Eine Ärztin hält einen ausgefülltes Rezept in der Hand. Darauf zu sehen sind ein Fahrrad, ein Baum und eine Staffelei

Gesund leben Waldbaden, Museum, Radfahren: Das gibt's in anderen Ländern auf Rezept

Stand: 04.02.2026, 12:00 Von Elisabeth Landau Gamechanger

Von Elisabeth Landau

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Wurde dir beim Arztbesuch schon mal ein Gang ins Museum oder Waldbaden verschrieben? Falls ja, dann musst du wohl im Ausland gewesen sein. Wir zeigen dir, welche ungewöhnlichen Behandlungen Ärzt:innen in anderen Ländern als Rezept ausstellen.

Radfahren und Bewegung auf Rezept: Das Modell aus Großbritannien

„Als Teil Ihrer Behandlung verschreibe ich Ihnen Radfahren. Das Fahrrad können Sie sich mit diesem Rezept kostenlos ausleihen.“ So ähnlich läuft es wohl in einigen Regionen in Großbritannien ab. Hier wird die Teilnahme an Wandergruppen, Radfahrtrainings oder das Ausleihen von Rädern verschrieben.

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Für die Patient:innen ist das kostenlos. Der Staat zahlt dafür und setzt damit auf gesundheitliche Benefits für die Menschen. Ein Pilotprojekt lief bis 2025. Nun soll untersucht werden, wie sich das auf Teilnehmende auswirkt und ob sie dadurch zum Beispiel weniger Medikamente nehmen müssen. Die positiven Auswirkungen eines anderen Konzepts in Japan haben hingegen schon länger Tradition:

Waldbaden und Natur auf Rezept: Stressabbau in Japan

Tief einatmen, den Duft des Waldes wahrnehmen, den Wind auf der Haut spüren, den leisen Geräuschen lauschen. Mit allen Sinnen wahrnehmen und zur Ruhe kommen. So funktioniert Waldbaden, das in Japan verschrieben werden kann. Studien zeigen, dass das tatsächlich den Blutdruck und Stresshormone sinken lassen kann.

Auf die Natur als Helferin setzt auch ein Projekt in Kanada. Ein Jahr lang gibt es mit einem Pass Zugang zu Nationalparks. Normalerweise kostet er umgerechnet rund 50 Euro. Mit einem Rezept bezahlt eine Stiftung dafür. Verschrieben wird das etwa gegen Schmerzen, Stress oder Ängste. Das soll nicht nur den Menschen guttun, sondern auch der Umwelt. Der Gedanke: Wer die Natur schätzen lernt, kümmert sich auch mehr um sie. Statt in Nationalparks werden Patient:innen in Brüssel an einen anderen Ort geschickt, der sich positiv auf sie auswirken soll.

Kunst als Therapie: Können Museum und Malen wirklich helfen?

In Brüssel geht‘s ab ins Museum. Auch Kunst kann nämlich die mentale und körperliche Gesundheit beeinflussen. Das zeigt ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation. Für den Gang ins Museum müssen Patient:innen nichts bezahlen, die Kosten trägt die Stadt Brüssel. Begleitpersonen dürfen auch kostenlos mit ins Museum, damit niemand allein ist.

Für mehr Wohlbefinden. Das gibt es in anderen Ländern auf Rezept

Kunst als Therapie: Können Museum und Malen wirklich helfen?

Ein ähnliches Konzept hat Bremen als Teil des EU-weiten Projekts "Arts on Prescription in the Baltic Sea Region" von 2023-25 getestet. Hier gab es in teilnehmenden medizinischen Einrichtungen ein Rezept, das einem den kostenlosen Eintritt zu Kunstkursen sichert. Auf dem Plan standen dann Schreiben, Malen, Singen und sich untereinander austauschen.

Das Angebot galt für Menschen, die psychische Erkrankungen haben oder gefährdet sind, eine zu bekommen. Die Kurse fanden in der Regel einmal in der Woche an der Volkshochschule statt. Man sollte die Kurse dann über einen längeren Zeitraum besuchen und außerdem noch an Beratungsgesprächen teilnehmen.

Im Rest von Deutschland ist sowas noch nicht möglich. Zwar können Ärzt:innen ein „Rezept für Bewegung“ ausstellen, das ist aber eher symbolisch. Die Kursgebühren dafür zahlt die gesetzliche Krankenkasse nämlich nicht. Sie bezuschusst allerdings manche Kursangebote, die auch für mehr Bewegung und Entspannung sorgen sollen.

