Eine Katze zieht ein
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Der Umzug in ein neues Zuhause bedeutet für jede Katze zunächst einmal Stress. Wie gut sie mit der neuen Situation zurechtkommt, hängt von ihrem individuellen Wesen, ihrem Alter, ihren bisherigen Erfahrungen und ganz maßgeblich auch von ihrem neuen Umfeld ab. Mit diesen Tipps helfen Sie Ihrem Tier bei der Eingewöhnung.
Ankommen lassen
Die erste Zeit im neuen Zuhause sollten Sie für Ihre neue Katze ruhig und strukturiert gestalten. Vor allem dann, wenn sie mit Unsicherheit und Rückzug reagiert. In den ersten Tagen nach dem Einzug sollte die Katze Zeit bekommen, ihre neue Familie und ihr neues Revier kennenzulernen, nicht gleich die ganze Nachbarschaft oder alle Freunde der Kinder. Sie machen es Ihrem Tier einfacher, wenn Sie für die ersten zwei bis drei Tage zunächst ein einzelnes Zimmer als ihren Rückzugsort einrichten und nach und nach mehr Räume der Wohnung öffnen.
Nicht bedrängen und Zeit geben
Wenn die Katze in den ersten Tagen gar keinen engen Kontakt zu Ihnen sucht, ist das kein Grund zur Sorge. Es bedeutet nicht, dass sie nicht doch ein Schmusetier werden kann. Wichtig ist: Nicht bedrängen, keinen Kontakt erzwingen. Katzen lieben ihre Freiheit und treffen gern eigene Entscheidungen – sie kommen von selbst, wenn sie Nähe möchten.
Bedrängen würde in der neuen Situation nur noch mehr Stress erzeugen. Dennoch sollten Sie die neue Katze am Anfang auf keinen Fall zu viel allein lassen. Halten Sie sich im gleichen Raum auf, sprechen Sie mit ihr, machen Sie Spielangebote oder bieten Sie Leckerli an. Geben Sie ihr so die Möglichkeit, auf Sie zuzukommen. All das hilft beim Aneinandergewöhnen.
Versteckmöglichkeiten
Katzen ziehen sich zurück und suchen Schutz in Verstecken, wenn sie unsicher oder gestresst sind. Ausreichend Versteckmöglichkeiten und Rückzugsorte helfen Ihrem neuen Tier, in Ruhe zunächst alles zu beobachten und von sicheren Posten aus erste Erkundungszüge durch die Wohnung anzutreten.
Viele Katzen suchen warme Plätze in der Sonne oder auf der Heizung, und sie lieben es, erhöht zu sitzen: in Bücherregalen, auf und in Schränken oder auch auf Kratzbäumen – hierbei ist es wichtig, einen sicheren Weg dorthin zu gewährleisten. Zusätzliche Verstecke können Sie ganz einfach herstellen, indem Sie zum Beispiel ein Laken oder eine Decke über einen Stuhl hängen. Auch Höhlen werden von Katzen gerne angenommen.
Vorsicht: Immer wieder versuchen Katzen, durch Kippfenster zu steigen oder auch in Panik “zu entkommen“ – das ist lebensgefährlich und kann zu schweren Verletzungen führen. Gekippte Fenster müssen abgesichert werden (nicht nur am Anfang!) durch spezielle Gitter, die im Handel erhältlich sind.
Futter, Wasser, Katzentoiletten
Wasser sollte jedem Tier jederzeit frei zugänglich zur Verfügung stehen. Ein oder zwei eigene Futternäpfe, die regelmäßig gesäubert werden, sollten ebenfalls zum Standard-Inventar gehören. Da Katzen gerne über den Tag verteilt fressen, halten es viele Katzenhalterinnen so, dass Trockenfutter im Napf frei zur Verfügung steht.
Einige Katzen stresst ein Umzug derart, dass sie für einige Stunden das Fressen einstellen. Sollten Sie bemerken, dass Ihre neue Katze länger als 24 Stunden gar nichts trinkt oder frisst, kontaktieren Sie eine Tierarztpraxis. Tipp: Erkundigen Sie sich vor dem Einzug ins neue Zuhause, welches Futter die Katze bisher bekam, und stellen Sie erst langsam nach und nach um, wenn Sie anders füttern möchten.
Saubere Katzentoiletten sollten ausreichend zur Verfügung stehen. Gerade am Anfang kann es helfen, zwei Toiletten aufzustellen. Viele Tierschutzvereine empfehlen generell, pro Katze zwei Toiletten aufzustellen. Katzen sind reinlich, schmutzige Toiletten werden ungern benutzt, sie sollten deshalb täglich gereinigt werden (nicht nur am Anfang). Sollte in den ersten Tagen “etwas danebengehen“ – Nerven bewahren. Meist ist die Unsauberkeit ein Anzeichen von Stress und von vorübergehender Natur.
