"Deep Purple"-Bassist Roger Glover wird 80

Von Ingo Neumayer

Von Deep Purple stammen Hardrock-Songs für die Ewigkeit. Doch fast genauso legendär wie "Smoke On The Water" oder "Child In Time" waren Streitereien und Zerwürfnisse unter den Mitgliedern. Am 30.11.2025 feiert Roger Glover seinen 80. Geburtstag.

Deep Purple 1969

Sie waren Anfang der 1970er Jahre eine der größten Bands des Planeten. Zusammen mit Black Sabbath und Led Zeppelin erfanden sie den Hardrock und Heavy Metal – und schufen mit dem Riff von "Smoke On The Water" eine der berühmtesten Akkordfolgen der Musikgeschichte: die Musiker von Deep Purple.

Deep Purple 1969

Los ging es 1968 in Hertford, nordöstlich von London. Die ersten drei Platten der Band, die sich nach dem Lieblingssong der Oma von Gitarrist Ritchie Blackmore benannt hatte, waren noch deutlich vom Blues, Folk und Psychedelic Rock der damaligen Zeit beeinflusst. Doch Blackmore, Keyboarder Jon Lord und Drummer Ian Paice wollten die Band in eine andere, härtere musikalische Richtung führen.

Rockband Deep Purple, Rockband, 1970er

Kurzerhand warfen sie im Sommer 1969 Sänger Rod Evans und den Bassisten Nick Simper raus, weil die beiden nicht "heavy" genug waren. Neu in die Band kamen Sänger Ian Gillan und der Bassist Roger Glover. Das klassische Deep-Purple-Line-Up war gefunden.

Schallplatte Deep Purple "In Rock"

Und schon mit "In Rock", dem ersten Studioalbum in der neuen Besetzung, das 1970 erschien, gelang der Band der Durchbruch. Die Platte, auf der sich der Übersong "Child In Time" findet, landete nicht nur in Deutschland an der Spitze der Charts.

Deep Purple-Keyboarder Jon Lord

Für das Besondere im Deep-Purple-Sound sorgte Keyboarder Jon Lord. Lord, der in London Drama und Schauspiel studiert hatte, war gleichermaßen von Jazz, Blues und klassischer Musik beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, bei denen der Keyboarder im Hintergrund agierte, war Lord mit seiner Hammond-Orgel ein gleichberechtigtes, oft sogar dominierendes Mitglied.

Deep Purple-Keyboarder Jon Lord

Vor allem mit seinen barock anmutenden Solo-Ausflügen erregte Lord Aufsehen. Das ging so weit, dass die Band in der legendären Royal Albert Hall mit dem Royal Philharmonic Orchestra das "Concerto for Group and Orchestra" aufnehmen durfte.

Deep Purple bei Proben mit dem Royal Philharmonic Orchestra

Die Verbindung von Rock und Klassik ist heute ein alter Hut, damals war es allerdings eine Sensation: Noch nie zuvor war eine Rockband – und noch dazu eine so langhaarige – zusammen mit einem solch renommierten Orchester aufgetreten.

Deep Purple bei einer Gold-Verleihung in den 1970er Jahren

1972 wurden die Mitglieder von Deep Purple endgültig Superstars und zwar weltweit. Ihr Album "Machine Head" verkaufte sich millionenfach und wurde mit Auszeichnungen und Preisen überhäuft.

Deep Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore

Zu verdanken war der Erfolg des Albums nicht zuletzt einem Song mit einem ganz besonderen Gitarrenriff, das aus gerade mal vier Akkorden bestand und seit langem zum Repertoire jedes angehenden Gitarrenschülers gehört: "Smoke On The Water".

Deep Purple live

Auch als Liveband genoss Deep Purple einen sagenhaften Ruf. Die Songs wurden regelmäßig mit Solo-Einlagen und Improvisationen ausgeweitet.

Rockband Deep Purple live

Besonders Gitarrist Ritchie Blackmore und Keyboarder Jon Lord lieferten sich ausgiebige "Duelle" mit ihren Instrumenten. Und damit ja niemand ihre Glanztaten verpasste, drehte Deep Purple die Verstärker so richtig weit auf. Das brachte der Gruppe einen Eintrag ins Guinness-Buch als lauteste Band der Welt.

Die britische Rockband Deep Purple bei ihrem Auftritt in Oldenburg am 01.02.1987.