Gesundheit auf Rezept in Deutschland: Könnte das auch hier funktionieren?

Für Leistungen auf Rezept (ob in Deutschland oder im Ausland) braucht man natürlich erst einen Termin in der zuständigen Arztpraxis. Meist sind die aber nicht so leicht zu bekommen. Außerdem könnten die Angebote mehr Menschen dazu bewegen, ihren Arzt oder ihre Ärztin aufzusuchen, wodurch Termine noch knapper würden. Wäre es da nicht toll, wenn man für die Teilnahme an solchen Maßnahmen gar kein Rezept mehr bräuchte? Stell dir vor, man könnte das einfach selbst bei der Krankenkasse beantragen.

Davon würden auch die Krankenkassen profitieren, wenn die Angebote auf Rezept Krankheiten vermeiden oder deren Symptome lindern, könnten sie die entsprechenden Behandlungskosten einsparen. Und so könnten vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen besser für ihre Gesundheit sorgen.

Klar werden Waldbaden oder Kunstkurse nicht jede Krankheit heilen oder verhindern können. Beispielsweise bei einer schweren Depression kann Malen eine Therapie nicht ersetzen, es kann sie aber unterstützen. Wenn die Projekte in den anderen Ländern und in Bremen weiterhin positiv verlaufen, könnten sie in Zukunft in ganz Deutschland oder Europa angeboten werden. Das könnte dann auch einen entstigmatisierenden Effekt haben und Menschen dazu animieren, mehr für ihre Gesundheit zu tun.

Erstveröffentlichung am 10.11.2023

Mehr zum Thema:

Waldbaden zum Stressabbau (Quarks.de)

Waldbaden, Naturkosmetik und Co. (ARD Mediathek)

Quellen:

Senat Bremen: "Kunst auf Rezept" erfolgreich gestartet (senatspressestelle.bremen.de)

Stadt Brüssel: Museum prescriptions (brussels.be)

Department for Transportation: Walking, wheeling and cycling to be offered on prescription in nationwide trial (gov.uk)

PaRx/ BC Parks Foundation: Why should I prescribe nature (parkprescriptions.ca)

Forest Therapy Society (fo-society.jp)

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention zum Rezept für Bewegung (dgsp.de)

Fancourt, Daisy, Finn, Saoirse.: What is the evidence on the role of the arts in improving health and well-being? A scoping review (World Health Organization, 2019)

Ideno, Y. et al.: Blood pressure-lowering effect of Shinrin-yoku (Forest bathing): A systematic review and meta-analysis (BMC complementary and alternative medicine, 2017)

Siah, C. J. R. et al.: The effects of forest bathing on psychological well‐being: A systematic review and meta‐analysis (International Journal of Mental Health Nursing, 2023)

Kommentare zum Thema

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2 Kommentare

  • 2 Hugo 05.02.2026, 08:08 Uhr

    Welch bahnbrechende Erkenntnis. Jeder, der schon mal eine Reha gemacht hat, weiß, dass „Waldbaden“ nix anderes ist als Bewegungstherapie an der frischen Luft. Ebenso wird man während eines Reha Aufenthaltes dazu angehalten, sich vor Ort an kulturellen Veranstaltungen zu beteiligen. Man wird quasi mit so was überschwemmt damit keine Langeweile aufkommt. Achtsamkeit lernen und für sich selbst sorgen. Quasi gesunden Menschenverstand nutzen. Das kann doch nicht so schwer sein dass man für jeden Pups eine wissenschaftliche Untersuchung braucht. Oder ist das jetzt das Schicksal der nächsten Generationen? Muss erst vor dem Anlecken einer Briefmarke eine europäische Risikobewertung durchgeführt werden? Dann gute Nacht…

  • 1 Heidi Wilhelmi 26.07.2024, 13:45 Uhr

    Das wäre genau das richtige Rezept. Trotz rheumatoider Arthritis nehme ich keine Tabletten, ernähre mich gesund, bewege mich täglich, schwimme mache Wassergymnastik.das ist aber erst möglich seit ich in Pension bin. Die Herausforderung ist für die arbeitenden Menschen dies möglich zu machen. Also Arbeitszeit endlich verkürzen . Genug ist genug.

    • kugelzwei 26.07.2024, 16:25 Uhr

      Vielen Dank, dass du deine Erfahrung mit uns teilst! Diese Möglichkeiten wären bestimmt für viele eine große Hilfe. Alles Gute wünscht das kugelzwei-Team!