Ein Hund zieht ein
Stand:
Wenn ein neuer Hund einzieht, ist das aufregend für Tier und Mensch. Vor allem die ersten Stunden und Tage können stressig und unruhig sein, denn der Hund braucht Zeit, sich an seine neue Umgebung, seine Familie und vielleicht auch an andere Tiere zu gewöhnen. Doch mit Ruhe und klaren Strukturen können Sie sich und Ihrem neuen Hund den Start in das Zusammenleben erleichtern.
Ankommen lassen und nicht überfordern
Jedes Tier braucht nach der Ankunft im neuen Zuhause Zeit, um sich einzuleben. Je nachdem, wo Ihr Hund herkommt und was er erlebt hat, wie alt er ist und wie mutig oder unsicher er sich zeigt, kann es schnell gehen oder länger dauern, bis er sich an den neuen Alltag gewöhnt hat. Hunde sind anpassungsfähig und lernen schnell. Doch wenn Sie vielleicht ein Tier adoptiert haben, das noch nie im häuslichen Umfeld gelebt hat, dann ist alles neu: Die Geräusche von Geschirr, der Staubsauger, der Fernseher.
Packen Sie Ihren neuen Hund nicht in Watte, aber überfordern Sie ihn auf keinen Fall mit zu vielen neuen Situationen auf einmal. Hier sind Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Am ersten Tag im neuen Zuhause ist der Hund vor allem mit Orientierung beschäftigt. Je nachdem, wie mutig er ist, wird er jeden Zentimeter seines neuen Reichs abgehen und beschnüffeln wollen. Lassen Sie das ganz in Ruhe zu und begleiten Sie Ihren Hund dabei. Räume, die der Hund zunächst nicht betreten soll (zum Beispiel Kinderzimmer oder Küche), einfach geschlossen halten.
Sollten Sie einen Garten haben, stellen Sie sicher, dass er hoch genug und ausbruchssicher eingezäunt ist. Lassen Sie Ihren Hund am besten die ersten Tage den Garten nicht allein und nur an der Leine erkunden. Vorsicht auch bei Balkonen: Der Hund kann versuchen, über die Brüstung zu springen! Verzichten Sie darauf, gleich in den ersten Tagen alle Freunde, Nachbarn und Verwandten einzuladen, die das neue Familienmitglied kennenlernen wollen. Zu viel Besuch bringt am Anfang viel Stress und Unruhe. Nach und nach können in Ruhe alle Menschen kennengelernt werden.
Stubenreinheit und Spazierengehen
Wenn ein Hund noch nie im Haus gelebt hat, wird er wahrscheinlich nicht stubenrein sein. Die meisten Hunde verstehen das Prinzip jedoch sehr schnell. Beobachten Sie Ihren Hund in den ersten Stunden gut: Wenn er oder sie Anstalten macht, ein Geschäft drinnen zu machen, reicht ein lautes “Nein“ als Abbruch. Dann sofort anleinen und in den Garten oder vor das Haus gehen.
Gehen Sie in den ersten Tagen ruhig öfter kurz hinaus, etwa alle zwei oder drei Stunden, damit Ihr Hund die Möglichkeit bekommt, draußen zu machen. Loben Sie Ihr Tier bei Erfolg besonders überschwänglich für einen schnellen Lernerfolg. Auch das Einhalten nachts muss erst gelernt werden. Gehen Sie anfangs abends so spät wie möglich noch einmal vor die Tür und in der Früh erneut. Meist pendelt sich die Stubenreinheit bei erwachsenen Tieren nach wenigen Tagen ein.
Bei sehr unsicheren Hunden ist es möglich, dass sie sich draußen nicht lösen können, weil sie zu gestresst sind. Sie werden mehr Geduld brauchen und im Zweifel kann ein Hundetrainer helfen. Bei Junghunden muss sich der Schließmuskel der Blase erst voll entwickeln. Sie können damit rechnen, dass Unfälle spätestens ab dem sechsten Lebensmonat selten werden.
Machen Sie in den ersten Tagen keine langen Spaziergänge. Auch die Umgebung draußen bringt sehr viele neue Eindrücke mit, die der Hund erst kennenlernen und verarbeiten muss. Kurze Runden um den Block genügen in den ersten Tagen – je nachdem, wie sicher sich Tier und Mensch fühlen und wie gut der Hund mitläuft, können die Runden dann ausgeweitet werden. Leinenführigkeit ist Hunden aus dem Tierschutz, die noch nicht im häuslichen Umfeld gelebt haben, häufig fremd. Haben Sie Geduld und am Anfang nicht zu hohe Erwartungen.
Der Hund sollte, je nach Empfehlung des Tierschutzvereins, die ersten Wochen oder Monate draußen nur doppelt gesichert laufen, das heißt, ein Ende der Leine am Halsband befestigt, das andere am Sicherheitsgeschirr. Beides sollte eng genug geschnallt sein, sodass der Hund sich in einem Schreckmoment nicht herauswinden kann.
