David Gilmour wird 80

Von Ingo Neumayer

An Pink Floyd ist nahezu alles legendär: die Konzerte, die Hochs und die Tiefs, die Erfolge, die Streitereien und natürlich die Platten. David Gilmour stieß 1968 zur Band und hat den Sound von Pink Floyd entscheidend geprägt. Am 06.03.2026 feiert er seinen 80. Geburtstag.

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour bei einem Auftritt 2015

Ausverkaufte Tourneen, millionenfache Plattenverkäufe, Heerscharen von Nacheiferern – und das über mehrere Jahrzehnte: Wer ein Buch über die Geschichte der Rockmusik schreiben will, muss ein langes Kapitel für Pink Floyd reservieren. Gitarrist und Sänger David Gilmour sorgte für den Wiedererkennungswert der britischen Band.

Pink Floyd im Jahr 1967

Sein Vorgänger Syd Barrett (2. v.r.), der die Band zusammen mit Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright 1965 ins Leben ruft, spielt nach der Veröffentlichung des Debütalbums "The Piper At The Gates Of Dawn" (1967) lieber mit LSD als mit der Gitarre. Um dessen Ausfälle auf der Bühne zu kompensieren, wird Barretts Freund David Gilmour 1968 an Bord geholt.

Pink Floyd-Musiker Roger Waters (l.), David Gilmour (Mitte) und John Wilson (r.)

Barretts Psychosen werden immer schlimmer, sodass er im April 1968 die Band verlassen muss. Gilmour wird zum vollwertigen Bandmitglied und bildet in den folgenden Jahren zusammen mit Bassist Roger Waters (li.) die treibende musikalische und künstlerische Kraft bei Pink Floyd.

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour während eines Konzerts 1977

Trotz der vielfältigen Einflüsse und unterschiedlichen Stilarten, die den Sound von Pink Floyd bestimmen, gibt es ein klangliches Element, das die Songs der Band zusammenhält und quasi unverkennbar macht: David Gilmours Gitarrenspiel.

Pink Floyd-Gitarrist David Gilmour 1977

Mit viel Gefühl und der richtigen Portion Rhythmus ausgestattet, weiß Gilmour im Gegensatz zu manchen Dudel-Kollegen, dass es mitunter viel effektiver ist, nicht alle Lücken zuzukleistern, sondern Riffs und Melodien auch mal atmen zu lassen. Dazu kommt sein warmer, klarer, fast schon polierter Sound.

LP Cover Pink Floyd "The Dark Side of the Moon"

Roger Waters und David Gilmour teilen sich die meisten Einsätze am Mikrofon. Mit dem 1973 erschienenen Album "The Dark Side Of The Moon" werden die Jungs von Pink Floyd endgültig zu Superstars. Die Platte mit Hits wie "Time" oder "Money" hält sich 15 (!) Jahre lang in den US-Charts und verkauft sich über 50 Millionen mal.

Pink Floyd Wish You Were Here Albumcover

1975 erscheint Pink Floyds "Wish you were here". Von den Kritikern wird das Album damals teilweise als einfallslos beurteilt – heute zählt es zu den Klassikern der Rockgeschichte. Das Original-Cover hat einen besonderen Clou: Es ist blickdicht in schwarzer Plastikfolie verpackt mit einem Aufkleber versehen, auf dem sich zwei Roboter-Greifer die Hand geben.

Fliegendes Schwein über dem Battersea-Kraftwerk in London als Teil einer Werbekampagne für Pink Floyd

Neben der Musik legt Pink Floyd auch viel Wert auf spektakuläre Shows und Aktionen: So lässt die Band für das Coverfoto des Albums "Animals" 1977 ein zwölf Meter großes, aufblasbares Schwein über einem Londoner Kraftwerk aufsteigen. Wegen starker Böen reißt die Sicherung, das Schwein schwebt unkontrolliert über London und sorgt bei Anwohnern für Irritationen.

