- Sendehinweis: Hier und heute | 1. Oktober 2025, 16.15 - 18.00 Uhr | WDR
Viele machten sich nicht bewusst, dass Zecken auch im Herbst noch ein Problem sind, sagt Dr. Cristiane Hintemann-Semrau. Vorsicht und Schutz sei wichtig. Denn: Zecken können ernsthafte Krankheiten übertragen – wie Borreliose und die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME.
Zecken im Herbst – Darauf sollten Sie achten
Hier und heute. 01.10.2025. 01:43:51 Std.. Verfügbar bis 01.10.2027. WDR.
Borreliose und FSME
Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung – die deutschlandweit von bestimmten Zecken übertragen wird. Schätzungsweise können fünf bis 35 Prozent der Zecken Borreliose übertragen. Symptome sind beispielsweise: Wanderröte, Kopf- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Leistungsverlust aber auch Taubheitsgefühle und sogar Lähmungen. Wird Borreliose nicht rechtzeitig erkannt, können die Beschwerden chronisch werden.
FSME hingegen ist eine Viruserkrankung, die zu einer Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und des Rückenmarks führen kann. Sie wird vor allem von Zecken in bestimmten Regionen übertragen. Das Risiko, sich damit zu infizieren ist geringer als bei der Borreliose: "Nur 0,5 bis sechs Prozent der Zecken tragen den FSME-Erreger in sich."
Wie Sie sich schützen können
Die gute Nachricht: Es gibt eine Impfung gegen FSME. Eine effektive Behandlung einer Infektion gibt es hingegen nicht. Umso wichtiger sei es, sich davor zu schützen, sagt Dr. Hintemann-Semrau.
Eine FSME Impfung kann sich lohnen.
Grundsätzlich empfehle sie daher jedem eine FSME-Impfung. Insbesondere aber Personen, die in Risikogebiete reisen – wie etwa nach Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen, aber auch Teile anderer Bundesländer wie etwa Solingen in NRW.
Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Wird eine Infektion rechtzeitig erkannt, lässt sich Borreliose jedoch gut mit Antibiotika und ohne bleibende Beschwerden behandeln, sagt Dr. Hintemann-Semrau.
Labore und Apotheken bieten an, Zecken nach dem Entfernen einzuschicken und auf mögliche Erreger zu untersuchen. Ein eindeutiger Nachweis Infektion sei damit aber nicht möglich.
Am besten sei es, sich gar nicht erst stechen lassen. Lange Kleidung schützt. Nach einem Aufenthalt in der Natur gilt außerdem: Den Körper gründlich absuchen. Und auch Insekten-Sprays, sogenannte Repellents, können helfen.
Sie wurden bereits gestochen?
Bei einem Stich, sollte die Zecke so schnell wie möglich entfernt werden, sagt Dr. Hintemann-Semrau. Denn je länger sie in der Haut bleibt, desto größer ist das Infektionsrisiko. "Für eine Übertragung der Borrelien auf den Mensch ist ein mehrstündiger Kontakt erforderlich", sagt Dr. Hintemann-Semrau. "FSME-Viren hingegen können unmittelbar übertragen werden."
Wer sich das zutraut, sollte die Zecke daher selbst herausziehen, sagt Dr. Hintemann-Semrau. Wichtig ist dabei, immer das komplette Tier rauszuziehen. Gut geht das etwa mit einer speziellen Zeckenkarte oder Zeckenzange oder einer Pinzette. Von Hausmitteln wie Klebstoff oder Öl rät sie dringend ab: "Das setzt die Tiere unter Stress, und damit steigt die Infektionsgefahr." Wer sich unsicher ist, kann die Zecke von einem Arzt entfernen lassen.
Danach sollte die Einstichstelle eine Zeit lang weiter beobachtet werden. Bildet sich ein roter Kreis darum, ist das ein relativ sicheres Zeichen für eine Borreliose-Infektion. Damit sollten Sie schnellstmöglich zum Arzt gehen. Das gilt auch, sobald sich Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber oder Abgeschlagenheit zeigen.