Ausgehen : Besondere Café-Ideen: Hier gibt's mehr als nur Kaffee
Stand: 20.06.2025, 12:00 Von Inga Drews, Maria Andresen Gamechanger
Von Inga Drews, Maria Andresen
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Kommentieren [4]Was gibt es Besseres, als gemütlich in einem Café dem Alltagstrubel zu entfliehen? Zwischen Arbeitsplatz und unserem Zuhause sind solche “Third Places” absolut Gold wert. Denn hier können wir stundenlang mit Freund:innen quatschen, neue Menschen kennenlernen und natürlich guten Kaffee genießen. In manchen Cafés kannst du sogar mit deinem Zukunfts-Ich sprechen, deinen Kaffee in einem Gewächshaus trinken oder im Sandkasten buddeln.
Bauen und Baggern im Sand: In diesen Cafés kannst du wieder Kind sein
Kaffee trinken und im Sand buddeln, das geht in einem Café in Dubai. Mit Controllern kannst du kleine ferngesteuerte Bagger und Lkws durch einen Sandkasten düsen lassen und dir eine Auszeit vom Erwachsenen-Alltag gönnen. Betreten darfst du den Sandkasten aber nicht. Die Ausleihgebühr für die ferngesteuerten Fahrzeuge beträgt für 30 Minuten umgerechnet ca. 9 bis 13 Euro.
Eine Reise zurück in die Kindheit bietet auch ein Restaurant in Dänemark. Dort baust du dir mit Steckbausteinen deine Essensbestellung. Du bekommst eine Speisekarte und passende Bausteine, die jeweils für ein Food-Item stehen. Je nach Essenswunsch setzt du die Steine auf eine kleine Platte und schiebst diese wie eine Diskette in die Öffnung eines Computers, der deine Bestellung scannt und sie dir auf dem Display nochmal anzeigt. Roboter bringen dir anschließend dein bestelltes Gericht.
Co-Working-Café – aber ohne Prokrastinieren
Co-Working-Cafés gibt es in vielen Städten. Doch manchmal ist es gar nicht so einfach, in gemütlicher Café-Atmosphäre produktiv an seinen To-Dos zu arbeiten. Ein besonderes Café in Tokio hat für dieses Problem eine Lösung gefunden. Besuchst du das Café, notierst du zu Beginn, welches Ziel du erreichen möchtest.
Damit du deine Arbeit auch wie geplant schaffst, schaut das Café-Personal regelmäßig bei dir vorbei und fragt nach deinem Fortschritt. Du kannst kostenlos deinen Laptop laden und die WLAN-Verbindung des Cafés nutzen. Solltest du deine eigene Deadline nicht schaffen, kannst du natürlich trotzdem das Café verlassen.
Third Places
Der US-Stadtsoziologe Ray Oldenburg nutzte den Ausdruck “Third Place“, um die Rolle und Bedeutung von Räumen für uns als Gesellschaft zu ergründen. Der erste Ort ist nach Oldenburg unser Zuhause, der zweite Ort unser Arbeitsplatz. Die Kategorie der dritten Orte bilden alle Räume des sozialen Miteinanders, wie Cafés, Kneipen oder Parks. Diese Orte sollten in der Nachbarschaft liegen und für alle leicht zugänglich sein. Hier können Mitmenschen Meinungen austauschen, neue Ideen entwickeln und sich eine Auszeit vom Alltag nehmen.
Repair Café: Werkeln in der Kaffeepause
Du hast einen kaputten Toaster oder zerrissene Jeans und weißt nicht, wie du sie reparieren kannst? In einem Repair Café zeigen dir Ehrenamtliche, wie du defekte Alltagsgegenstände wieder funktionstüchtig bekommst. Werkzeug und Material zur Reparatur sind in den Cafés vorhanden, die kaputten Gegenstände kannst du ganz einfach mitbringen.
Die Unterstützung oder Reparatur von Fachkundigen ist kostenlos. Wenn du magst, kannst du aber eine Spende hinterlassen. Falls du nichts zu reparieren hast, kannst du auch anderen beim Werkeln helfen oder in Ruhe deinen Kaffee genießen. Repair Cafés gibt es in Deutschland beispielsweise in Köln, Münster oder Duisburg.
Barrierefreies Miteinander in inklusiven Cafés
In einem Café in Köln bestellst du deinen Kaffee per Handzeichen, denn dort arbeiten gehörlose Menschen. Zu allen Gerichten und Getränken findest du auf der Speisekarte die Übersetzungen in der Gebärdensprache. Das Café bietet zusätzlich einen Gehörlosen-Stammtisch an, um Menschen barrierefrei miteinander zu connecten.