Pink Floyd-Auftritt 1981 in Dortmund

Auch das Doppelalbum "The Wall", das 1979 veröffentlicht wird, lebt von einer starken visuellen Komponente. Da die Auftritte von einem äußerst aufwendigen Bühnenbild begleitet werden, wird das Album Anfang der 80er weltweit lediglich in vier Städten live aufgeführt: in New York, Los Angeles, London und Dortmund.

Pink Floyd beim Konzert

Vorab erscheint die Singleauskopplung "Another Brick In The Wall, Part 2". Die von Kindern gesungene Zeile "We don't need no education" wird schnell zur Hymne der antiautoritären Linken. Innerhalb von zwei Monaten verkauft sich die Platte eine Million mal. Auch in Deutschland trifft das Stück einen Nerv und verweilt 1980 für drei Wochen an der Spitze der Charts.

Roger Waters

Zu diesem Zeitpunkt knirscht es allerdings schon gehörig in der Band. Roger Waters, der ab Mitte der 70er mehr und mehr das Sagen übernommen hat, sieht Wright, Mason und Gilmour lediglich als Erfüllungsgehilfen, die die von ihm geschriebenen Songs umzusetzen haben. Auf dem 1983 erschienenen Album "The Final Cut" ist Gilmour kaum vertreten.

Pink Floyd im Jahr 1988

1985 verlässt Waters die Band im Streit mit Gilmour und erklärt sie für Geschichte. Doch Gilmour, Mason und Wright wollen weitermachen. Waters bemüht seine Anwälte, um den ehemaligen Mitstreitern den Gebrauch des Namens und seiner Songs zu verbieten. Selbst auf das aufblasbare Schwein erhebt er Ansprüche und will die Verwendung bei Konzerten ohne ihn untersagen.

Pink Floyd im Jahr 2008

Aber Gilmour, der der "neue" Kopf von Pink Floyd wird, setzt sich durch. Pink Floyd geht in die nächste Runde, und das durchaus erfolgreich. 1987 erscheint das Album "A Momentary Lapse Of Reason", danach folgt eine Welttournee.

Pink Floyd-Konzert vor dem Reichstag am 16.06.1988

1988 tritt die Band vor dem Berliner Reichstag vor zehntausenden von Menschen auf. Die DDR protestiert gegen das Konzert, angeblich besteht aufgrund der Lautstärke Lebensgefahr für Patienten in der nahen Charité. Die Folge: Pink Floyd muss leiser drehen und die Boxen nach Westen ausrichten.

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour 1977 bei einem Auftritt in Paris

Neben seiner Arbeit für Pink Floyd findet David Gilmour immer wieder Zeit für Alleingänge. Schon 1978 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum, weitere folgen in den Jahren 1984, 2006 und 2015. Auch seine Soloalben und die daran anschließenden Tourneen werden große Erfolge.

Pink Floyd beim Live 8-Konzert 2005 in London

2005 passiert das Unglaubliche: Für das Benefiz-Konzert Live 8 bestreitet Pink Floyd einen Auftritt in der erfolgreichsten Besetzung – mit Roger Waters. Fünf Stücke lang werden alle Animositäten und Konflikte beiseitegelegt, anschließend liegt sich die Band in den Armen.

Aufführung von "The Wall" in Warschau 2013

Doch der Auftritt im Wembley-Stadion bleibt eine einmalige Sache für den guten Zweck. Roger Waters und die Pink Floyd der "Gilmour"-Ära können oder wollen nicht mehr zusammen. Waters geht lieber alleine auf Tour und gibt alte Pink-Floyd-Klassiker zum Besten. Ab 2011 führt er "The Wall" in voller Länge auf – ein weltweiter Erfolg.

Anzeige für Pink-Floyd-Album "The Endless River"

Und auch die "anderen" Pink Floyd um David Gilmour machen von sich reden. 2014 erscheint das Album "The Endless River" – eine letzte Verbeugung vor Keyboarder Richard Wright, der 2008 stirbt. Das Album basiert hauptsächlich auf Aufnahmen und Songskizzen, die die Band 1993 gemacht und wieder verworfen hatte.