Doch dem schnellen Aufstieg folgte der schnelle Fall. Die Band stritt sich um alles: um Geld, um Frauen, um die musikalische Richtung. 1973 verließen Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover die Band. Für Glover kam Glenn Hughes, Gillan wurde durch den späteren Whitesnake-Sänger David Coverdale ersetzt.

Deep Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore

Und auch Ritchie Blackmore hatte bald genug. Er wurde immer unberechenbarer, zertrat bei Auftritten TV-Kameras und sprengte auf der Bühne seine Verstärker in die Luft. Auch mit den beiden Alben in der neuen Besetzung, "Burn" und "Stormbringer", war er nicht zufrieden. 1975 stieg er aus.

Deep Purple 1976

Aber Deep Purple machte auch ohne ihn weiter. Mit dem neuen Gitarristen Tommy Bolin nahm die Band sogar noch eine weitere Platte, "Come Taste The Band", auf. Doch dem Publikum waren die Wechselspiele zu viel, die Platte floppte und auch die Konzerte liefen schlecht. Deep Purple war am Ende. Am 19. Juli 1976 verkündete schließlich der Bandmanager: "Deep Purple wird nicht mehr zusammen auftreten oder Songs aufnehmen."

Deep Purple live

Ein Vorsatz, der zur Freude vieler Fans nur acht Jahre lang hielt. 1984 veröffentlichte Deep Purple mit "Perfect Strangers" ein erstaunlich souveränes Comeback-Album in der Erfolgsbesetzung mit Blackmore, Gillan, Glover, Paice und Lord. 1989 stieg Sänger Ian Gillan nach einem Streit mit Ritchie Blackmore aus, 1992 kehrte er zurück. Aber der Frieden hielt nicht lange.

Der britische Musiker Jon Lord spricht während der Swiss Music Awards in Zürich.

1993 hatte ein Unbekannter vor einem Konzert in Cleveland eine Flasche Ketchup über Blackmores Spaghetti ausgeschüttet. Blackmore verdächtigte Sänger Ian Gillan und drückte ihm den Teller Nudeln ins Gesicht. Wenig später verließ Blackmore die Band – diesmal für immer. 2002 nahm auch Jon Lord, der am 16. Juli 2012 an den Folgen einer Krebserkrankung starb, seinen Hut. Sein Tod löste weltweit große Anteilnahme aus.

Die britische Rockband Deep Purple tritt am 26. Oktober 2010 live in Prag auf.

Deep Purple ist zwar auch heute noch aktiv, aber das Feuer von damals ist es wohl nicht so ganz. Die Zeiten, in denen die Musiker eine der größten und erfolgreichsten Bands der Welt gebildet haben, liegen im Nebel der Geschichte verborgen. Oder im "Smoke On The Water" ...

Sie waren Anfang der 1970er Jahre eine der größten Bands des Planeten. Zusammen mit Black Sabbath und Led Zeppelin erfanden sie den Hardrock und Heavy Metal – und schufen mit dem Riff von "Smoke On The Water" eine der berühmtesten Akkordfolgen der Musikgeschichte: die Musiker von Deep Purple.

Los ging es 1968 in Hertford, nordöstlich von London. Die ersten drei Platten der Band, die sich nach dem Lieblingssong der Oma von Gitarrist Ritchie Blackmore benannt hatte, waren noch deutlich vom Blues, Folk und Psychedelic Rock der damaligen Zeit beeinflusst. Doch Blackmore, Keyboarder Jon Lord und Drummer Ian Paice wollten die Band in eine andere, härtere musikalische Richtung führen.

Kurzerhand warfen sie im Sommer 1969 Sänger Rod Evans und den Bassisten Nick Simper raus, weil die beiden nicht "heavy" genug waren. Neu in die Band kamen Sänger Ian Gillan und der Bassist Roger Glover. Das klassische Deep-Purple-Line-Up war gefunden.

Und schon mit "In Rock", dem ersten Studioalbum in der neuen Besetzung, das 1970 erschien, gelang der Band der Durchbruch. Die Platte, auf der sich der Übersong "Child In Time" findet, landete nicht nur in Deutschland an der Spitze der Charts.

Für das Besondere im Deep-Purple-Sound sorgte Keyboarder Jon Lord. Lord, der in London Drama und Schauspiel studiert hatte, war gleichermaßen von Jazz, Blues und klassischer Musik beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, bei denen der Keyboarder im Hintergrund agierte, war Lord mit seiner Hammond-Orgel ein gleichberechtigtes, oft sogar dominierendes Mitglied.

