 erscheint das 24. Studioalbum "Hackney Diamonds", das in Deutschland für 28 Wochen auf Platz eins springt.

Und auch mehr als 60 Jahre nach "Satisfaction" haben die Stones noch nicht genug: Unter dem Pseudonym "The Cockroaches" erscheint im April 2026 eine neue Single. Kostenpunkt: 10,07 Pfund – Gerüchten zufolge ein versteckter Hinweis auf ein neues Album im Juli …

Stand: 07.05.2026, 00:00 Uhr