MONITOR vom 05.03.2026 : Der Drohnen-Deal: Was taugen Deutschlands Hightech-Waffen?
Zeitenwende bei der Bundeswehr: In den nächsten Jahren fließen Hunderte Millionen Euro an zwei deutsche Hersteller von Kampfdrohnen. Doch an dem Deal gibt es Kritik. Ein Video aus der Ukraine, das MONITOR vorliegt, nährt Zweifel an der Qualität der Drohnen eines Herstellers. Und Abgeordnete kritisieren Minister Pistorius und sein Ministerium wegen fehlender Transparenz. Wie gut sind Deutschlands teure Hightech-Drohnen wirklich?
Von Julius Baumeister, Luc Oeppert
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Kommentieren [3]Georg Restle: "Und noch ein Krieg droht uns gerade aus dem Blick zu geraten. Auch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine fordert weiter täglich neue Opfer. Die Bilder, die uns diese Woche erreicht haben, zeigen, mit welcher Zerstörungswut die russische Armee den Krieg in die Wohn- und Schlafzimmer der ukrainischen Zivilbevölkerung treibt. Ein Krieg, gegen den sich die ukrainische Armee vor allem mit Kampfdrohnen verteidigt. Kampfdrohnen, die jetzt auch der Bundesverteidigungsminister dringend anschaffen will. Koste es, was es wolle und so schnell es geht. Dabei geht es um solche Kampfdrohnen deutscher Hersteller. Das Geschäft sollte jetzt schnell über die Bühne gebracht werden, auch wenn bisher niemand so richtig weiß, wie zuverlässig diese Drohnen tatsächlich funktionieren; nicht mal die Leute, die darüber im Bundestag zu entscheiden haben. Ein milliardenschwerer Blindflug sozusagen – auf Kosten des Steuerzahlers. Julius Baumeister und Luc Oeppert."
Berlin im Februar, der Bundestag am Morgen. Es geht um einen milliardenschweren Deal für die Bundeswehr, ein Prestigeprojekt für ihn – Minister Boris Pistorius. Er steht wie kein anderer für Deutschlands Aufrüstung: unbürokratisch, so schnell wie möglich, Eiltempo.
Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, 09.10.2025: "Wir lösen Bremsen und verbessern Rahmenbedingungen für die Industrie."
Rahmenbedingungen für die Zukunft mit Hightech-Waffen – Kampfdrohnen. Es ist die Waffe des 21. Jahrhunderts. Mit Sprengstoff beladen durchbrechen Drohnen Panzerwände. So werben auch die deutschen Drohnen-Hersteller Helsing und Stark. Sie sollen der Bundeswehr in den nächsten Jahren Tausende Drohnen liefern. Unabdingbar für die Truppe, heißt es. Aber es gibt Kritik.
Nico Lange, Sicherheitsexperte: "Haben die einen Plan? Oder werden da jetzt einfach wild Dinge gekauft, die man schon immer auf der Liste hatte?"
Wild Dinge kaufen. Wer kontrolliert den Deal? Was sind die Drohnen wert? Und vor allem – wie gut funktionieren sie? Münchner Sicherheitskonferenz. Hier treffen sich die Beteiligten der Zeitenwende.
Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung: (Übersetzung MONITOR) "Die Freiheit wird weltweit angegriffen."
Für Deutschlands Aufrüstung hat der Minister sehr viel Geld dabei: 108 Milliarden Euro sollen allein in diesem Jahr in die deutsche Verteidigung gehen – auch an die Rüstungsindustrie. Und auch die ist hier: Drinnen sitzt der Stark-Chef auf einer Bühne mit dem ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr. Draußen wirbt Helsing mit prominent platzierter Werbung – verspricht Zuverlässigkeit. Doch abseits der Bühnen kursiert ein Video, es wird auch uns zugespielt. Harte Kritik aus der Ukraine.
Video (Übersetzung MONITOR): "Liebe europäische Gemeinschaft, mein Name ist Markian Yatsiniak."
Der Vize-Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheit 413. Er spricht über den deutschen Drohnenhersteller Stark und darüber, dass dessen Kamikaze-Drohnen beim Kampf gegen den russischen Aggressor bisher wenig hilfreich gewesen seien.
Video (Übersetzung MONITOR): "Die anderen beiden hatten Probleme mit der Software oder der Kamera, die einfach abgefallen ist."
Mangelhafte Technik? Überrascht äußert er sich auch über den Preis, den die Bundeswehr bezahlen soll.
Video (Übersetzung MONITOR): "Interessant ist der Preis, der offenbar bei 100.000,- Euro pro verschossener Drohne. Das erscheint uns völlig unangemessen."