Einen inklusiven Ansatz verfolgt auch ein Café in Tokio, in dem die Gäste von Robotern bedient werden. Die werden wiederum von zuhause von bettlägerigen Menschen gesteuert. So können kranke Menschen oder Menschen mit einer schweren Behinderung trotzdem einer Arbeit nachgehen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Sie können die Gäste über ihre Avatare durch das Restaurant führen, ihnen das Essen bringen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Dafür sind die Roboter mit Kameras, Mikros und Lautsprechern ausgestattet.
Brettspiel-Café: Hier kannst du mit deinen Freund:innen zocken
Alle haben Bock auf einen Spieleabend, aber ihr findet keine passende Location? Dann ist ein Brettspiel-Café eine super Lösung. Hier könnt ihr euch treffen und euch mit Gesellschaftsspielen, leckeren Getränken und Snacks einen entspannten Abend machen.
So ein Café gibt es beispielsweise in Köln. Pro Person musst du hier eine Spielgebühr von 3 Euro zahlen und kannst durch rund 500 Gesellschaftsspiele stöbern. Wenn du eh öfter kommen willst, kannst du direkt ein Jahresabo für 35 Euro abschließen. Weitere Brettspiel-Cafés in Deutschland gibt es zum Beispiel in Dresden, Berlin oder Hamburg.
Kaffeepause mit deinem Zukunfts-Ich
Fragst du dich manchmal, wie dein zukünftiges Leben aussehen könnte? In Cafés in Paris und Seoul kannst du deinem Zukunfts-Ich einen Brief schreiben und dir selbst so Wünsche und Gedanken schicken. Du entscheidest, ob dir der Brief in einem, fünf oder zehn Jahren zugeschickt wird. In der Zwischenzeit wird der Brief im Café gelagert. Für 15 Euro bekommst du im Pariser Café ein Getränk, eine Postkarte mit Umschlag, verschiedene Sticker und den Versand nach einem Jahr.
Café als Ort des Austauschs und der Inspiration
Ein Café in Köln legt besonderen Wert darauf, dass die Menschen sich dort begegnen und in einen gemeinsamen Austausch kommen. Auf der “Wall of Inspiration“ kannst du dafür beispielsweise Zettel mit eigenen Gedanken aufhängen und dich gleichzeitig von den Gedanken der anderen Menschen, die das Café mal besucht haben, inspirieren lassen. Damit der Gedankenfluss direkt angeregt wird, stehen drei Fragen an der Wand, die zur Selbstreflexion anregen sollen.
Außerdem hat das Café “Sharing Tables“. Das sind extra Tische, die dafür da sind, dass du dich zu Fremden dazusetzt und ihr ins Gespräch miteinander kommt. Besonders, wenn du allein in ein Café gehst und Lust auf Gesellschaft hast, kannst du so nette neue Kontakte knüpfen und vielleicht auch den eigenen Horizont durch Gespräche mit völlig Fremden erweitern.
Trauer-Cafés auf Friedhöfen
Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, dann trauert jede:r unterschiedlich. Einigen Menschen hilft es, sich mit anderen auszutauschen, die gerade auch jemanden verloren haben und durch eine ähnlich harte Zeit gehen. So kann das Gegenüber gut nachvollziehen, wie du dich selbst gerade fühlst.
Ein guter Ort, um mit anderen Trauernden in den Austausch zu kommen, können Cafés auf Friedhöfen sein. So ähnlich gibt es das zum Beispiel schon in Soest. Eine weitere Idee könnte sein, dass in solchen Trauer-Cafés auch Selbsthilfegruppen und entsprechende Kurse angeboten werden. So müssen die Trauernden nicht lange im Internet danach suchen, sondern könnten sich direkt im Friedhofs-Café dafür anmelden.
Der “aufgeschobene“ Kaffee: Bedürftigen etwas Gutes tun
Einen Kaffee zu trinken bedeutet oft auch, Pause zu machen, in Gesellschaft zu sein und zur Ruhe zu kommen. In Deutschland gibt es einige Cafés, die diese Erfahrung an alle in der Gesellschaft geben möchten – auch an die, die es sich vielleicht gerade nicht leisten können.
