- Sendehinweis: ARD Story | 21. Juli 2026, 22.50 - 23.35 Uhr | Das Erste
Erst wenn der Strom fehlt, merken wir, wie abhängig wir von ihm sind: Das Licht erlischt, Fahrstühle bleiben stecken, Ampelausfall führt zum Verkehrschaos, schon nach wenigen Stunden funktioniert kein Handy mehr – die Kommunikation bricht zusammen. Es gibt kein Geld mehr am Automaten, auch Kartenzahlung funktioniert nicht mehr und an der Tankstelle kann kein Sprit mehr gezapft werden. Spätestens wenn die Kühlketten und die Wasserversorgung zusammenbrechen, merken wir: Ohne Strom funktioniert nichts in diesem Land. Das gilt auch für ländliche Regionen: Kein Landwirt kann hunderte Kühe von Hand melken, Hühner ersticken an den Ausdünstungen ihres eigenen Kots, wenn die Lüftungen in den Ställen ausfallen. Industriell betriebene Landwirtschaft ist unmöglich ohne Strom. Doch: Wie sicher ist unser Stromnetz?
Allein rund 38.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen durchziehen Deutschland und sorgen dafür, dass wir rund um die Uhr mit Strom versorgt sind. Bis hin zu den Verbrauchern führen weitere rund 1,5 Millionen Kilometer an Leitungen. Dieses Netz rund um die Uhr flächendeckend vor Anschlägen zu schützen ist unmöglich. Nur Redundanzen können es widerstandsfähig gegen Angriffe machen.
Im Krieg gegen die Ukraine ist die elektrische Versorgung ein Hauptziel russischer Angriffe. Auch wir in Deutschland müssen uns mehr Gedanken machen: Wie gut sind wir vorbereitet - in Zeiten hybrider Kriegsbedrohung, beständig ansteigender Cyber-Angriffe, vermehrter Drohnensichtungen über Anlagen der kritischen Infrastruktur?
Ein verhältnismäßig simpler Brandanschlag – und in 45.000 Haushalten in Berlin geht für Tage das Licht aus. Die Berliner mussten am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, vier Tage lang ohne Strom leben zu müssen. Aber sie bekamen Hilfe von außen. Doch je großflächiger und je länger andauernd ein Stromausfall ist, desto mehr Schwierigkeiten treten auf.
Sie kamen aus NRW nach Berlin, um mit Generatoren die Hauptstadt wieder mit Strom zu versorgen: Die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Ochtrup. Bei einem großflächigen Stromausfall – zum Beispiel in ganz Deutschland – hätte jeder das Problem vor der eigenen Haustür.
Bei einer Großübung, bei der ein deutschlandweiter Stromausfall simuliert wird, sind wir unterwegs mit Helfern von Feuerwehr, Polizei und Militär. Schnell zeigt sich: Hier läuft längst nicht alles rund im Krisenfall - und vielen fehlen Antworten auf sehr einfache Fragen. Und weil die Stromtrassen Europas zusammenhängen: Kann ein solcher Ausfall das gesamte europäische Netz aus dem Takt bringen?
Der Herzschlag unseres Stromnetzes ist die Frequenz von 50 Herz. Nur geringe Abweichungen können zu Abschaltungen führen. Damit das Netz stabil bleibt, wird es ständig überwacht – wie hier in der Netzleitwarte in Pulheim-Brauweiler des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.
Die ARD Story lässt Menschen aus Stromwirtschaft, Katastrophenschutz, Militär und Politik auf die Problematik blicken, Betroffene zu Wort kommen, die bei den langanhaltenden Stromausfällen etwa im Münsterland 2005 oder jüngst in Berlin mit dabei waren. Sie schaut auf die Gesetzeslage und das neue „Kritis-Dachgesetz“, das so genannte „kritische Infrastruktur“ besser schützen soll. Sie zeigt aber auch: Wir alle haben uns in vielen Jahren des Friedens daran gewöhnt, dass immer alles funktioniert. Oder - wie es ein Helfer formuliert: „Es schadet nicht, Kerzen für den Frieden anzuzünden. Aber sie sind auch nützlich bei Stromausfall. Das haben wir nur vergessen.“
Allein rund 38.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen durchziehen Deutschland und sorgen dafür, dass wir rund um die Uhr mit Strom versorgt sind. Bis hin zu den Verbrauchern führen weitere rund 1,5 Millionen Kilometer an Leitungen. Dieses Netz rund um die Uhr flächendeckend vor Anschlägen zu schützen ist unmöglich. Nur Redundanzen können es widerstandsfähig gegen Angriffe machen.
Ein Film von Marko Rösseler
Redaktion: Gudrun Wolter (WDR), Ute Beutler (RBB)
Dieser Film wurde im Jahr 2026 produziert. Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem damaligen Stand und wurden seitdem nicht aktualisiert.