Eine Straße wird von zwei Lärmschutzwänden flankiert, welche teilweise begrünt oder mit PV-Anlagen ausgestattet sind.

Verkehr So können wir Lärmschutzwände verbessern

Stand: 16.03.2025, 12:00 Von Vincent Kretschmer Gamechanger

Von Vincent Kretschmer

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Mehrere tausend Kilometer Schallschutzwände gibt es an Deutschlands Autobahnen, Zugstrecken und Bundesstraßen. Die sind aber größtenteils nur kahle Wände. Dabei könnte man sie viel effektiver nutzen, zum Beispiel als Solaranlage oder sogar als Kletterparadies.

Ein Kletterpark an der Lärmschutzwand

Während auf der einen Seite die Güterzüge vorbei krachen, kannst du dich auf der anderen Seite auf einem Abenteuerspielplatz mit Kletterpark vergnügen: Das gibt es in Heilbronn. Anlässlich der Bundesgartenschau 2019 wurde hier ein Brachgelände in eine Parkanlage umgewandelt, die von der Schienenstrecke von einem teilweise 12 Meter hohen Wall getrennt wird.

Ein gezeichnetes Auto fährt auf einer Straße, die von einer Kletterwand getrennt wird.

Schallschutzwände anders nutzen: mehr als kahle Flächen?

Es gibt Boulderwände für freies Klettern und Kletterwände für den Aufstieg mit Sicherung. Treppen führen zur oberen Aussichtsplattform, von wo aus du mit Rutschen oder über Seillandschaften wieder nach unten kommst. Und auf den Wiesen am See kannst du nachprüfen, ob der Wall auch wirklich den Bahnlärm mindert.

Solarstrom von der Autobahn

Könnten wir Schallschutzwände auch mit Solarpanelen ausstatten, um die freien Flächen zur Stromerzeugung zu nutzen? Das Potenzial scheint gegeben: Photovoltaikmodule auf Lärmschutzbauten könnten rund 1.500 Gigawattstunden (GWh) Strom im Jahr erzeugen – das entspricht in etwa dem Verbrauch von 450.000 Haushalten. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) 2022 durchgeführt hat.

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Lärmschutzwände für Solarstrom zu nutzen, das klingt also erstmal naheliegend – doch so einfach ist es nicht. Es gibt einige Dinge, die beachtet werden müssen. Zum Beispiel die Sicherheit. Es müsste verhindert werden, dass bei einem Unfall ein Auto in die Wand kracht, zum Beispiel durch einen Aufprallschutz. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Oberflächen Autofahrer:innen nicht blenden. Das erreicht man durch mattes Glas oder Folie.

Beides ist möglich, würde aber die Kosten steigern. Und daneben müsste natürlich auch der eigentliche Sinn der Wände erhalten bleiben, der Schallschutz. Denn die Oberflächen von PV-Anlagen reflektieren den Schall, der dann auf die gegenüberliegende Seite geworfen wird. Lärmschutzwände blockieren nämlich nicht nur Schallwellen, sie schlucken sie auch. Es gibt aber auch Konzepte, wie man PV hier integrieren kann, und trotzdem den Lärm mindert.

Welche Möglichkeiten gibt es für Lärmschutz-Solar?

Hierzu hat das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) ein Forschungsprojekt durchgeführt und verschiedene Varianten der Integration getestet. Zum einen wurde geschaut, wie man bestehende Wände nachrüsten könnte. Dafür könnte man Paneele senkrecht oben auf die Wände draufmontieren. Man hat dann allerdings nicht den für PV-Anlagen üblichen schrägen Winkel, der die Mittagssonne gut einfängt.

Das ist aber vielleicht gar kein so großer Nachteil. Da die meisten PV-Anlagen auf die kräftige Mittagssonne ausgerichtet sind, ist zu dieser Zeit auch sehr viel Strom im Netz, während das morgens und abends weniger der Fall ist. Dazu kommt, dass moderne PV-Anlagen Sonnenlicht so aufnehmen können, dass die senkrechten Anlagen, je nach Ausrichtung, sowohl früh als auch spät am Tag Licht verarbeiten können.

