Straßenkatzen in Deutschland
Stand:
In Deutschland leben viele Katzen, die keinen festen Besitzer haben: sogenannte Straßenkatzen oder Streunerkatzen. Der Deutsche Tierschutzbund geht von bis zu zwei Millionen Straßenkatzen aus. Seit Jahren schlagen Tierschutzvereine Alarm, dass die Population immer weiter anwächst.
Straßenkatzen sind kein natürliches Phänomen, sie sind ein menschengemachtes Problem. Denn sie stammen von Hauskatzen ab, die sich unkontrolliert vermehrt haben. Als domestizierte Tiere sind sie aber auf Menschen angewiesen. Ihre Nachkommen wachsen ohne deren Nähe auf und verwildern – mit gravierenden Folgen für ihr Leben und ihre Gesundheit.
Unkastrierte Freigängerkatzen tragen wesentlich zur Vermehrung bei, wenn sie sich mit Streunerkatzen paaren. Auch ausgesetzte Tiere, die nicht mehr gewollt sind, verschärfen die Lage.
Straßenkatzen leben unsichtbar vor unserer Haustüre
Straßenkatzen leben meist im Verborgenen: auf verlassenen Grundstücken, in Industriebrachen, Schrebergärten, Hinterhöfen und auf Friedhöfen. Die Katzen sind scheu, meiden Menschen und kämpfen täglich ums Überleben. Der Alltag der Katzen ist geprägt von Hunger, Krankheiten, Verletzungen und Witterungseinflüssen. Besonders im Winter oder bei langen Trockenphasen sind Wasser und Futter schwer zu finden. Ohne tierärztliche Versorgung leiden viele Tiere an unbehandelten Infektionen, Viruserkrankungen, Parasiten oder Verletzungen durch Revierkämpfe.
Besonders problematisch ist die unkontrollierte Vermehrung: Eine Katze kann bis zu dreimal im Jahr Nachwuchs bekommen, mit jeweils mehreren Jungen. Viele der Kitten überleben die ersten Wochen nicht – sie sterben an Unterernährung, Krankheiten oder werden überfahren. Dennoch wächst eine immer größer werdende Population heran, für die sich kaum jemand verantwortlich fühlt.
Gesetzliche Regelungen fehlen oft
Tierschutzorganisationen fordern seit Jahren eine gesetzliche Verpflichtung zur Kastration aller Freigängerkatzen in privater Haltung, um das Leid der Straßenkatzen einzudämmen. Es gibt in Deutschland jedoch bisher keine bundesweit einheitliche Regelung zum Umgang mit Straßenkatzen.
Einige Städte und Kommunen haben Kastrations- und Kennzeichnungspflichten für Freigängerkatzen eingeführt. Doch hier fehlt es an Kontrollen und Handhabe durch die Behörden, um Verstöße zu sanktionieren. Denn in den meisten Regionen ist das Halten und der freie Auslauf von nicht kastrierten Katzen weiterhin erlaubt.
Hilfe durch Tierschützer
Zahlreiche Tierschutzvereine und private Initiativen kümmern sich ehrenamtlich um Straßenkatzen, indem sie Futterstellen unterhalten und Kastrationsaktionen durchführen, um den Kreislauf der immer weiter fortschreitenden Vermehrung zu durchbrechen. Dabei werden frei lebende Katzen eingefangen, kastriert, medizinisch versorgt und anschließend wieder an ihren angestammten Platz zurückgebracht. Dieses Verfahren nennt man auch „Trap-Neuter-Return“ (TNR), es gilt als die effektivste Methode zur langfristigen Reduzierung der Population.
Manche Straßenkatzen sind noch so jung oder zutraulich, dass sie sich an Menschen gewöhnen lassen und ein Zuhause finden können. Doch die Plätze in Tierheimen und Pflegestellen sind begrenzt, die Kapazitäten vieler Organisationen erschöpft.
Was kann jeder Einzelne tun?
Jeder kann einen Beitrag leisten, um das Leid der Straßenkatzen zu lindern:
- Kastration ernst nehmen: Wer eine Freigängerkatze hält, sollte sie unbedingt kastrieren lassen, egal ob Kater oder Katze.
- Tierschutz unterstützen: durch Spenden, Patenschaften oder ehrenamtliche Hilfe bei Tierschutzvereinen.
- Nicht wegsehen: Fremde Katzen, bei denen unklar ist, ob sie einen Besitzer haben, sollten nicht einfach gefüttert werden. Wenden Sie sich im Zweifel an einen Tierschutzverein oder das Veterinäramt, um die Besitzverhältnisse zu klären und Unterstützung zu erhalten.
- Adoption erwägen: Besonders junge Streunerkatzen können mit Geduld zu zutraulichen Hauskatzen werden.
Autorin: Katja Diepenbruck