Glockenheide

Garten unterwegs: Heidekraut und Erika

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Gartenexpertin Anja Klein erklärt den Unterschied zwischen Heidekraut und Erika und hat tolle Pflegetipps für beides im Gepäck.

„Heide“ ist ein Sammelbegriff für kleine, immergrüne Sträucher aus der Familie der Heidekrautgewächse. Dazu gehören verschiedene Gattungen, vor allem Besenheide (Calluna vulgaris) und Eriken (Erica). Erika ist eine Gattung innerhalb der Heidekrautgewächse und Besenheide das „echte Heidekraut“. Sie unterscheiden sich unter anderem in Blütezeit und Blattform: Besenheide hat winzige, schuppenartige Blätter und blüht im Spätsommer, Erika besitzt nadelartige Blätter und blüht meist im Winter oder Frühjahr.

Echte Heide als Pollen- und Nektarlieferant

Blühendes Heidekraut in der Senne

Heidekraut in der Senne.

Die echte Heide, also die Besenheide, ist für Bienen und andere Bestäuber von großer Bedeutung, weil sie eine der letzten wichtigen Nektar- und Pollenquellen des Jahres bietet. Sie blüht von August bis Oktober, teilweise sogar bis Anfang November, wenn die meisten anderen Pflanzen bereits verblüht sind. Ihr Nektar ist reichhaltig und liefert den Bienen die notwendige Energie für die Bildung von Winterfutter, während auch Wildbienen und Hummeln von der späten Blüte profitieren. Darüber hinaus bietet die Besenheide Unterschlupf und Schutz für zahlreiche kleine Insekten und trägt so zur Artenvielfalt in Heide- und Naturlandschaften bei. Gehen Heideflächen zurück oder werden durch gefärbte Zierheiden ersetzt, fehlt den Insekten diese späte Nahrungsquelle, was ihre Überwinterung und die Honigproduktion erheblich beeinträchtigen kann. Die Besenheide sichert somit die Energieversorgung der Bienen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Insektenpopulationen in Mitteleuropa.

Besenheide (Calluna vulgaris)

Die Besenheide wächst als immergrüner, niedriger Strauch an bevorzugt sonnigen Standorten mit saurem, nährstoffarmem Boden. Ihre Blütezeit liegt zwischen August und Oktober. Sie ist robust, winterhart und pflegeleicht und eignet sich besonders für Heidegärten, Naturgärten und extensive Pflanzungen. Wildtypische oder ungefüllte Sorten bieten den größten ökologischen Nutzen.

Garten unterwegs: Heidekraut und Erika

Hier und heute 06.10.2025 06:18 Min. Verfügbar bis 06.10.2027 WDR

Knospenheide (Calluna vulgaris, knospenblütige Sorten)

Eine Rötlich-rosa farbene Besenheide. Das ist eine sehr seltene Pflanze.

Die Besenheide ist eine der vielen seltenen Pflanzen, die auf der Hochheide wachsen

Die Knospenheide ist eine Zuchtform der Besenheide. Ihre Blüten öffnen sich nicht vollständig und bleiben in einem knospenartigen Zustand. Dadurch wirken sie über einen sehr langen Zeitraum farbintensiv und behalten auch bei schlechtem Wetter ihr Aussehen. Sie haben botanisch zwar die gleiche Herkunft wie echtes Heidekraut, unterscheiden sich aber deutlich in Wuchs, Blüte und ökologischer Funktion. Da die Blüten geschlossen bleiben, bieten sie keinen oder nur schwer zugänglichen Nektar und sind für Insekten praktisch wertlos. Sie sind meist für kurzfristige Zierzwecke gezüchtet.

Winterheide oder Schneeheide (Erica carnea)

Die Winterheide blüht von Dezember bis April. Sie bleibt niedrig, ist immergrün und sehr pflegeleicht. Sie wächst gut auf sonnigen bis halbschattigen Standorten und ist kalktoleranter als Calluna. Aufgrund ihrer frühen Blütezeit ist sie besonders wertvoll für frühe Bestäuber wie Wildbienen und Hummeln.

Glockenheide oder Irische Heide (Daboecia cantabrica)

Die Glockenheide blüht von Juni bis September und bringt damit Farbe in den Garten, wenn andere Heiden noch nicht oder nicht mehr blühen. Sie bevorzugt sonnige, humose und leicht saure Böden. Die glockenförmigen Blüten sind groß und gut zugänglich für Insekten. Die Pflanze ist allerdings etwas empfindlicher und benötigt in raueren Lagen Winterschutz. Sie eignet sich gut für Rabatten, Beete oder Kübelbepflanzung.

Sommerheide (Erica tetralix)

Besenheide in einem Naturschutzgebiet in Remscheid

Besenheide in einem Naturschutzgebiet in Remscheid

Die Sommerheide ist eine weitere heimische Art, die in Mooren und feuchten Heideflächen wächst. Sie blüht von Juli bis September und bildet weiche, rosafarbene Blütenstände. Sie ist anspruchsvoller in Bezug auf den Standort, da sie feuchte und saure Böden benötigt, kann aber in naturnahen Gärten oder Feuchtbiotopen gut eingesetzt werden. Sie ist für Insekten wertvoll und trägt zur Artenvielfalt bei.

Heidekraut aus Zuchtformen und gefärbte Zierheide

Im Handel sind häufig auch stark gezüchtete Heidepflanzen erhältlich, die durch intensive Farben oder ungewöhnliche Blütenformen auffallen. Manche werden künstlich eingefärbt oder besprüht, andere sind Zuchtsorten mit besonders langen Blütezeiten. Sie behalten ihr Aussehen lange und benötigen wenig Pflege, bieten jedoch keinen ökologischen Nutzen und sind für Insekten ungeeignet.

Standort und Bodenbedürfnisse

Heide braucht einen sauren, nährstoffarmen Boden mit einem idealen pH-Wert zwischen 4 und 5. Der Boden sollte leicht sandig und gut durchlässig sein, damit keine Staunässe entsteht, da Heide sehr empfindlich auf zu viel Feuchtigkeit reagiert. Für Pflanzgefäße, Balkonkasten oder Kübel eignet sich spezielle Moorbeeterde oder Rhododendronerde, die oft mit Sand gemischt wird, um optimale Wachstumsbedingungen zu schaffen. Wichtig ist auch, dass der Standort möglichst sonnig bis halbschattig ist.

Beipflanzen für Heide im Balkonkasten

Die Vielfarbige Wolfsmilch verändert ihre Farbe von Leuchtend-Gelb bis Orangerot

Die Vielfarbige Wolfsmilch verändert ihre Farbe von Leuchtend-Gelb bis Orangerot

Heide lässt sich gut mit Gräsern, Wolfsmilch und Heuchera im Balkonkasten kombinieren. Gräser bringen Struktur und Schwung ins Beet. Wolfsmilch sorgt mit ihrer auffälligen Farbe für spannende Kontraste und ist robust. Heuchera (Purpurglöckchen) hat bunte, dekorative Blätter. Alle drei Beipflanzen bevorzugen durchlässigen, eher sauren Boden und ähnliche Lichtverhältnisse wie Heide.