Ein Stundenplan für die Schule zeigt Schulfächer, die es geben sollte. Eine Hand schreibt das Schulfach Medienkunde in die Donnerstag-Spalte.

Bildung 8 neue Schulfächer, die uns besser aufs Leben vorbereiten könnten

Stand: 06.03.2026, 12:00 Von Isabel Krämer Gedankenspiele

Von Isabel Krämer

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Häufig wird unser Bildungssystem in Deutschland mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht ausreichend auf das "wirkliche" Leben vorzubereiten. Wie aber könnte in Zukunft ein Stundenplan aussehen, der uns mehr wichtige Alltagsfähigkeiten vermittelt? Und was wären das für Fähigkeiten, die uns mehr Orientierung im Leben geben? Wären diese acht Unterrichtsfächer eine sinnvolle Ergänzung an allen Schulen?  

1. Schulfach Finanzen

Wie lege ich mein Geld sinnvoll an? Brauche ich einen Bausparvertrag und wie mache ich meine Steuererklärung? Diese und weitere Fragen könnten im Unterrichtsfach Finanzen beantwortet werden. Wir wären dann besser auf das Leben nach der Schulzeit vorbereitet, das mit Verträgen, Versicherungen und Altersvorsorge-Themen auf uns wartet. 

Das Wissen über Finanzen scheint bei uns in Deutschland ausbaufähig zu sein, darauf deutet unter anderem eine Befragung der BaFin hin. Auffällig: Männer beantworten die dort gestellten Finanzfragen öfter richtig als Frauen. 

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Wenn in einem extra Schulfach Grundlagen über Finanzen vermittelt würden, dann könnte das auch für mehr Chancengerechtigkeit sorgen, denn: unabhängig unseres Geschlechts, des sozialen Hintergrunds und unseres Bildungsabschlusses bekommen wir alle das erforderliche Wissen über Geld in der Schule vermittelt und würden so finanziell selbstbestimmter.  

In NRW wurde im Schuljahr 2020/2021 das Fach "Wirtschaft" an allen Schulformen neu eingeführt. Den Schüler:innen sollen sowohl alltagsnahe Themen, wie beispielsweise die eigene soziale Sicherung, nähergebracht als auch Kenntnisse über die soziale Marktwirtschaft und BWL vermittelt werden. Allerdings traf die Entscheidung auf viel Kritik, da dafür das Fach Sozialwissenschaften verschwand. 

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2. Medienkunde auf dem Stundenplan

2024 haben in einer Befragung zum Umgang mit Medien 96 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen angegeben, ein Smartphone zu besitzen. Ungefähr drei Viertel der Befragten haben ein eigenes Laptop oder einen Computer. Wo aber erhalten sie die Kompetenzen, die es für die Teilhabe an einer digitalen Gesellschaft braucht und die über technische Kenntnisse hinausgehen? 

Die Herausforderungen werden schließlich immer größer: Die Verbreitung von Desinformation nimmt mehr Raum ein und Werbung ist nicht immer als solche erkennbar. Laut dem aktuellen Reuters Institute Digital News Report haben 58 Prozent der Menschen weltweit Bedenken, Fake News nicht von realen Nachrichten unterscheiden zu können. Nachrichtenkompetenz ist also eine Schlüsselqualifikation, die in einem extra Fach wie Medienkunde vermittelt werden könnte.

In einem Pilotprojekt mit zwölf Schulen wird in Hessen seit 2022 das Fach "Digitale Welt" unterrichtet. Über den bekannten Informatikunterricht hinaus geht es darin auch um Datenschutz und Cyberkriminalität. Das Projekt stieß auf viel positive Resonanz: “Digitale Welt” wird inzwischen in den fünften und sechsten Klassen an 80 Schulen unterrichtet. Ziel ist es, das Fach fest in den Stundenplan zu integrieren.

3. Glück im Unterricht lernen

PQ-Formel oder Photosynthese – in der Schule lernen wir vor allem "Hard Skills". Wie wir mit Rückschlägen umgehen oder unseren Weg zum Glück finden, lernen wir für gewöhnlich nicht im Klassenzimmer.