Der Hund sollte erst dann frei und ohne Leine laufen, wenn Sie den Rückruf sicher etabliert haben und sichergestellt ist, dass der Hund keinen Jagdtrieb hat und in Schreckmomenten nicht die Flucht ergreift.
Futter
Sollte Ihr Hund nach der Ankunft bei Ihnen sehr gestresst sein, wird er oder sie möglicherweise nicht direkt fressen. Dauert die Appetitlosigkeit aber länger als 24 Stunden, sollte der Rat eines Tierarztes eingeholt werden. Auch Verdauungsprobleme sind in den ersten Tagen normal. Am besten geben Sie Ihrem Vierbeiner das gleiche Futter, das es auch im Tierheim gab, und gewöhnen ihn langsam um.
Ersthunde, Katzen und Kinder im neuen Zuhause
Wenn bereits andere Hunde im neuen Zuhause leben, ist es wichtig, das erste Kennenlernen auf neutralem Boden stattfinden zu lassen und nicht im eigenen Garten oder im Haus. Bevor es dann gemeinsam in die neuen Räume geht, ist es außerdem ratsam, mit allen Hunden einige Meter zu laufen und dann gemeinsam hineinzugehen.
Auch wenn der bereits vorhandene Hund bisher sein Spielzeug, seinen Schlafplatz oder sein Futter nicht verteidigt hat, ergibt es Sinn, das Spielzeug zunächst wegzuräumen und in Ruhe zu schauen, wie beide Hunde miteinander agieren. Die Hunde sollten mit deutlichem Abstand oder auch räumlich getrennt gefüttert werden, um Futterneid zu verhindern.
Sollten im neuen Zuhause Katzen wohnen, ist es ratsam, die Tiere zunächst für einige Tage räumlich zu trennen und das Beschnuppern nur durch ein Türgitter zu ermöglichen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie Ihr neuer Hund reagiert, führen Sie die ersten Kennenlernversuche ohne Trenngitter an der Leine (Hund) oder sogar mit Maulkorb durch, und lassen Sie Hund und Katze am Anfang nicht unbeaufsichtigt allein.
Wie Hunde auf Kinder reagieren, hängt von Ihrem individuellen Wesen und ihren Vorerfahrungen ab. Auch hier gilt: Kein ungeregeltes “Aufeinanderprallen“, erst einmal mit Abstand beschnuppern. Der Hund sollte auf das Kind zugehen, nicht umgekehrt – lassen Sie Ihr Kleinkind nicht hinter dem Hund herlaufen, sodass er sich bedrängt fühlt.
Der Hund muss die Möglichkeit haben, sich aus der Situation zurückziehen zu dürfen. Lassen Sie Ihr Kind den Hund auf keinen Fall an seinem Schlafplatz stören. Das kann zu folgenreichen Missverständnissen führen. Hunde und (Klein-)Kinder sollten generell nicht unbeaufsichtigt allein gelassen werden – auch nach der Eingewöhnung.
Der Schlafplatz
Jeder Hund braucht einen sicheren Platz, auf dem er ruhen, schlafen und auch tagsüber abschalten kann. Dieser Platz sollte so gewählt sein, dass er nicht an gängigen Durchgangswegen in der Wohnung liegt, sodass der Hund ungestört ist. Im Flur oder neben der Haustür sind eher schlechte Plätze. Trotzdem sollte das Hundebett so stehen, dass ihr Tier noch Teil des Rudels sein kann. Allein sollte kein Hund schlafen.
Außerdem ist es wichtig, dass ihr Vierbeiner die Temperatur am Schlafplatz angenehm findet – was je nach Fellbeschaffenheit und Jahreszeit unterschiedlich aussehen kann. Sie können diesen Platz von Anfang an als Ruheplatz etablieren, indem Sie ihren Hund aktiv auffordern, sich hineinzulegen und dies positiv belohnen. Ein Hund aus dem Tierschutz wird in den ersten Tagen bei Ihnen möglicherweise sehr viel schlafen, weil das Tier nun die Ruhe bekommt, die es im Zwinger nicht gab.
Wie schnell ein Hund ankommt und wie schnell eine Bindung zwischen Tier und Mensch aufgebaut werden kann, ist ganz individuell. Hier ist Ihre Geduld gefragt. Manchmal dauert es Monate, bis Hunde sich im neuen Zuhause sicher fühlen und die alltäglichen Abläufe entspannt werden. Sollten allerdings in den ersten Wochen ernsthafte Probleme beim Zusammenleben auftreten, zögern Sie nicht, sich professionelle und renommierte Hilfe zu holen.
Autorin: Katja Diepenbruck