- Sendehinweis: Hier und heute | 12. Juni 2026, 16.15 - 18.00 Uhr | WDR
Noch mal zurück in die Wohnung gehen und schauen, ob auch wirklich alles ausgeschaltet ist – das machten sehr viele Menschen, sagt Katharina Bey. Das sei in den meisten Fällen vollkommen normal.
„Unser Gehirn ist ja so ausgelegt, dass wir uns gerade an solche alltäglichen Routinen häufig nicht erinnern“, sagt Bey. Dass wir das noch einmal überprüfen, liegt an unserem Sicherheits- und Kontrollbedürfnis. Jeder Mensch hat das in unterschiedlicher Ausprägung.
Wo der Unterschied zur Zwangsstörung liegt: Den meisten Menschen reiche es, zu 90 Prozent sicher zu sein. „Jemand mit einer Zwangsstörung hingegen braucht die 200-prozentige Sicherheit“, sagt Katharina Bey. „Und er kann nicht einfach weitergehen, sondern muss zurückkehren und nachschauen.“
Nur eine Marotte oder doch schon eine Zwangsstörung
Hier und heute. 12.06.2026. 14:29 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028. WDR.
Was Betroffene tun können
Die gute Nachricht: „Wenn sich solche Zwänge noch nicht verfestigt haben, kann jeder selbst etwas dagegen tun“, sagt Katharina Bey. Mit der sogenannten Exposition. Bedeutet: „Der Zwangshandlung bewusst nicht nachgeben und das Unsicherheits-Gefühl versuchen auszuhalten“, sagt Bey. Und mit der Zeit lerne das Gehirn dann: „So schlimm ist es nicht.“
Sobald man aber merkt: „Man kommt dagegen nicht an und der Zwang nimmt immer mehr Raum ein, sollte man sich professionelle Hilfe suchen“, sagt Katharina Bey. Denn wenn sich solche Zwänge verfestigt haben, sei die Hürde meist sehr hoch, sich diesen Ängsten zu stellen. Das falle unter therapeutischer Begleitung leichter.
Aufgrund langer Wartelisten können Gruppentherapien oder Selbsthilfegruppen für Zwangsstörungen sinnvoll sein.
Leider seien die Wartelisten derzeit relativ lang. Eine Möglichkeit seien ambulante Gruppentherapien, wie es sie etwa in Bonn gibt. Man könne aber auch eine Einzeltherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten machen oder eine Selbsthilfe-Gruppe besuchen. Auf den Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen (DGZ) und der Selbsthilfe-Plattform „OCD Land“ findet man weitere Tipps, Angebote und Hilfe bei der Therapiesuche.