Love Scam: Liebesbetrüger bringt 81-Jährige um 600.000 Euro

Stand:

Immer wieder fallen Menschen auf Love Scam rein: Über das Internet wird ihnen Liebe vorgegaukelt, um an ihr Vermögen zu kommen. Warum Opfer den Kontakt aufrechterhalten, obwohl sie den Betrug zum Teil erkannt haben, erzählt eine Betroffene aus Mönchengladbach.

Von Manuela Klüppel

Eine 81-jährige Frau sitzt an einem Tisch, vor ihr ein dicker Hefter. Sie möchte lieber anonym bleiben, doch von ihrer Geschichte will sie schon erzählen. Wir nennen sie Gisela Schmidt. Mit ihren gepflegten, rot lackierten Fingernägeln streicht Schmidt über die Papierseiten. Es sind Überweisungen, insgesamt 600.000 Euro. Dieses Geld hat sie an einen Betrüger überwiesen. Schmidt nimmt ihr Smartphone zur Hand. Das Display leuchtet auf und zeigt den Verlauf alter Nachrichten. Ihr Daumen scrollt langsam nach oben, vorbei an liebevollen Worten, Versprechungen und immer dringender werdenden Geldforderungen. Das Archiv einer digitalen Täuschung.

Im Juni 2018 erhält die Frau aus Mönchengladbach eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Der Mann, der sie damals anschreibt, nennt sich Robert Pepper. Er hat ein sympathisches Foto und scheint etwas jünger zu sein als sie. Er behauptet, aus England zu kommen und wie sie verwitwet zu sein.

Der Betrüger erfand viele Geschichten

00:36 Min. Verfügbar bis 04.06.2027

Schmidt erinnert sich: "Daraufhin hat er gesagt, vielleicht können wir uns mal kennenlernen. Und es war sehr angenehm, von Anfang an." Robert Pepper erzählt, seine Frau sei bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und er hätte zwei kleine Kinder.

So harmlos die Geschichte beginnt, so unglücklich endet sie für die Mönchengladbacherin. Am Ende verliert sie ihr gesamtes Vermögen - insgesamt 600.000 Euro.

Love Scam: Bandenkriminalität aus dem Ausland

Liebesbetrug taucht in der Kriminalstatistik der Polizei nicht separat auf. Florian Scheffel von der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach berichtet jedoch, dass solche Fälle regelmäßig auf den Tisch kommen. Normalerweise sitzen die Täter im außereuropäischen Ausland und gehören zu organisierten Banden.

Schmidt ahnt davon nichts, sie tauscht regelmäßig Nachrichten mit dem Liebesbetrüger aus, inzwischen über WhatsApp. Er behauptet, er habe nur ein altes Handy, deswegen telefonieren sie nicht. Es sind flehende Nachrichten, darunter wie: "Bitte, bitte hilf mir. Das ist die letzte Zahlung." Oder der Betrüger heuchelt Verständnis: "Ich weiß, dass Vertrauen manchmal schwerfällt, besonders wenn man unsicher ist."

Die Kommunikation mit dem Liebesbetrüger lief nur über Textnachrichten | Bildquelle: WDR / Manuela Klüppel

Eines Tages muss er angeblich nach Australien reisen, um für seine Firma Öl einzukaufen. Er bittet Schmidt, ein Paket in Empfang zu nehmen. Die Firma, die das Paket verschicken soll, verlangt plötzlich 300 Euro. Robert Pepper verspricht ihr, dass sie das Geld zurückbekommt und Schmidt vertraut ihm. Hilfsbereit überweist sie das Geld, doch das Paket kommt nie an.

Diese Warnsignale für Liebesbetrug gibt es

Karl-Heinz Kosock von der Opferhilfe Weisser Ring nennt einige Warnsignale für Liebesbetrug: Die Betrüger haben fast immer Zeit zu schreiben, die Beziehung wird schnell sehr intim, und plötzlich gibt es dann irgendein Problem. Der Fall von Gisela sei typisch, sagt er. Meist leben die potentiellen Liebespartner im Ausland, sprechen oft Englisch und zeigen sich nie persönlich in einer Videokonferenz.

Gisela Schmidt will wissen, wer der Liebesbetrüger ist

00:15 Min. Verfügbar bis 04.06.2027

Nach und nach werden die Forderungen nach Geld immer höher. Nach dem ersten Jahr wird Schmidt klar, dass Robert Pepper nicht echt ist und sie betrogen wurde. Trotzdem macht sie weiter. Heute sagt sie, das sei schwer zu erklären, sie wollte so an den Täter herankommen: "Ich dachte, die Polizei hilft mir dabei."

Schwierige Ermittlungen

Polizei und Staatsanwaltschaft können meist nicht helfen, häufig werden solche Fälle eingestellt, da die Täter nicht zu ermitteln sind. Die Ermittler versuchen für gewöhnlich dem Geld zu folgen, erklärt Staatsanwalt Scheffel: "Die Gelder werden oft erst ins europäische Ausland, dann ins weiter entfernte Ausland und letztendlich in irgendwelche Kryptowallets transferiert, wo es dann sehr schwer wird, nachzuvollziehen, wer der Berechtigte ist." Auch Gisela Schmidts Fall wurde eingestellt.

Schmidt greift zu ihrem Handy und zeigt die neuesten Nachrichten von dem Betrüger. Sie scrollt nach oben, zeigt Nachrichten aus dem letzten Monat, in denen er sie weiter um Geld bittet. Tatsächlich hat sie heute noch Kontakt mit dem Täter, obwohl sie weiß, dass sie betrogen wurde.

Gisela Schmidt hat weiterhin Kontakt zum Betrüger, um ihn vielleicht irgendwann zu entlarven | Bildquelle: WDR / Manuela Klüppel

Sie will noch immer irgendwie an ihn herankommen, schreibt mit ihm mehrmals die Woche. "Solange ich lebe, bleibe ich dran", sagt sie. Der Liebesbetrüger hat sie um ihre ganzen Ersparnisse gebracht. Heute lebt sie alleine von ihrer Rente und damit sie sich ab und an etwas gönnen kann, geht sie mit 81 Jahren nebenher noch arbeiten.

Über dieses Thema haben wir auch am 23.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Bergisches Land, 19.30 Uhr.