Bei der Auslandstiervermittlung läuft mittlerweile fast alles über das Internet. Die Tiere und ihre Schicksale werden auf Homepages oder über soziale Medien vorgestellt. Doch woran erkenne ich, ob der Verein, der die Tiere vermittelt, tatsächlich seriös ist?
Der Verein
Auf der Homepage des Tierschutzvereins muss erkennbar sein:
- Handelt es sich um einen eingetragenen Verein?
- Ist der Verein als gemeinnützig anerkannt?
- Gibt es ein Partnertierheim in dem Land, aus dem die Tiere kommen?
- Wie sieht die Tierschutzarbeit der Vereine in den jeweiligen Ländern aus? Welche Ziele hat die Tierschutzarbeit?
- Ist ein seriöses Impressum zu finden?
Tierschutzarbeit vor Ort
Das Ziel des Vereins sollte nicht sein, ausschließlich so viele Tiere wie möglich nach Deutschland einzuführen, sondern er sollte sich auch im Herkunftsland der Tiere für nachhaltigen Tierschutz einsetzen. Zum Beispiel in Form von regelmäßigen Kastrationsaktionen, der Unterstützung von konkreten Projekten und aktiver Hilfe und Aufklärung für die Menschen vor Ort. Auch ein Partnertierheim vor Ort und die enge und transparente Zusammenarbeit mit den Tierschützern dort sind gute Zeichen.
Welpen und Rassetiere – ein schmaler Grat
In Süd- und Osteuropa werden tausende Welpen und Katzen auf der Straße oder in Sheltern geboren. Finden sich allerdings bei einem Tierschutzverein fast ausschließlich junge Tiere und Welpen zur Vermittlung, ist Vorsicht angesagt. Genauso dann, wenn es ausschließlich sehr hübsche Tiere oder nur Rassetiere sind. Dies kann ein Zeichen für unseriöse Vermittlung oder Handel sein.
Manchmal gibt es regelrechte Welpen-Schwemmen und da die Welpensterblichkeit sowohl in Tötungsstationen, öffentlichen Tierheimen, Canilen und auch auf der Straße hoch ist, versuchen Vereine, die Tiere möglichst schnell zu vermitteln, um ihnen einen guten Start ins Leben zu bieten. Da sich aber vor allem junge Tiere besonders gut vermitteln lassen, nutzen manche unseriösen Vereine Welpen, um schnell an “Schutzgebühren“ zu kommen.
Eine verantwortungsvolle Tierschutzorganisation hat auf Nachfragen zum Thema Welpen plausible Antworten parat und gibt gerne ausführlich Auskunft.
Achtung: Hundewelpen, die aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt werden, müssen bei ihrer Ankunft mindestens 16 Wochen alt sein. Da die Erstimpfung gegen Tollwut frühestens in der 12. Lebenswoche erfolgen darf und der Impfschutz erst vier Wochen später wirksam ist, ist eine Einreise vorher nicht zulässig. Außerdem sollten Hunde aus dem Ausland – abhängig vom Herkunftsland – auf dort häufig vorkommende Krankheiten, wie beispielsweise Mittelmeerkrankheiten, untersucht werden.
Das Spiel mit Emotionen
Vorsicht bei Tierschützern, die haufenweise grauenhafte Bilder von gequälten oder verletzten Tieren ins Netz stellen oder enormen Druck ausüben, ein Tier vor dem Tod zu retten. Nach dem Motto: “Heute noch bei Facebook, morgen schon tot.“ Hinter diesen Aktionen steht nicht unbedingt unseriöser Handel, sondern oft der verzweifelte Wunsch, zu helfen.
Doch gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Eine seriöse Vermittlung mit veterinärmedizinischer Betreuung und Abgleich von Interessen (Hund/zukünftiger Halter) ist bei dieser Art von “Rettung“ nicht immer gegeben. Denn was passiert, wenn der Hund ankommt und es nicht passt? Wohin dann mit dem Tier?