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Ebenfalls wurden beim Fraunhofer-Projekt neu gebaute Wände getestet, die eine integrierte PV-Anlage haben. Z. B. Wände, die neben Schallschutzflächen dreieckige Kassetten haben, bei denen die Module schräg nach oben zeigen, und sich so für eine Südausrichtung eignen. Oder Wände, bei denen die Module hinter Scheiben liegen, die viele kleine Löcher haben. Der Schall, der von den Modulen abprallt, könnte von dem Luftspalt absorbiert werden.

Aber auch das muss noch weiter erforscht werden. Potenzial für Energiegewinnung gibt es allerdings, wobei immer nach den örtlichen Gegebenheiten geschaut werden muss, also wie die Ausrichtung der Module wäre, ob nachgerüstet werden kann oder neugebaut werden muss. Und was man mit der Energie macht: Eine Möglichkeit wäre es, Autobahntunnel damit zu versorgen, die für Beleuchtung und Lüftung sehr viel Energie benötigen.

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Durchsichtige Lärmschutzwände

Ein Problem von Lärmschutzwänden ist, dass sie kein Licht durchlassen. Gerade in Wohngebieten kann das zu Ärger bei den Anwohnenden führen, da dadurch die umliegenden Straßen dunkler werden. Die Deutsche Bahn hat zusammen mit einem italienischen Unternehmen eine durchsichtige Lärmschutzwand entwickelt, die bei der neuen Linie S4 in Hamburg zum ersten Mal zum Einsatz kommen wird. Der Schallschutz soll dabei besser sein als bei herkömmlichen Wänden.

Die durchsichtige Lärmschutzwand wird aufgebaut. Hinter der durchsichtigen Wand fährt ein Zug.

Eine "Weltneuheit" laut Deutscher Bahn: die durchsichtige Lärmschutzwand entlang der S4 in Hamburg.

Erreicht werden soll das durch die sogenannte “Metatechnologie”. Klassische Wände haben oft viele kleine Löcher, hinter denen der Schall von Steinwolle absorbiert wird. Bei den neuen “Metafenstern” wird das durch die Geometrie erreicht, die auf bestimmte Frequenzbereiche abgestimmt ist. Laut DB soll so 37 Dezibel Schallabsorption erreicht werden, während die Wand zu 72 Prozent transparent ist.

Sollte sich das Metafenster bewähren, wäre bestimmt auch ein Einsatz beispielsweise an Stadtautobahnen denkbar. Allerdings müssten hierfür die Wände neugebaut werden. Bestehende Wände lassen sich zwar nicht nachträglich durchsichtig machen – aber wir können sie verschönern durch Kunstprojekte oder legale Graffiti, wie es in manchen Städten schon gemacht wird.

Eine Alternative wäre es, die Wände zu begrünen, um Lebensraum für Tiere zu schaffen und einen kleinen Teil zur Luftqualität zu leisten. Allerdings würde eine Begrünung auch die ordnungsgemäße Sicherheitsprüfung komplizierter machen.

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Wenn du das nächste Mal auf dem Weg in den Urlaub wieder an kahlen Wänden vorbeifährst und dich fragst, was man mit der vielen freien Fläche anfangen könnte, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Aber ob PV-Anlage, Begrünung, durchsichtig oder Kletterpark: Es kommt darauf an, wie die Gegebenheiten vor Ort sind, und natürlich wieviel Geld die Betreiber bereit sind zu investieren.

Mehr zum Thema:

ARD alpha: Ist es zu laut bei uns? Der Lärm und seine Folgen

WDR: Gegen Lärm: Hörspaziergänge in Dortmund

Unsere Quellen:

Fraunhofer ISE: PVwins – Entwicklung von wandintegrierten PV-Elementen für den Lärmschutz (ise.frauenhofer.de)

Deutsche Bahn: Mehr Durchblick, weniger Lärm: DB entwickelt innovative transparente Schallschutzwände (deutschebahn.com)

Umweltbundesamt: Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm (umweltbundesamt.de)

ADAC: Schutz vor Straßenverkehrslärm (adac.de)

Expertennetzwerk des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV), 2022

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