Vor allem mit seinen barock anmutenden Solo-Ausflügen erregte Lord Aufsehen. Das ging so weit, dass die Band in der legendären Royal Albert Hall mit dem Royal Philharmonic Orchestra das "Concerto for Group and Orchestra" aufnehmen durfte.

Die Verbindung von Rock und Klassik ist heute ein alter Hut, damals war es allerdings eine Sensation: Noch nie zuvor war eine Rockband – und noch dazu eine so langhaarige – zusammen mit einem solch renommierten Orchester aufgetreten.

1972 wurden die Mitglieder von Deep Purple endgültig Superstars und zwar weltweit. Ihr Album "Machine Head" verkaufte sich millionenfach und wurde mit Auszeichnungen und Preisen überhäuft.

Zu verdanken war der Erfolg des Albums nicht zuletzt einem Song mit einem ganz besonderen Gitarrenriff, das aus gerade mal vier Akkorden bestand und seit langem zum Repertoire jedes angehenden Gitarrenschülers gehört: "Smoke On The Water".

Auch als Liveband genoss Deep Purple einen sagenhaften Ruf. Die Songs wurden regelmäßig mit Solo-Einlagen und Improvisationen ausgeweitet.

Besonders Gitarrist Ritchie Blackmore und Keyboarder Jon Lord lieferten sich ausgiebige "Duelle" mit ihren Instrumenten. Und damit ja niemand ihre Glanztaten verpasste, drehte Deep Purple die Verstärker so richtig weit auf. Das brachte der Gruppe einen Eintrag ins Guinness-Buch als lauteste Band der Welt.

Doch dem schnellen Aufstieg folgte der schnelle Fall. Die Band stritt sich um alles: um Geld, um Frauen, um die musikalische Richtung. 1973 verließen Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover die Band. Für Glover kam Glenn Hughes, Gillan wurde durch den späteren Whitesnake-Sänger David Coverdale ersetzt.

Und auch Ritchie Blackmore hatte bald genug. Er wurde immer unberechenbarer, zertrat bei Auftritten TV-Kameras und sprengte auf der Bühne seine Verstärker in die Luft. Auch mit den beiden Alben in der neuen Besetzung, "Burn" und "Stormbringer", war er nicht zufrieden. 1975 stieg er aus.

Aber Deep Purple machte auch ohne ihn weiter. Mit dem neuen Gitarristen Tommy Bolin nahm die Band sogar noch eine weitere Platte, "Come Taste The Band", auf. Doch dem Publikum waren die Wechselspiele zu viel, die Platte floppte und auch die Konzerte liefen schlecht. Deep Purple war am Ende. Am 19. Juli 1976 verkündete schließlich der Bandmanager: "Deep Purple wird nicht mehr zusammen auftreten oder Songs aufnehmen."

Ein Vorsatz, der zur Freude vieler Fans nur acht Jahre lang hielt. 1984 veröffentlichte Deep Purple mit "Perfect Strangers" ein erstaunlich souveränes Comeback-Album in der Erfolgsbesetzung mit Blackmore, Gillan, Glover, Paice und Lord. 1989 stieg Sänger Ian Gillan nach einem Streit mit Ritchie Blackmore aus, 1992 kehrte er zurück. Aber der Frieden hielt nicht lange.

1993 hatte ein Unbekannter vor einem Konzert in Cleveland eine Flasche Ketchup über Blackmores Spaghetti ausgeschüttet. Blackmore verdächtigte Sänger Ian Gillan und drückte ihm den Teller Nudeln ins Gesicht. Wenig später verließ Blackmore die Band – diesmal für immer. 2002 nahm auch Jon Lord, der am 16. Juli 2012 an den Folgen einer Krebserkrankung starb, seinen Hut. Sein Tod löste weltweit große Anteilnahme aus.

Deep Purple ist zwar auch heute noch aktiv, aber das Feuer von damals ist es wohl nicht so ganz. Die Zeiten, in denen die Musiker eine der größten und erfolgreichsten Bands der Welt gebildet haben, liegen im Nebel der Geschichte verborgen. Oder im "Smoke On The Water" ...

Stand: 30.11.2025, 00:00 Uhr