Um solche Szenarien zu vermeiden, gibt es eine Checkliste für die seriöse Auslandsvermittlung:
- Der Schutzvertrag sichert den Tierschutzverein und den neuen Besitzer ab. Darin wird festgehalten, dass der Hund jederzeit vom Verein zurückgenommen wird, aber auch, dass er nicht an Dritte weitergegeben werden darf.
- Die Schutzgebühr: Kastration, Impfung, Betreuung, die Behandlung kranker Tiere und auch der Transport kosten den Tierschutzverein Geld. Die Schutzgebühr deckt diese Kosten und im Idealfall fließt auch noch Geld zurück in die direkte Hilfe im Herkunftsland. Der Betrag der Schutzgebühr kann variieren. Bei Hunden sind Summen zwischen 300 und 500 Euro normal. Fällt die verlangte Schutzgebühr höher aus: nachfragen. Transparenz ist hier das Stichwort!
- Impfschutz: Jeder Hund braucht eine Grundimmunisierung vom Tierarzt, auch Auslandshunde, die nach Deutschland einreisen. Neben der vorgeschriebenen Tollwutimpfung zählen Impfungen gegen Zwingerhusten, Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Leptospirose dazu.
- Parasiten: Der Hund sollte vor der Vermittlung entfloht, entwurmt und auf Giardien getestet sein. Auch eine Untersuchung auf Herzwürmer ist sinnvoll.
- Chip: Jeder Hund muss mit einem Transponder gekennzeichnet werden, der mit einer Spritze beim Tierarzt unter die Haut gesetzt wird. Nur so lässt sich das einzelne Tier seinen Papieren zuordnen. Achtung: Bei einem Besitzerwechsel wird die Nummer nicht automatisch bei einem Haustierregister dem neuen Halter zugeordnet. Der neue Besitzer muss selbst für die Registrierung auf die neue Adresse sorgen, übrigens auch bei Umzug!
- Kastration… ist im seriösen Tierschutz das Mittel gegen ungewollte Vermehrung und gegen Ausbeutung durch Zucht. Aber: eine zu frühe Kastration kann Nachteile für die körperliche und mentale Entwicklung eines Tieres mit sich bringen.
- Einführung mit TRACES: Seriöse Tierschutzvereine importieren ihre Hunde mit TRACES-Papieren. TRACES ist eine einheitliche, europaweite Datenbank, mit der die Tiertransporte innerhalb der Europäischen Union und aus Drittländern verfolgt werden können. Die Informationen werden elektronisch an die Veterinärbehörden der jeweiligen Länder übermittelt. Heißt: Alle Transporte sind angemeldet, inklusive genauer Route und Zwischenstopps. Die Tiere werden vor der Ausreise aus dem Herkunftsland tierärztlich durchgecheckt und für reisetauglich befunden. Mit TRACES soll unseriösem Handel, tierschutzwidrigen Transportbedingungen, sowie der Einschleppung von Seuchen und Krankheiten entgegengewirkt werden.
- Vorkontrolle und Nachkontrolle: Verantwortungsvolle Tierschützer möchten nicht nur wissen, wo ihre Schützlinge landen, sondern auch, wie es ihnen nach der Vermittlung ergeht. Deshalb wird eine Vorkontrolle im neuen Zuhause gemacht. Je nachdem, wo der Verein ansässig ist, kann es vorkommen, dass Ehrenamtliche eines befreundeten Tierschutzvereins die Kontrollen übernehmen. Bei der Vorkontrolle sollte es hauptsächlich darum gehen, ob Hund und Halter zusammenpassen und ob die Umgebung und Haltungsbedingungen für den jeweiligen Hund geeignet sind. Bei der Nachkontrolle überzeugen sich die Tierschützer, ob die Vermittlung zur Zufriedenheit aller Beteiligten geklappt hat.
Seriöser Tierschutz im europäischen Ausland steht nicht in Konkurrenz zu deutschen Tierheimen. Viele Tierheime kooperieren mit Vereinen, die im Ausland helfen, um gemeinsam mehr bewegen zu können. Einen Hund oder eine Katze aus dem Ausland zu adoptieren, ist ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz – es bedeutet ein gerettetes Leben mehr.
Autorin: Katja Diepenbruck