Eine Illustration einer Frau, die in einem Museum ein Kunststück anfasst.

Kultur Alternative Museen und Kunst entdecken: andere Räume, andere Regeln

Stand: 05.06.2025, 17:09 Von Amezz Ali Gamechanger

Von Amezz Ali

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Museen gelten oft als stille, ehrwürdige Orte mit klaren Regeln: nichts anfassen, leise sein, Abstand halten. Doch es gibt Ausstellungen, die mit genau diesen Erwartungen brechen. Sie laden dazu ein, Kunst und Geschichte auf neue, unmittelbare Weise zu erleben: durch Berührung, durch persönliche Geschichten oder durch bewusst reduzierte Reize.

Ein Museum mit Kunst zum Anfassen

Nur gucken, nicht anfassen? Falsch: In diesem Museum darfst du die Kunst berühren! Dieses inklusive Konzept hat der Kamerahersteller Canon gemeinsam mit dem Stadtmuseum Düsseldorf und dem Blinden- und Sehbehindertenverband Nordrhein e.V. (BSVN) entwickelt. Ziel der Ausstellung ist es, Kunst für blinde und sehbehinderte Menschen erlebbar zu machen und zugleich auch sehenden Besucher:innen neue Perspektiven auf die Wahrnehmung von Bildern zu eröffnen.

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Im Mittelpunkt stehen sechs großformatige Fotografien, die mithilfe einer speziellen 3D-Drucktechnik produziert wurden. Durch diese Technik entstehen fühlbare Strukturen auf den Bildern, sodass die Motive ertastet werden können. Ergänzt wird die Ausstellung durch Bildbeschreibungen in Brailleschrift sowie durch QR-Codes, über die Audiodateien mit weiterführenden Informationen abgerufen werden können.

Vertrauen ins Museum

Rund ein Drittel der Bevölkerung besucht mindestens einmal im Jahr ein Museum, zeigt eine Studie des Instituts für Museumsforschung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Museen genießen hierzulande besonders hohes Vertrauen. Laut der Studie haben sie das Potenzial, das gesellschaftliche Miteinander zu stärken und das Vertrauen in kulturelle Institutionen insgesamt zu fördern.

Reizarmes Museum: ein Ort der Ruhe

Im LVR-LandesMuseum Bonn gibt es ein besonderes Ausstellungsformat, das gezielt Menschen anspricht, die eine ruhige und reizreduzierte Umgebung schätzen. Während des sogenannten "Stillen Museums“ wird auf Lärm, Hektik und starke visuelle Reize weitgehend verzichtet. Große Besuchergruppen und laute Kinder bleiben in dieser Zeit außen vor, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der sich auch sensible Menschen wohlfühlen können.

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Zur besseren Orientierung erhalten die Besucher:innen eine spezielle Museumskarte. Auf dieser sind nicht nur die Ausstellungsräume verzeichnet, sondern auch jene Stellen markiert, an denen mit lauter Musik oder grellen Lichtern zu rechnen ist. So können Besucher:innen gezielt Wege wählen, die für sie angenehmer sind und störende Reize vermeiden.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Menschen mit Autismus oder anderen psychischen Erkrankungen, aber auch an alle, die generell einen ruhigen Museumsbesuch bevorzugen. Die Idee zu diesem Konzept ist inspiriert von den sogenannten "Stillen Stunden“, wie man sie aus Supermärkten in den USA oder Großbritannien kennt und die inzwischen auch in Deutschland immer mehr Anklang finden. In Bonn wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gemeindepsychiatrie, der Gruppe "Kunstraum für Autisten“ und weiteren lokalen Partnern entwickelt.

Break-Up-Museum: Ausstellung über Trennungen

Ein Museum über gescheiterte Beziehungen: Diese ungewöhnliche Idee hatten die kroatischen Künstler:innen Olinka Vištica und Dražen Grubišić. Inspiriert wurden sie dazu, als sie selbst eine Trennung durchlebten. So suchten sie nach einem Ort für all die Dinge, die sie an ihre vergangene Beziehung erinnerten. Aus diesem sehr persönlichen Impuls entstand das “Museum of Broken Relationships“.

Ursprünglich als Wanderausstellung konzipiert, tourte die Sammlung bereits um die ganze Welt, unter anderem nach Köln (2016) oder Mexico City (2023). Heute umfasst das Museum Hunderte von Objekten und Geschichten, die Menschen aus aller Welt beigesteuert haben.

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Die Exponate erzählen von schmerzhaften Abschieden, aber auch von liebevollen Erinnerungen oder absurden Momenten. Manche Geschichten sind traurig, andere berührend oder sogar humorvoll, doch alle haben eines gemeinsam: Sie schaffen Raum, um persönliche Erfahrungen mit Trennungen zu reflektieren und vielleicht sogar ein Stück weit zu verarbeiten.

Zeitreise in Museumswohnungen: andere Zeiten erleben

In einigen deutschen Städten, unter anderem in Köln, Berlin oder Hildesheim, gibt es sogenannte Museumswohnungen, die einen authentischen Einblick in vergangene Alltagswelten bieten. Diese Wohnungen sind detailgetreu so eingerichtet, wie sie zu einer bestimmten historischen Epoche ausgesehen haben. So auch die Museumswohnung in Köln, die den Wohnalltag der “goldenen 1920er-Jahre" lebendig werden lässt.

Initiiert hat das Projekt die GAG Immobilien AG in Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Stadtmuseum. Originale Möbelstücke und Alltagsgegenstände aus den 1920er- Jahren wurden sorgsam ausgewählt und in der Wohnung arrangiert. Auch einzelne Elemente wie der zylinderförmige Heizofen oder die freistehende Badewanne sind originalgetreue Nachbauten nach historischen Vorbildern.

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Das Besondere an dieser Museumswohnung: Du darfst sie betreten, erkunden und erleben. Besucher:innen können sich frei darin bewegen, die Möbel aus nächster Nähe betrachten und so unmittelbar in die Atmosphäre der Zeit eintauchen. Ergänzt wird das Erlebnis durch historische Fotos, Pläne und Karten, die das damalige Erscheinungsbild der umliegenden Germania-Siedlung dokumentieren.

Museum mit persönlichen Liebesgeschichten

Beim Frühjahrsputz passiert es uns oft, dass wir längst vergessene und vermeintlich verloren geglaubte Erinnerungsstücke wiederfinden, die uns an unsere erste große Liebe erinnern. Was als gewöhnlicher Aufräumtag beginnt, wird dann schnell zu einer emotionalen Reise in die Vergangenheit. Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, wie ein Museum über dein eigenes Liebesleben aussehen könnte?

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Ein solches Museum existiert in Dubrovnik. Das Love-Stories Museum widmet sich ganz der Vielfalt romantischer Beziehungen. Die Sammlung reicht von kleinen sentimentalen Objekten bis hin zu Erzählungen großer, weltbekannter Liebesgeschichten. Aber Besucher:innen haben auch selbst die Möglichkeit, ihre eigene Liebesgeschichte dort festzuhalten und die Geschichten von anderen Besucher:innen zu lesen.

Fazit

Die vorgestellten Museen zeigen, dass Ausstellungen längst nicht mehr nur Orte des stillen Betrachtens sind. Stattdessen entstehen Räume, in denen Erinnerungen lebendig werden, persönliche Geschichten zählen und sinnliche Erfahrungen im Mittelpunkt stehen.

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