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour

Unter dem offiziellen Bandnamen treten Nick Mason und David Gilmour zuletzt 2022 in Erscheinung: Gemeinsam mit dem ukrainischen Musiker Andrij Chlywnjuk entsteht die Single "Hey, Hey, Rise Up!" als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine.

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour 2025

Und auch solo meldet sich David Gilmour noch einmal zurück: 2024 erscheint das 5. Studioalbum "Luck and Strange", mit dem er erneut auf Tour geht. Sein Konzert im Circus Maximus in Rom schafft es 2025 sogar in die Kinos – und ist aktuell in der ARD Mediathek abrufbar.

Ausverkaufte Tourneen, millionenfache Plattenverkäufe, Heerscharen von Nacheiferern – und das über mehrere Jahrzehnte: Wer ein Buch über die Geschichte der Rockmusik schreiben will, muss ein langes Kapitel für Pink Floyd reservieren. Gitarrist und Sänger David Gilmour sorgte für den Wiedererkennungswert der britischen Band.

Sein Vorgänger Syd Barrett (2. v.r.), der die Band zusammen mit Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright 1965 ins Leben ruft, spielt nach der Veröffentlichung des Debütalbums "The Piper At The Gates Of Dawn" (1967) lieber mit LSD als mit der Gitarre. Um dessen Ausfälle auf der Bühne zu kompensieren, wird Barretts Freund David Gilmour 1968 an Bord geholt.

Barretts Psychosen werden immer schlimmer, sodass er im April 1968 die Band verlassen muss. Gilmour wird zum vollwertigen Bandmitglied und bildet in den folgenden Jahren zusammen mit Bassist Roger Waters (li.) die treibende musikalische und künstlerische Kraft bei Pink Floyd.

Trotz der vielfältigen Einflüsse und unterschiedlichen Stilarten, die den Sound von Pink Floyd bestimmen, gibt es ein klangliches Element, das die Songs der Band zusammenhält und quasi unverkennbar macht: David Gilmours Gitarrenspiel.

Mit viel Gefühl und der richtigen Portion Rhythmus ausgestattet, weiß Gilmour im Gegensatz zu manchen Dudel-Kollegen, dass es mitunter viel effektiver ist, nicht alle Lücken zuzukleistern, sondern Riffs und Melodien auch mal atmen zu lassen. Dazu kommt sein warmer, klarer, fast schon polierter Sound.

Roger Waters und David Gilmour teilen sich die meisten Einsätze am Mikrofon. Mit dem 1973 erschienenen Album "The Dark Side Of The Moon" werden die Jungs von Pink Floyd endgültig zu Superstars. Die Platte mit Hits wie "Time" oder "Money" hält sich 15 (!) Jahre lang in den US-Charts und verkauft sich über 50 Millionen mal.

1975 erscheint Pink Floyds "Wish you were here". Von den Kritikern wird das Album damals teilweise als einfallslos beurteilt – heute zählt es zu den Klassikern der Rockgeschichte. Das Original-Cover hat einen besonderen Clou: Es ist blickdicht in schwarzer Plastikfolie verpackt mit einem Aufkleber versehen, auf dem sich zwei Roboter-Greifer die Hand geben.

Neben der Musik legt Pink Floyd auch viel Wert auf spektakuläre Shows und Aktionen: So lässt die Band für das Coverfoto des Albums "Animals" 1977 ein zwölf Meter großes, aufblasbares Schwein über einem Londoner Kraftwerk aufsteigen. Wegen starker Böen reißt die Sicherung, das Schwein schwebt unkontrolliert über London und sorgt bei Anwohnern für Irritationen.

Auch das Doppelalbum "The Wall", das 1979 veröffentlicht wird, lebt von einer starken visuellen Komponente. Da die Auftritte von einem äußerst aufwendigen Bühnenbild begleitet werden, wird das Album Anfang der 80er weltweit lediglich in vier Städten live aufgeführt: in New York, Los Angeles, London und Dortmund.

