Lebens-und Rentenversicherung Symbolbild

Lebens- und Rentenversicherungen widerrufen

Stand:

Alte Lebens- und Rentenversicherungen sind meist finanziell unattraktiv, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW und erklärt, wie man sich Geld zurückholt.

Es könne sich lohnen, die alte Versicherung im Nachhinein zu widerrufen, anstatt sie zu kündigen oder weiterlaufen zu lassen, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Gute Chancen haben Kundinnen und Kunden vor allem bei Verträgen, die von Mitte der 90er Jahre bis 2007 abgeschlossen wurden. Mitunter geht das sogar noch dann, wenn diese bereits gekündigt wurden. Denn, so Opfermann: „Die Widerrufsbelehrung war in diesen Verträgen häufig nicht korrekt.

Mit der Folge: Kunden bekommen nicht nur das von ihnen angesparte Geld zurück. Die Versicherung muss ihnen zudem die erhobenen Gebühren und Provisionen erstatten. Und auch für die ihnen entgangenen Zinsen können Betroffene einen finanziellen Ausgleich verlangen.

Lebens- und Rentenversicherung widerrufen – so geht's

Hier und heute 28.05.2026 08:56 Min. Verfügbar bis 28.05.2028 WDR

Warum die Verbraucherzentrale vor Rückabwicklern warnt

Eine Person hält ein Sparschwein über aufgetürmte Euromünzen. Symbolbild: Geldanlage, Finanzbildung

Die Gewinnsumme bei Widerruf variiert je nach Vertrag.

Wieviel genau sich durch einen solchen Widerruf herausholen lässt, sei abhängig vom Vertrag und sehr unterschiedlich, sagt Opfermann. Häufig seien es mehrere tausend Euro mehr als bei einer Kündigung oder regulären Auszahlung. Fünfstellige Summen hingegen seien eher die Ausnahme.

Das Ganze ist allerdings auch kein Selbstläufer“, sagt Opfermann. „Hier kommen die Rückabwickler ins Spiel.“ Die nämlich versprächen das Rundum-sorglos-Paket: Den Vertrag zu prüfen, die Kunden durch den gesamten Prozess zu begleiten und am Ende sehr viel mehr Geld von der Versicherung herauszuholen als bei einer normalen Kündigung – mitunter sogar das Doppelte.

In den meisten Fällen laufe das Ganze dann aber so: Bei der Prüfung der Verträge kämen die Rückabwickler im Grunde immer zum Schluss: „Ein Widerspruch ist möglich und wirtschaftlich sinnvoll“, sagt Opfermann. Das sei aber nicht immer der Fall. Zudem ende die Sache häufig vor Gericht. In den meisten Fällen blieben die Betroffenen auf den Kosten für Gutachten und Rechtsbeistand sitzen und hatten am Ende weniger Geld als bei einer normalen Kündigung. 

Was Verbraucher tun können

Zunächst sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst machen: „Mit einem solchen Widerspruch gehen sie ein gewisses Risiko ein, am Ende die Anwalts- und Gerichtskosten zahlen zu müssen“, sagt Opfermann. „Meist gehen diese Verfahren durch mehrere Instanzen.

Finanzberatung

Wer sich für einen Widerruf entscheidet, sollte sich an Fachpersonal wenden.

Trotzdem kann dieser Schritt sinnvoll sein – je nachdem, um wieviel Geld es geht. Eine erste Einschätzung bieten etwa die Verbraucherzentralen an. Zum Beispiel, ob ein Widerruf tatsächlich möglich und wirtschaftlich sinnvoll wäre. Wie viel genau sich dadurch sparen lässt, sei hingegen eine extrem komplizierte Rechnung und etwas für einen spezialisierten Versicherungsmathematiker.

Sicher aber lässt sich sagen: Wer seine Lebens- oder Rentenversicherung widerrufen möchte, sollte sich professionelle Hilfe holen. Neben auf solche Fälle spezialisierten Anwälten gebe es auch seriöse Anbieter, sagt Opfermann. Achten sollte man dabei aber immer ganz genau auf deren Qualifikation, Erfahrung, Leistungen und Konditionen. Manchmal hätten Verbraucher auch Glück und die Versicherung bietet nach einem ersten Schreiben einen annehmbaren Vergleich an.