Ginge das? Können wir Glück überhaupt lernen? Dr. Ernst Fritz-Schubert, ehemaliger Oberstudiendirektor, ist davon überzeugt und führte 2007 das Unterrichtsfach Glück an seiner Schule in Heidelberg ein. Es soll Kindern und Jugendlichen unter anderem dabei helfen, ihre Stärken zu entdecken, zu fördern und für sich zu nutzen – was zu einem stabilen Selbstwert und einer höheren Lebenszufriedenheit führe.

Weltweit gibt es einige weitere Projekte, die sich mit dem Thema beschäftigen. Für 500 Grundschulkinder in Braunschweig beispielsweise stand im Schuljahr 2022/2023 ebenfalls "Glück" auf ihren Stundenplänen. Darin lernten sie durch unterschiedliche Techniken, wie sie positive Emotionen stärken und mit negativen Emotionen besser umgehen können. Die Resonanz der Schüler:innen und Eltern auf das Projekt war positiv.

4. Nachhaltigkeit / Klima in der Schule

Die Klimakrise ist eins der wichtigsten Themen unserer Zeit. In Italien sind Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung deshalb seit 2020 fester Bestandteil des Stundenplans innerhalb des neuen Fachs "Educazione Civica“ (Gesellschaftliche Bildung). Für dieses Fach müssen pro Schuljahr mindestens 33 Stunden aufgewendet werden.

Ein Junge mit Schulranzen steht im Nachhaltigkeitsunterricht in der Natur. Er hält ein Häufchen Erde mit einem Steckling in der Hand.

Wäre ein eigenes Schulfach dafür der richtige Weg – oder sollten Themen wie Klima und Nachhaltigkeit lieber über Fächergrenzen hinweg gelehrt werden? Das forderte zum Beispiel die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann. Sie sagte 2019, Nachhaltigkeit sei eine Querschnittsaufgabe, die in verschiedenen Fächern sinnvoll aufgegriffen werden könne.

Wie könnte das im Detail aussehen? Vielleicht würden wir in Mathe lernen, unseren eigenen ökologischen Fußabdruck zu berechnen, in Physik würden wir das Stromspar-Potenzial von Kühlschränken vergleichen und in Geografie würden wir uns anschauen, wie sich verschiedene Regionen durch den Klimawandel verändern.

5. Mentale Gesundheit als Schulfach

Der Anteil der psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen steigt. Sie sind in der Altersgruppe der 10- bis 17-Jährigen mittlerweile die häufigste Ursache für eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Sollten junge Menschen schon in der Schule lernen, warum psychische Gesundheit so wichtig ist und wo sie Hilfe und Unterstützung bekommen?

Das Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter (ZPI) der Universität Bielefeld hat ein Unterrichtsprogramm entwickelt, das die mentale Gesundheitskompetenz von Schüler:innen fördern soll. In bis zu zwölf Unterrichtsstunden sollen sie etwa lernen, welche psychischen Erkrankungen es gibt.

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Außerdem werden Strategien zum positiven Umgang mit Stress und Belastungssituationen vermittelt und psychische Erkrankungen sollen entstigmatisiert werden. Zielgruppe sind die 8.-10. Klassenstufe.

6. Kochen und Ernährung als Schulfach

Wir kommen nicht umhin – wir müssen essen und im besten Fall sollten wir auch wissen, wie Mahlzeiten zubereitet werden. Nicht immer ist es selbstverständlich, dass wir das zu Hause lernen. An einzelnen Schulen oder je nach Bundesland gibt es Koch- und Ernährungskunde, zum Beispiel im Rahmen von Hauswirtschaftslehre. Ein Standard-Schulfach ist es an vielen Schulen aber nicht.  

Wenn es das Schulfach Kochen überall gäbe, würden wir nicht nur schon früh lernen, wie eine ausgewogene und gesunde Ernährung aussieht, sondern wüssten vielleicht auch mehr über die einzelnen Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe, Erzeugung oder Herkunft. Jungen und Mädchen würden außerdem gleichermaßen an das Thema herangeführt. 