Vorab erscheint die Singleauskopplung "Another Brick In The Wall, Part 2". Die von Kindern gesungene Zeile "We don't need no education" wird schnell zur Hymne der antiautoritären Linken. Innerhalb von zwei Monaten verkauft sich die Platte eine Million mal. Auch in Deutschland trifft das Stück einen Nerv und verweilt 1980 für drei Wochen an der Spitze der Charts.

Zu diesem Zeitpunkt knirscht es allerdings schon gehörig in der Band. Roger Waters, der ab Mitte der 70er mehr und mehr das Sagen übernommen hat, sieht Wright, Mason und Gilmour lediglich als Erfüllungsgehilfen, die die von ihm geschriebenen Songs umzusetzen haben. Auf dem 1983 erschienenen Album "The Final Cut" ist Gilmour kaum vertreten.

1985 verlässt Waters die Band im Streit mit Gilmour und erklärt sie für Geschichte. Doch Gilmour, Mason und Wright wollen weitermachen. Waters bemüht seine Anwälte, um den ehemaligen Mitstreitern den Gebrauch des Namens und seiner Songs zu verbieten. Selbst auf das aufblasbare Schwein erhebt er Ansprüche und will die Verwendung bei Konzerten ohne ihn untersagen.

Aber Gilmour, der der "neue" Kopf von Pink Floyd wird, setzt sich durch. Pink Floyd geht in die nächste Runde, und das durchaus erfolgreich. 1987 erscheint das Album "A Momentary Lapse Of Reason", danach folgt eine Welttournee.

1988 tritt die Band vor dem Berliner Reichstag vor zehntausenden von Menschen auf. Die DDR protestiert gegen das Konzert, angeblich besteht aufgrund der Lautstärke Lebensgefahr für Patienten in der nahen Charité. Die Folge: Pink Floyd muss leiser drehen und die Boxen nach Westen ausrichten.

Neben seiner Arbeit für Pink Floyd findet David Gilmour immer wieder Zeit für Alleingänge. Schon 1978 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum, weitere folgen in den Jahren 1984, 2006 und 2015. Auch seine Soloalben und die daran anschließenden Tourneen werden große Erfolge.

2005 passiert das Unglaubliche: Für das Benefiz-Konzert Live 8 bestreitet Pink Floyd einen Auftritt in der erfolgreichsten Besetzung – mit Roger Waters. Fünf Stücke lang werden alle Animositäten und Konflikte beiseitegelegt, anschließend liegt sich die Band in den Armen.

Doch der Auftritt im Wembley-Stadion bleibt eine einmalige Sache für den guten Zweck. Roger Waters und die Pink Floyd der "Gilmour"-Ära können oder wollen nicht mehr zusammen. Waters geht lieber alleine auf Tour und gibt alte Pink-Floyd-Klassiker zum Besten. Ab 2011 führt er "The Wall" in voller Länge auf – ein weltweiter Erfolg.

Und auch die "anderen" Pink Floyd um David Gilmour machen von sich reden. 2014 erscheint das Album "The Endless River" – eine letzte Verbeugung vor Keyboarder Richard Wright, der 2008 stirbt. Das Album basiert hauptsächlich auf Aufnahmen und Songskizzen, die die Band 1993 gemacht und wieder verworfen hatte.

Unter dem offiziellen Bandnamen treten Nick Mason und David Gilmour zuletzt 2022 in Erscheinung: Gemeinsam mit dem ukrainischen Musiker Andrij Chlywnjuk entsteht die Single "Hey, Hey, Rise Up!" als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine.

Und auch solo meldet sich David Gilmour noch einmal zurück: 2024 erscheint das 5. Studioalbum "Luck and Strange", mit dem er erneut auf Tour geht. Sein Konzert im Circus Maximus in Rom schafft es 2025 sogar in die Kinos – und ist aktuell in der ARD Mediathek abrufbar.

Stand: 26.02.2026, 12:30 Uhr