Was tun gegen Einsamkeit?
Die Carolin Kebekus Show. 10.10.2025. 08:23 Min.. UT. DGS. AD. Verfügbar bis 10.10.2027. Das Erste.
Was tun gegen Einsamkeit? | #melddichmalwieder
Stand:
Einsamkeit hat viele Gründe und betrifft in unserer Gesellschaft alle Altersgruppen. Dass Menschen wieder mehr in den Austausch kommen, besingt Carolin Kebekus mit Unterstützung von Mark Forster und Peter Maffay.
Was ist Einsamkeit?
Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein. Während Alleinsein bewusst gewählt sein kann, beschreibt Einsamkeit ein belastendes Gefühl des Mangels an sozialen Bindungen. Es entsteht, wenn die tatsächlichen Beziehungen nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Dieses Gefühl kann sich in unterschiedlichen Formen zeigen:
- unsichtbar sein, keine Bindung spüren
- das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören
- keine Rückmeldung oder Anrufe von anderen erhalten
- warten, bis der Tag vorbeigeht
- körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Druck auf der Brust oder Konzentrationsprobleme
Einsamkeit wird in der wissenschaftlichen Literatur als das subjektive Empfinden einer Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlich vorhandenen sozialen Beziehungen definiert. Dieses unangenehme Gefühl entsteht, wenn die Qualität oder Quantität der sozialen Interaktionen nicht den persönlichen Erwartungen entspricht.
Einsamkeit
Quarks. 17.10.2024. 01:44 Min.. UT. Verfügbar bis 17.10.2029. WDR. Von Hans Heusterberg, Shajan Ramezanian.
Es ist wichtig, zwischen Einsamkeit und sozialer Isolation zu unterscheiden. Während soziale Isolation den objektiven Zustand beschreibt, wenige oder keine sozialen Kontakte zu haben, bezieht sich Einsamkeit auf das subjektive Gefühl des Alleinseins, das auch inmitten von Menschen auftreten kann. Die Forschung unterscheidet zudem verschiedene Formen der Einsamkeit:
- Emotionale Einsamkeit: Das Fehlen einer engen, intimen Beziehung, wie etwa zu einem Partner oder einem engen Freund.
- Soziale Einsamkeit: Das Fehlen eines größeren sozialen Netzwerks oder von Gemeinschaft, was zu Gefühlen der Isolation führen kann.
Einsamkeit kann erhebliche Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit haben. Chronische Einsamkeit wird mit einem erhöhten Risiko für Depressionen, Angststörungen und sogar körperlichen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen in Verbindung gebracht.
Es ist daher wichtig, Einsamkeit als ernstzunehmendes Phänomen zu erkennen und sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Strategien zu entwickeln, um Betroffene zu unterstützen und präventiv tätig zu werden.
Du bist betroffen?
Einsamkeit kann alle Menschen treffen – ob jung oder alt, in der Stadt oder auf dem Land. Sie kann sich langsam einschleichen oder plötzlich durch Lebensveränderungen eintreten. Wichtig ist: Du bist nicht allein!
Was du tun kannst
Es gibt Wege aus der Einsamkeit – auch wenn es schwerfällt, den ersten Schritt zu machen:
- Alte Kontakte wiederbeleben: Durchforste dein Adressbuch – gibt es Menschen, mit denen du wieder in Kontakt treten könnest?
- Neue Begegnungen wagen: Sportgruppen, Vereine oder ehrenamtliches Engagement bieten eine gute Möglichkeit, Menschen kennenzulernen.
- Digitale Helfer nutzen: Apps wie "Bumble for Friends", "Spontacts" oder "Meet5" helfen, Gleichgesinnte zu finden.
- Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen:
- "Silbernetz" in Berlin bietet Gespräche für ältere Menschen unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4 70 80 90.';
- "Telefonieren gegen Einsamkeit" der Malteser verbindet Dich mit Freiwilligen: 0391 50 67 69 10 oder per E-Mail an malteserruf.sachsen-anhalt@malteser.org;
- "Telefonseelsorge" hilft anonym und rund um die Uhr: 0800 1110111 oder 0800 1110222
- "Krisenchat" richtet sich vor allem an junge Menschen, die lieber chatten als sprechen: krisenchat.de
- "Kompetenznetz Einsamkeit" bietet eine Angebotslandkarte, die über 1.200 Projekte und Initiativen gegen Einsamkeit in Deutschland verzeichnet: kompetenznetz-einsamkeit.de ;
- "GemeinsamErleben" vernetzt Menschen mit ähnlichen Interessen für gemeinsame Aktivitäten: https://gemeinsamerleben.com/
Hürden abbauen
Viele Menschen zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manche erkennen ihre eigene Einsamkeit nicht, andere fürchten eine neue Enttäuschung. Kostenlose und niedrigschwellige Angebote sind besonders wichtig – informiere dich, welche Möglichkeiten es in deiner Nähe gibt!
Du willst aktiv werden?
Einsamkeit ist ein gesellschaftliches Problem – und jede und jeder kann helfen, sie zu bekämpfen! Schon kleine Gesten können für betroffene Menschen einen großen Unterschied machen.
Was Du tun kannst
- Zuhören und Gespräche suchen: Ob in der Nachbarschaft, im Café oder in der U-Bahn – zeige Offenheit und Interesse an anderen Menschen.
- Nachbarn einbeziehen: Wer lebt eigentlich in deinem Haus? Ein freundliches "Hallo" kann der erste Schritt sein.
- Initiative ergreifen: Frage alleinstehende Menschen in deinem Umfeld, ob sie Lust auf einen Spaziergang oder einen Kaffee haben.
- Ehrenamtlich engagieren: Hilf in Tierschutzvereinen, Seniorenzentren oder bei Telefonangeboten gegen Einsamkeit.
- Kleine Gesten zeigen große Wirkung: Lächle mehr – auf der Straße, im Supermarkt, beim Spaziergang; Verzichte auf Kopfhörer in öffentlichen Räumen und sei ansprechbar; Ermuntere dein Umfeld, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Bestehende Initiativen
- "Engagement macht stark!"-Kampagne: Diese bundesweite Initiative widmet sich 2025 dem Thema Einsamkeit und bietet zahlreiche Engagementmöglichkeiten: engagement-macht-stark.de
- Repair Cafés und Smartphone-Sprechstunden: Initiativen wie die Caritas-Konferenzen bieten intergenerationelle Begegnungen und Unterstützung im Alltag: 7gegeneinsamkeit.de
- Modellprojekte gegen Einsamkeit: Seit Oktober 2022 fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) über 70 Projekte im Rahmen des ESF Plus-Programms "Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation". Interessierte können sich hier einbringen: bmbfsfj.de
- Kuchenessen mit Nachbarn: Veranstalte ein Nachbarschaftstreffen und lade Menschen in deiner Umgebung ein.
- Gesprächsangebote machen: "Darf ich mich dazu setzen?" kann eine schöne Gelegenheit für ein ungezwungenes Gespräch sein.
- Nachbarschaftszettel: Hinterlasse eine Nachricht im Briefkasten – "Ich bin Ihr(e) Nachbar(in) aus der x. Etage. Falls Sie Hilfe brauchen oder Gesellschaft suchen, melden Sie sich gerne!"
- RETLA (rückwärts ALTER) ist eine Organisation, die sich für das Wohl und die gesellschaftliche Teilhabe von Senior:innen einsetzt.