7. Werkunterricht: DIY und Handwerk als Schulfach

Schrauben, Nähen, Töpfern, Gärtnern: Das sind Fähigkeiten, die wir im Alltag – manche mehr, manche weniger – immer mal wieder gut gebrauchen können. Ähnlich wie bei der Koch- und Ernährungskunde gibt es Werkunterricht vereinzelt an Schulen mit alternativen Konzepten, längst aber nicht an allen. 

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Vielleicht wären wir durch solche Fähigkeiten insgesamt auch eigenständiger, weil wir problemlos die neue Lampe anbringen, die Lieblingshose flicken und den Küchenschrank selbst reparieren könnten und würden dadurch weniger wegschmeißen.

8. Alltagswissen in der Schule: Brauchen wir ein Fach Lebenskunde?

Neue Fächer zu etablieren, ist nicht einfach. Zum einen brauchen wir eigens dafür ausgebildete Lehrkräfte, zum anderen müssten andere Fächer – wie im Beispiel des neuen Wirtschafts-Fachs in NRW – dann vielleicht wegfallen.  

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Lehrer und Schulbuchautor Bob Blume schlägt daher vor, "Lebenskunde“ in bereits bestehende Fächer zu integrieren. Dadurch sollen Inhalte alltagsnaher werden. Blume schlägt vor: In Fremdsprachen könnte landestypisch gekocht, in der Mathematik vielleicht Steuern berechnet und in Wirtschaft etwa die Rente diskutiert werden. Dafür müssten die Lehrpläne aktualisiert werden und andere Themen wegfallen.

Erstveröffentlichung am 25.04.2025.

Kommentare zum Thema

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30 Kommentare

  • 30 Gerd Funke 25.08.2025, 12:22 Uhr

    Die Ideen (1), (2) und (6) sind prima!

  • 29 Hugo aus R. 25.08.2025, 08:39 Uhr

    Es wäre schon viel erreicht, wenn's in den Schulen saubere, benutzbare Toiletten, genug kompetente Lehrer, und ausreichend Geld für Lehrmittel gäbe. Die Lehrpläne von vor über einem halben Jahrhundert könnten dann auch gerne mal an aktuelle Erfordernisse angepasst werden (meine Tochter hat auf dem Gymnasium fast identische Themen durchgekaut wie ich in den 80ern!) Die Schüler sind im übrigen nicht dümmer, sondern die Schulen sind (in allem) schlechter geworden weil kaputt gespart. Ich kenne so viele kluge, angenehme Altersgenossen meiner Tochter, bei denen ich mir sicher bin, daß die ihren Weg machen werden, auch ohne die o.g. Themen gepaukt zu haben.

  • 28 Jemand 25.08.2025, 07:52 Uhr

    Ich vermisse Erste Hilfe. Jedes Jahr wiederholt und erweitert, mit Ziel guter Sanitätshelfer. Was könnten damit Leben gerettet werden. Dazu Grundlagen von Verhalten bei Notfällen und Katastrophenfällen. Und vielleicht noch Grundlagen von Medizinischem Wissen, damit man die üblichen Krankheiten Zuhause alleine in den Griff bekommt, aber auch unterscheiden kann, wann man Hilfe von Arzt benötigt. Und welche so gerne im Fernsehen beworbenen Medikamente, vielleicht kein allzu gutes Nutzen zu Nebenwirkungsverhältnis haben, und man deshalb besser nicht nimmt. Warum es kritisch ist, ohne nachzudenken und Kontrolle Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. Und dass man Schmerzmittel nicht wie Bonbons nehmen sollte.

  • 26 Mr.x 26.11.2024, 08:34 Uhr

    Mama ich bin im Internet

  • 25 Salami 26.11.2024, 08:34 Uhr

    W Schulfächer

  • 24 Rainer Schmitz 19.08.2024, 15:34 Uhr

    Meiner Meinung nach sind das Aufgaben des Elternhauses. Man hat immer mehr den Eindruck das ein umfassendes Wissen in der Schule auf dem Silbertablett präsentiert werden soll. Es ist Aufgabe des Elternhaus die Kinder zu einem lebenstüchtigen Menschen zu erziehen. Die Schule soll nur wissen für Studium und Beruf vermitteln.