Kann das sein? Eine angeblich fehlerhafte Drohne für 100.000,- Euro? Das wollen wir vom Hersteller Stark selbst wissen. Schriftlich heißt es, das Video enthalte technisch falsche Behauptungen, man sei überrascht und besorgt, könne die Kritik nicht nachvollziehen. Aber die Kritik aus dem Video fügt sich in ein Bild. Seit Monaten kursieren Berichte über technische Probleme in Medien – über Stark, aber auch über den Mitbewerber Helsing. Was sagen die Unternehmen dazu? Die Drohnen seien zuverlässig und einsatzfähig, heißt es uns gegenüber. Auch die Bundeswehr habe das getestet. Helsing würde einer Veröffentlichung der Ergebnisse zustimmen. Doch das Ministerium lehnt unsere Anfrage ab. Eine Veröffentlichung sei aus
Zitat: " (...) Gründen der militärischen Sicherheit nicht vorgesehen."
Nico Lange war selbst Soldat, hat im Verteidigungsministerium später für die CDU gearbeitet. Was weiß er über den Milliarden-Deal mit den Hightech-Waffen?
Reporter: "Wovon gehen Sie denn aus? Funktionieren die Drohnen oder nicht?"
Nico Lange, Sicherheitsexperte: "Also nicht alles, was auf PowerPoint-Präsentationen zu sehen ist, hat funktioniert. Ich habe Lagerhäuser voll gesehen. Mit westlicher Technik in der Ukraine, die die Ukrainer nicht einsetzen können und von denen sie sagen, das taugt nichts."
Westliche Technik, die nichts taugt? Gilt das auch für die Drohnen? Das wollen wir genauer wissen und suchen Kontakt zu Einheiten an der ukrainischen Front. Hier kämpfen Ukrainer mit Kamikaze-Drohnen – Tag und Nacht. Niemand sonst weiß so viel über diese neuartigen Waffen – und über ihre Zuverlässigkeit. Wir erreichen tatsächlich Soldaten der Einheit, die das Video produziert hat.
Soldat (Übersetzung MONITOR): "Man, I think is for you it will be better to write for Page of Raid Account."
Wir schreiben also ihrem Kommandeur. Er bestätigt uns gegenüber das Video – und auch, dass die Einheit Stark-Drohnen getestet habe. Zu weiteren Details äußern sich weder er noch das ukrainische Verteidigungsministerium.
Zurück in Berlin. Beunruhigt das auch die Parlamentarier, die den Deal im Bundestag kontrollieren sollen? Ulrich Thoden ist Obmann der Linken im Verteidigungsausschuss. Wurden wenigstens dessen Mitglieder ausreichend informiert?
Ulrich Thoden, Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages: "Also wir sind unvollständig informiert. Die Testergebnisse als solche im Einzelnen liegen mir nicht vor. Das kann ich von daher nicht kommentieren, weil ich es nicht weiß. Ich persönlich habe da noch deutliche Fragen an die Leistungsfähigkeit der zu beschaffenden Drohnen."
Kritik auch von Abgeordneten, die über Milliarden entscheiden sollen.
Sebastian Schäfer (Grüne), Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages: "Es gibt da viele Hinweise aus der Ukraine, die uns natürlich auch über die mangelnde Funktionsfähigkeit der Systeme berichten. (...) Das sind erhebliche Summen, mit denen wir es hier zu tun haben. Insofern halten wir es für notwendig, dass diese Fragen einfach auch ohne jeden Zweifel geklärt werden."
Zweifel, die für Pistorius und sein Ministerium offenbar keine große Rolle spielen. Wir bekommen die Vorlage der Milliarden-Verträge. Der erste Auftrag bringt jedem Unternehmen knapp 270 Millionen Euro. Geplant war ein Gesamtvolumen von 4,3 Milliarden für die Hersteller. Aber was ist mit den Stückpreisen, den 100.000,- Euro, von denen der Kommandeur im Video sprach? Wir schauen noch einmal in die Vertragsunterlagen. An diesen entscheidenden Stellen sind sie vom Ministerium geschwärzt. Und auch Stark äußert sich dazu nicht. Nach unseren Recherchen kostet Starks Drohne rund 92.000,- Euro – mehr als doppelt so viel wie die von Konkurrent Helsing. Und die verkaufen ihre Drohne an die Ukraine für weniger als die Hälfte des deutschen Preises. Das könne man nicht vergleichen, heißt es auf Nachfrage. Die Drohne werde
Zitat: "auf die Vorgaben des jeweiligen Kunden angepasst”.