Katzen vergesellschaften
Der Mythos, Katzen seien Einzelgänger, ist lange widerlegt. Individualisten sind Katzen aber allemal und nicht jede Katze begrüßt neue Gesellschaft sofort mit Begeisterung. Viele Tiere reagieren zunächst mit Abwehr, Unsicherheit oder sogar Unsauberkeit, wenn plötzlich ein neuer Artgenosse im eigenen Revier auftaucht. In der richtigen Konstellation können sie jedoch enge Bindungen zu Artgenossen aufbauen – vorausgesetzt, Charakter, Alter und Temperament passen zueinander. Die meisten Mitarbeiterinnen in Tierheimen kennen ihre Schützlinge gut und können beratend zur Seite stehen.
Eine behutsame Annäherung ist beim Vergesellschaften erfolgsversprechender als ein überstürztes Kennenlernen. Beim Einzug sollte jedes Tier über eigene Rückzugsorte, Schlafplätze und Näpfe verfügen. Auch hier kann eine kurze räumliche Trennung helfen: In einem separaten Zimmer kann die neue Katze ankommen, bevor erste Begegnungen zum Beispiel durch eine Gittertür erfolgen. So können beide Tiere den anderen sehen, riechen und einschätzen, ohne in Bedrängnis zu geraten.
Geruch spielt eine zentrale Rolle im Katzenalltag. Es kann hilfreich sein, Decken oder Kissen im Vorfeld zu tauschen, damit sich die Tiere aneinander gewöhnen. Künstliche Pheromone können zusätzlich zu einer entspannten Atmosphäre beitragen. Wichtig ist, den Tieren Zeit zu lassen und nicht einzugreifen, solange die Kommunikation im normalen Rahmen bleibt. Fauchen, Knurren oder kurze Rangeleien sind Teil des sozialen Austauschs und helfen, Grenzen abzustecken.
Mit Geduld, Routine und Feingefühl entsteht meist nach einigen Wochen oder Monaten eine stabile Beziehung. Ob Spielgemeinschaft oder friedliche Koexistenz – das Vertrauen wächst, wenn Katzen selbst bestimmen dürfen, wie nah sie einander kommen.
Freigang
Bevor eine Katze Freigang bekommt, sollte sie unbedingt kastriert, gechipt und (wichtig!) auch bei einem Haustierregister wie Tasso oder Findefix registriert werden. Viele Katzenkenner und Tierschützer empfehlen mehrere Wochen Eingewöhnung in der neuen Wohnung oder im Haus, bevor das Tier zum ersten Mal nach draußen darf. Je länger, desto besser; als Faustregel gelten vier bis sechs Wochen, denn Katzen müssen ihr neues Zuhause und ihr Revier erst verinnerlichen. Sollten Sie an einer stark befahrenen Straße oder in einer sehr verkehrsreichen Gegend wohnen, sollte die Katze vielleicht aus Sicherheitsgründen lieber Wohnungskatze bleiben oder Freigang nur im gesicherten Garten bekommen.
Viele Katzenhalter gewöhnen ihre Tiere behutsam im Haus an Geschirr und Leine. So können die ersten Ausflüge in den Garten gut gesichert ablaufen. Sinnvoll ist auch, ein Signal zum Herkommen zu etablieren, das am besten mit sehr beliebten Leckerli konditioniert wird. Die Chance ist groß, dass dieses Signal auch draußen klappt. Außerdem sollten die ersten Ausflüge am besten vor dem Füttern stattfinden, damit die Katze Hunger hat. Gehen Sie mit Ihrer Katze hinaus und versuchen Sie, bereits nach ein paar Minuten wieder mit ihr zurück ins Haus zu gehen. Die Katze sollte, wenn sie irgendwann selbstständig hinausgehen darf, immer einen Zugang zum Haus haben, etwa durch eine Katzenklappe.
Generell gilt: Haben Sie Geduld, wenn Ihre neue Katze einzieht. Nehmen Sie anfängliches Zurückziehen und Verstecken nicht persönlich. Wenn die Katze sich nach einiger Zeit in ihrem neuen Revier sicher fühlt, dann beginnt das eigentliche Kennenlernen und erst dann kann die Katze stressfrei auf ihre neuen Menschen zugehen.
Autorin: Katja Diepenbruck