- Sendehinweis: Hier und heute | 8. Dezember 2025, 16.15 - 18.00 Uhr | WDR
Vogel füttern – ja oder nein?
Richtig betrieben ist Vogelfütterung sowohl Hilfe als auch Naturerlebnis. Unter Vogelfreunden wird das Thema kontrovers diskutiert: Manche füttern, um Vögeln im Winter zu helfen, andere sehen darin keinen Sinn. Bundesdeutsche Vogelfreunde geben dafür jährlich 15–20 Millionen Euro aus.
Fütterung und Naturschutz sind jedoch nicht dasselbe. In Städten und Dörfern profitieren etwa 10–15 häufige Arten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Drosseln, deren Bestände stabil oder wachsend sind. Artenschutzmaßnahmen erreichen oft andere, gefährdete Arten – die Winterfütterung leistet hier nur einen kleinen Beitrag.
Dennoch hat Vogelfüttern seine Berechtigung: Es ermöglicht Naturerlebnisse aus nächster Nähe, weckt Interesse für Naturschutz und motiviert, Gärten vogelfreundlich zu gestalten. Wer beides verbindet, kann helfen und gleichzeitig die Natur genießen.
Vögel richtig füttern – das gehört nicht ins Futter
Wichtig: Als Futter grundsätzlich ungeeignet sind alle gewürzten und gesalzenen Speisen. Auch Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt.
Vögel lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Weichfutterfresser und Körnerfresser.
Weichfutterfresser suchen ihre Nahrung bevorzugt am Boden. Reine Weichfutterfresser sind Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel und Star. Sie fressen tierische Kost oder nur sehr feine Sämereien. Grobes Körnerfutter hilft ihnen nicht. Geeignet sind Haferflocken, Mohn, Kleie, Rosinen, Obst oder spezielle Mischfutter aus dem Zoofachgeschäft.
Körnerfresser sind zum Beispiel Finken, Sperlinge und Ammern. Sie besitzen einen kräftigen Schnabel und fressen Sonnenblumenkerne, Hanf und andere Sämereien aus Futtermischungen.
Vogelhäuschen aus Kokosnüssen
Hier und heute. 08.12.2025. 10:15 Min.. Verfügbar bis 08.12.2027. WDR.
Vögel auch im Sommer füttern?
Für Insektenfresser bieten sich lebende Mehlwürmer an.
Um Insektenfresser zu unterstützen, kann man Insektenfutter wie lebende Mehlwürmer anbieten. Diese sind im Vogelfutterfachhandel, in Zoogeschäften oder Anglerbedarfsläden erhältlich.
Im Sommer besteht an Futterplätzen allerdings ein erhöhtes Infektionsrisiko. Besonders das Grünfinkensterben, verursacht durch den einzelligen Parasiten "Trichomonas gallinae", breitet sich bei warmem Wetter schnell aus. Daher ist Hygiene am Futterplatz besonders wichtig: Sobald ein toter oder kranker Vogel beobachtet wird, sollte das Futter- und Wasserangebot für mehrere Wochen eingestellt werden.
Futter sollte zudem nur in sogenannten Silos angeboten werden, nicht in traditionellen Futterhäuschen, damit es nicht durch Kot verschmutzt wird.
Füttern in der Jungvogelzeit
Der NABU empfiehlt, zwischen April und Juli auf Sonnenblumenkerne, fetthaltiges Futter und getrocknete Insekten zu verzichten. Große Futterstücke können bei Nestlingen gesundheitliche Probleme oder sogar Todesfälle verursachen.
Erdnüsse und Erdnussbruch sollten nur in speziellen Gitternetz-Silos angeboten werden.
Erdnüsse und Erdnussbruch sollten nur in speziellen Gitternetz-Silos angeboten werden, aus denen die Vögel nur kleine Portionen entnehmen können. Fütterung in dieser Zeit sollte sich an der natürlichen Nahrung orientieren: Insekten und feine Sämereien.
Warum Vogelfutter selbst herstellen?
Handelsübliche Meisenknödel sind oft minderwertig von der Qualität.
Der wichtigste Grund: Man weiß genau, was im Futter enthalten ist. Handelsübliche Meisenknödel sind oft minderwertig verarbeitet und von schlechter Qualität. Je billiger das Futter, desto minderwertiger ist häufig auch das verwendete Fett. Zudem ist der Wasseranteil in günstigen Produkten meist zu hoch, wodurch die Knödel hart werden und von den Vögeln verschmäht werden. Ein weiterer Vorteil: Man kann beobachten, welche Futtervarianten die Vögel besonders gern annehmen.
Anleitung für winterliches Vogelfutter
Zutaten
- 1 kg Fett, am besten Rindertalg (Bio-Qualität). Alternativ Pflanzenfett, z. B. Kokosfett. Hinweis: Rindertalg gibt es auf Vorbestellung beim Metzger; am besten vorab durch den Fleischwolf drehen lassen. Das Fett sollte bei 10 Grad Außentemperatur vollständig aushärten können.
- Pflanzenöl, z. B. Rapsöl
- verschiedene Sämereien, vor allem Sonnenblumenkerne, dazu optional Erdnuss- und Haselnussbruch
- Hirse, Hanfsamen, Haferflocken, Leinsamen
- großer Topf und Kochlöffel
- Bindfaden oder Seil
- kleine Stöcke
- Gefäße nach Wahl: Tontöpfe, Tassen, Kokosnuss-Hälften, Backförmchen
Anleitung
Fett in einem Topf bei geringer Hitze vorsichtig schmelzen – nicht kochen! Wenn es flüssig ist, einen Schuss Pflanzenöl dazugeben, so bleibt die Masse nach dem Aushärten geschmeidig. Samen und Körner hinzugeben (etwa 1 kg auf 1 kg Fett) und gut umrühren. Abkühlen lassen, bis die Masse formbar ist.
Fertigstellung
Klassische Meisenknödel formen und den Faden direkt einarbeiten, oder die Masse in Töpfe, Tassen oder Förmchen füllen und glatt streichen. Für Sitzgelegenheiten kurze Stöcke, die weit in die Masse stecken und am Ende auf ca. 10 cm Länge kürzen. Bei den Formen ein Stöckchen als Platzhalter für den Faden einsetzen. Alles aushärten lassen und aufhängen.
Tipp: Um die Masse gut aus den Backformen zu bekommen, kann man die Form leicht mit einem Feuerzeug erhitzen. Dadurch wird das äußere Fett weich und die Futterfigur lässt sich einfach lösen.
Der geeignete Standort: Der Standort sollte schattig sein, damit sich das Futter an einem warmen Wintertag nicht erwärmt und herausfällt. Außer Reichweite von Katzen platzieren.