Deshalb kannst du dort bei deiner Kaffeebestellung einen weiteren “aufgeschobenen“ Kaffee mitbezahlen. Den bekommen dann bedürftige Menschen, wenn sie das Café besuchen. Das Konzept des “suspended coffees“, also dass du zwei Kaffees bezahlst, aber nur einen trinkst, gibt es an vielen Orten auf der Welt. Ursprünglich stammt die Idee aus Italien. Dort heißt sie “Caffè sospeso“.
Kaffee trinken an ausgefallenen Orten
Den Kaffee auf einem Stuhl in einem herkömmlichen Café trinken kann jede:r. Wenn du aber Lust auf ein bisschen Abwechslung hast, kannst du deinen Kaffee auch an sehr besonderen Orten trinken. Zum Beispiel auf dem Wasser in einem Tretboot oder Kanu. Das geht in Hamburg: Dort kannst du mit deinem Boot direkt zu einem Café am Kanalrand fahren. Du klingelst an einem Glöckchen, um deine Bestellung abzugeben. Deinen Kaffee bekommst du dann durch ein Fenster direkt ins Boot gereicht, ohne extra aussteigen zu müssen.
Wenn du Pflanzenliebhaber:in bist, kannst du in Stockholm zum Beispiel ins Gewächshaus-Café gehen. Da gibt’s neben Kaffee und Kuchen nämlich auch noch Saatgut und Pflanzen zum Stöbern und Kaufen. Nebenbei kannst du dich auch noch von Gartenprofis beraten lassen und mit anderen Pflanzennerds ins Gespräch kommen.
Wenn du es noch ausgefallener magst, kannst du in Wien deinen Cappuccino quasi im Aufzug trinken. Dort werden in historischen Lift-Kabinen Kaffeespezialitäten serviert. Die Aufzüge sehen recht geräumig und ziemlich gemütlich aus. Bonus-Punkt: Da der Aufzug nicht mehr in Betrieb ist, kann er auch nicht stecken bleiben.
Cafés als Orte der Begegnung und Kreativität
Cafés sind mehr als nur Orte, an denen du eine kleine Kaffeepause genießen kannst. Sie bieten eine willkommene Auszeit vom Alltag und schaffen Räume, in denen wir uns als Gesellschaft auf neue Weise kennenlernen und kreativ werden können. Ob im Reparatur-Café, wo du mit anderen gemeinsam an Dingen werkeln kannst, im barrierefreien Café, das allen offensteht, oder im Café auf dem Friedhof, das Möglichkeiten für Begegnung und Zusammenhalt schafft.
Menschen und Muster (rbb): “Warum wir Dritte Orte unbedingt brauchen“ (youtube.com)
ZDF Plan B „Treffpunkt Stadt“ (zdf.de)
Quellen:
Anti-Prokrastination-Café in Japan (koenji-sankakuchitai.blog.jp)
Sandkasten-Café in Dubai (rccities.com)
Lego-Restaurant in Dänemark (legohouse.com)
Übersicht von Repair Cafés (repaircafe.org)
Gehörlosen-Café in Köln (sign-cafe.de)
Brettspielcafé Köln (brettspielcafekoeln.de)
Cafés, die “aufgeschobenen Kaffee“ anbieten (suspendedcoffee.de)
Café für Inspiration und Austausch in Köln (aincafe.de)
Avatar-Café in Tokio (dawn2021.orylab.com)
4 Kommentare
Kommentar 4: Carina schreibt am 28.06.2025, 12:42 Uhr :
In Köln und Düsseldorf gibt es auch noch Katzenkaffees.
Kommentar 2: Anonym schreibt am 14.10.2024, 18:29 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 1: Anne Dohmstreich schreibt am 14.10.2024, 18:21 Uhr :
So etwas wie das Avatar-Café fände ich auch "in umgekehrt" sehr schön: Ein Café, das bettlägrige oder stark bewegungseigeschränkte Menschen besuchen könnten, um endlich mal was anderes zu sehen oder anderen Menschen zu begegnen. Funktioniert aber natürlich wieder nur über viel ehrenamtliches Engagement und öffentliche Förderung, weil besagte Menschen ja auch dahin kommen können müssten... Denn wenn sie "nur" als Avatar dort auftauchen, fällt leider der Kaffee flach. Aber ich fände das tatsächlich auch schon als virtuelles Ereignis nett!
Antwort von kugelzwei , geschrieben am 14.10.2024, 20:28 Uhr :
Vielen Dank für den Kommentar! Ein Café als Ort der Teilhabe für Menschen mit starker Bewegungseinschränkung zu errichten ist ein toller Ansatz. Wir freuen uns immer sehr, wenn unsere Ideen so kreativ weitergedacht werden. :)