Die App „Zeitzeugen 1945“ hat von Beginn an die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer einbezogen. Sie wurde in Kooperation mit der Hochschule Düsseldorf und partizipativ mit einem Projektkurs der Trude-Herr-Gesamtschule Köln entwickelt.
Zwei Schulhalbjahre lang begleiteten Schülerinnen und Schüler der Kölner Gesamtschule die Entwicklung der App intensiv und diskutierte alle zwei Wochen mit dem WDR-Team über anstehende Entscheidungen – von der Themenauswahl über die visuelle Gestaltung, vom Titel über interaktive Elemente bis hin zur Auswahl des Info-Guides. Der Projektkurs war bei Zeitzeugen-Interview im Studio dabei, diskutierte mit der Hochschule Düsseldorf über die Programmierung und sprach mit einer Zeitzeugin auf der Bildungsmesse didacta.
Die Perspektive der Schülerinnen und Schüler hat die App stark geprägt: So geht die Entscheidung für das Kapitel „Krieg und Trauma“ darauf zurück, dass die Jugendlichen sich besonders dafür interessierten, wie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit den belastenden Erlebnissen umgingen. In Testrunden an Schulen, die an der Entwicklung nicht beteiligt waren, überprüfte und verfeinerte das WDR-Team die App zusätzlich.
Projektleitung Dorothee Pitz: „Für die Schülerinnen und Schüler war das Authentische das Wichtigste – die Berührung durch die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.“
Eigener Film, Podcast mit Ur-Oma von Max Bayer
Die Schülerinnen und Schüler der Trude-Herr-Gesamtschule entwickelten in ihrem Projektkurs zudem eigene Projekte zu den App-Themen. Die kreativen Umsetzungen und teils sehr persönliche Fragestellung zeigen die hohe Eigenmotivation durch die Arbeit an der App. So drehte eine Schülerin mit technischer Unterstützung eines WDR-Teams einen Film, für den sie Jugendliche interviewte und deren Antworten auf Fragen wie „Was ist für dich Hunger?“ mit Zeitzeugen-Aussagen kontrastierte.
"Was ist für dich Hunger?"
Zeitzeugen 1945 – Trümmerjahre in AR. 01:56 Min.. Verfügbar bis 31.12.2099. WDR. Von Belgin Alieva.
Eine Schülerin begann, ihre Familiengeschichte zu recherchieren und stieß auf einen Verwandten, der SS-Mitglied und im Vernichtungslager Auschwitz eingesetzt war. Zwei Schüler drehte einen kurzen Spielfilm angelehnt an die „Kaugummi“-Erzählung des Zeitzeugen Alfred Grünewald im App-Kapitel „Hunger und Überleben“. Und ein weiterer Schüler sprach für einen Podcast mit seiner Ur-Großmutter, deren Brüder sich in gegnerischen Armeen (Rote Armee und deutsche Wehrmacht) gegenüberstanden.
Lehrer Albert Almering:„Die Schüler hatten das Gefühl der Ernsthaftigkeit. Es war für sie schon etwas Besonderes, etwas, das sie aus dem Alltag kennen, eine App, mitgestalten zu können und als Gesprächspartner ernst genommen zu werden. Und mal aus der Schule heraus wirken zu können.