  • 23 HolRo 19.08.2024, 14:22 Uhr

    Aus eigener und Erfahrung mit 13 Jahren Schulzeit unserer Tochter: Die Lehrpläne straffen und entrümpeln, Mobbing, Alkohol- und Drogenkonsum in der Schule strikt unterbinden ("Null-Toleranz"), sowie kleinere Klassen wären ein echter Anfang. Einen Teil der Forderungen aus dem Artikel haben wir als Schüler vor über 30 (!) Jahren schon gestellt - erfolglos. Wenn Kinder dann noch das Lernen lernen, braucht´s eigentlich keine neuen Fächer.

  • 22 Stefanie 19.08.2024, 13:13 Uhr

    Wie wäre es, vor allem einmal die Menge an Stoff zu entschlacken und stattdessen mehr Zeit in Dinge zu investieren, die nicht zähl- und bewertbar sind, wie Fairness, Diskussionskultur, Selbstbewusstsein und ähnliche Dinge. Auch Freizeit, in der Freundschaften und Hobbies gepflegt werden können, sind wichtig!

  • 21 Johann Moritz 19.08.2024, 12:33 Uhr

    So viele Ideen und so wenig Zeit! Denn entweder muß dann an anderen Fächern gespart werden, oder die Schüler haben eine 40-Stunden-Woche plus Hausaufgaben. Ich kann mich aber nicht erinnern, ein wirklich überflüssiges Fach gehabt zu haben - außer vielleicht Religion, das ich zugunsten von Physik in der 11 abgewählt hatte. Dabei hatten wir in den 70ern auch samstags Unterricht, und der Stundenplan war randvoll, und die Anzahl der Pflichtfächer ist seither nicht zurückgegangen. Wohin also mit all den neuen Fächern? In die Nachtschicht?

  • 20 Christine 19.08.2024, 12:24 Uhr

    Die Vorschläge klingen nach einer großen Revolution, sind es aber gar nicht. All die Unterrichtsinhalte, die vorgeschlagen werden, hatte ich den 90er Jahren in meiner Grund- und Realschulzeit. Dafür braucht es nicht mehr und neue Fächer, sondern „nur“ eine Neusortierung der Lehrinhalte und eine Umwandlung der Didaktik hin zu fachübergreifenden Lernbereichen. Als Beispiel: Ich hatte Hauswirtschaftlehre. Dort gehörte neben Ernährungslehre (kochen, gesunde Ernährung, Anbau von eigenen Lebensmitteln) auch wirtschaftliches und ökologisches Verhalten (Umgang mit Haushaltsgeld, Nachhaltigkeit und Umweltschutz), Grundlagen zur Architektur und Inneneinrichtung (Planung zur Gestaltung mit Möbeln usw. und handwerklichen Tätigkeiten im Haushalt), Pflege von Wohnung und Kleidung usw. zum Lehrinhalt. Ganz nebenbei haben wir dort gelernt, Selbstverantwortung zu übernehmen, das Selbstbewusstsein zu stärken (ich kann das, ich kann mir in Krisenzeiten selbst helfen) und somit auch mit Stress umzugehen.

    • Anna 25.08.2025, 11:07 Uhr

      Hier muss ich Christine wirklich recht geben! Aber dies kann nur unterstützend sein. Das Elternhaus muss wieder viel mehr Wissen den Kindern vermitteln. Kinder werden heute nur noch im Kindergarten, Schule, Hort usw. "geparkt" und dann verlangen die Eltern, dass das gesamte Wissen dort vermittelt wird. Kinder kriegen, aufziehen und zu einem verantwortungsbewußten und selbständigen Menschen zu erziehen ist Aufgabe der Eltern. Eltern haben nicht nur Rechte, sondern auch vor allem Pflichten gegenüber ihren Kindern. Es ist bedauerlich, wie sehr Respekt und Verantwortung gegenüber anderen in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten sind - dies ist entscheidende Aufgabe der Eltern und nicht der Bildungeinrichtungen!

  • 19 Wernher 19.08.2024, 11:37 Uhr

    Nice to have! Wie wäre es, wenn es ausreichend Lehrkräfte geben würde? Dann fielen auch nicht so viele Stunden in den Grundfächern aus. Auch die Eltern unbedingt in die Verantwortung nehmen und nicht alles den Schulen aufbürden.