Ab November sollen Mitarbeiter von Ryanair mehr Geld bekommen, wenn sie zu große oder zu schwere Gepäckstücke von Passagieren melden. 2,50 Euro soll es pro Gepäckstück geben. Bislang gab es nur 1,50 Euro und der Betrag war auch, anders als nach den neuen Regeln, monatlich gedeckelt.
Ryanair-Chef Michael O'Leary hat in einem Interview gesagt, dass sich 99,9 Prozent der Passagiere an die Gepäckregeln halten würden. Die 0,1 Prozent, die es nicht tun, will er erwischen. Nach Angaben des Konzerns sorgen zu große Gepäckstücke für Verzögerungen beim Verstauen - und Verzögerungen kosten die Fluggesellschaften Geld.
Was allgemein in Europa gilt
Bei Ryanair sind die Größen für kostenloses Handgepäck besonders knapp bemessen: Die Airline liegt unter den Maßen, die die Vereinigung International Air Transport Association (IATA) vorgibt. Laut IATA sind die maximalen Handgepäckmaße für Flüge innerhalb Europas in der Regel 55 Zentimeter (Höhe) mal 40 Zentimeter (Breite) mal 20 Zentimeter (Tiefe). Das Gewicht von acht Kilogramm sollte nicht überschritten werden.
Ryanair-Kunden müssen bei zu großem Handgepäck nachzahlen
Bei Ryanair darf ein kostenloses Handgepäckstück die Maße von 40 Zentimetern mal 30 Zentimetern mal 20 Zentimetern nicht überschreiten. Wer zusätzlich ein größeres Handgepäckstück (55 Zentimeter mal 40 Zentimeter mal 20 Zentimeter) mit einem Gewicht von bis zu zehn Kilogramm mitnehmen möchte, muss dafür extra bezahlen - oder Priority-Boarding buchen.
Das bedeutet also: Wer mit Ryanair fliegt, muss künftig möglicherweise noch häufiger kräftig nachzahlen, weil die Mitarbeiter besonders auf zu großes Handgepäck achten. Die Höhe der Gebühr ist laut Airline abhängig von der ausgewählten Route und den Reisedaten.
Was bei anderen Billigfluggesellschaften gilt
Die Frage, wie groß und wie schwer das Handgepäck sein darf, kann von Airline zu Airline unterschiedlich sein. Daher sollten Fluggäste die spezifischen Bedingungen ihrer Fluggesellschaft vor Abflug genau prüfen. Was bei anderen Billigfluggesellschaften in Sachen Handgepäck gilt - eine Auswahl:
- Eurowings: Bei Eurowings dürfen Fluggäste kostenfrei eine kleine Tasche mit Abmessungen von 40 mal 30 mal 25 Zentimeter (zum Beispiel eine Laptoptasche) mitnehmen. Wer den Standardtarif (SMART) gebucht hat, kann zusätzlich ein Handgepäckstück mit den Maßen 55 mal 40 mal 23 Zentimetern gratis mit in die Kabine nehmen, das acht Kilogramm wiegen darf.
- Easy Jet: Bei Easy Jet ist es erlaubt, ein Handgepäckstück mit den Maßen 45 mal 36 mal 20 Zentimeter gratis mitzunehmen. Man muss es unter dem Vordersitz verstauen können und es darf ein Gewicht von maximal 15 Kilogramm haben. Alle, die Easy Jet Plus-Mitglied oder Kunde mit Inclusive Plus-Tarif sind, dürfen zusätzlich ein Handgepäckstück mit den Maßen 56 mal 45 mal 25 Zentimeter kostenfrei mit in die Kabine nehmen.
- Wizz Air: Ein Handgepäckstück in der Größe von maximal 40 mal 30 mal 20 Zentimetern können Fluggäste von Wizz Air kostenlos mitnehmen. Wer ein größeres Handgepäckstück mit bis zu 55 mal 40 mal 23 Zentimetern mit einem Gewicht von bis zu zehn Kilogramm mit an Bord nehmen möchte, kann das Wizz Priority-Paket buchen.
Verbraucherschützern sind Handgepäck-Regeln ein Dorn im Auge
Dem europäischen Verbraucherschutz-Dachverband BEUC in Brüssel sind die zusätzlichen Gebühren, die Fluggesellschaften bei der Mitnahme von Handgepäck erheben, ein Dorn im Auge. Die Verbraucherschützer verweisen auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2014. Demnach dürfen keine zusätzlichen Gebühren für Handgepäck erhoben werden, solange es "angemessene Vorgaben" zu Größe und Gewicht erfüllt. Wo genau diese Grenze liegt, ist bislang nicht geregelt. Die Verbraucherschützer fordern die EU auf, dies zu klären.