Nico Lange, Sicherheitsexperte: "Das ist ja das beschriebene System der militärischen Planung und Beschaffung, wo man an Dinge noch lauter Spiralen dran macht und Goldränder draufklebt und sagt, das kann man noch, das kann man noch. Und die Industrie sagt ja. Und das Ergebnis ist: Es wird viel teurer und dauert länger."
Teurer als nötig? Es ist jedenfalls ein Deal unter Bekannten. Zum Beispiel Uwe Horstmann, der Chef von Stark – ausgerechnet er beriet zuletzt als Sachverständiger für Beschaffung das Verteidigungsministerium. Und Starks Cheflobbyist Johannes Arlt war zuvor Abgeordneter der SPD im Bundestag. Und auch bei Helsing sind die Drähte eng. Der Chef Gundbert Scherf arbeitete jahrelang für das Verteidigungsministerium. Gute Netzwerke, hohe Preise? Sogar Parteifreunden von Pistorius war der Preis zu hoch:
Andreas Schwarz (SPD), Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages: "Und ich glaube, das ist auch im Sinne des Steuerzahlers, weil wir über diesen Weg versuchen, auch der im Rüstungsbereich amtierenden Inflation begegnen zu können."
Reporter: "Der amtierenden Inflation?"
Andreas Schwarz (SPD), Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages: "Ja, (...) im Moment haben wir halt an vielen Stellen schon sehr hohe Preise."
Am Ende kürzt der Haushaltsausschuss Pistorius’ Pläne, doch die Hersteller sollen jeweils bis zu einer Milliarde bekommen – erstmal; weitere Deals nicht ausgeschlossen. Was bleibt, Milliarden für einen Drohnen-Deal, von dem uns heute noch niemand sagen kann, wem er am Ende wirklich nützt.
Georg Restle: "Ein Milliardendeal, gute Geschäfte – in Zeiten des Krieges."
Stand: 06.03.2026, 15:00 Uhr
3 Kommentare
Kommentar 3: Matthias Huels schreibt am 05.03.2026, 22:17 Uhr :
Irgendwie hinterlässt der Beitrag einen faden Geschmack. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten scheint diese Drone nun aber erfolgreich in der Ukraine eingesetzt zu werden, wie Artikeln z.B. in der Welt zu entnehmen ist. Der Beitrag scheint damit veraltet und und nur deswegen gesendet um unbedingt Kritik an an der Strategie des Verteidigungsministeriums äussern zu können. Das ist wirklich billig, aber nicht überraschend für Monitor mit diesem Moderator. Mehr Objektivität täte der Sendung gut
Kommentar 2: Friedemann Schaal schreibt am 05.03.2026, 20:53 Uhr :
Wenn vereinzelt neueres, wie hier Drohnen einer Firma, wenig taugen sollte, dann braucht dies nicht zu wundern, denn die Entwicklung gerade dieser Waffen überholt sich schneller, als das zuständige BA auf den Toiletten die WC-PapierRollen erneuert und dt. Erfahrung... sich diesbzgl. erst entwickelt. Als Führende auf diesem Gebiet könnten die Ukrainer natürlich auch anspruchsvolleres gewohnt sein, doch alles ist möglich bis hin zu im Abschöpfen angetretenen KriegsGewinnlern. Bisher war aber, soweit ich mich erinnere, die Ukraine voll des Lobes bzgl. der dt. LuftAbwehrWaffen, Panzer..., wobei z.B. die IRIS-T sogar eine GrößenOrdnung günstiger ist als die Patriot und HightechUS-Produkte (wie schon früher bei 1&1, PC und HAF kommentiert) gegen deren Waffen gerichtet plötzlich mehrfach vorbeischießen (vgl. Vorfall Fregatte Hessen am 25.02.2024 mit 2 SM2-AbfangRaketen auf eine umkreisende US-Drohne MQ-9 Reaper. Derart teures und lange entwickeltes sollte aber problemlos funktionieren!)
Kommentar 1: Gert Spötter schreibt am 05.03.2026, 19:21 Uhr :
Was sagen denn z.B. die Kirchen dazu ? Ich meine "Frieden schaffen ohne Waffen", "Schwerter zu Pflugscharen" oder "Soldaten sind Mörder" waren doch klare Aussagen, diese Aussagen zeugten von Haltung, der richtigen Haltung und wurden von weiten Teilen der Zivilgesellschaft und vom Steuerzahler unterstützt. Und jetzt geht es um die Qualität von Drohnen ? Qualität beim töten ? Das liest sich doch sehr "rächtz". Müßte man da nicht demonstrieren ? Antifa ? Linke ? Grüne ? Jusos ? Omas ? Der "Herbert" ? Was ist los ? Ab, auf die Straße, nie wieder ist jetzt usw., usw..