MONITOR vom 05.02.2026 : AfD in Baden-Württemberg: Rechtsextreme Krisengewinnler?
Die AfD präsentiert sich als vermeintlicher Retter in der Krise – besonders in Baden-Württemberg, dem Herzen der deutschen Automobilindustrie. Während Autohersteller und Zulieferer Stellen abbauen, legt die AfD in den Umfragen zu. Dabei würden die Pläne der extremen Rechten wohl weder der Industrie noch ihren Angestellten helfen.
Von Lutz Polanz, Greta Stangner, Mariia Kalus, Julia Regis
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Kommentieren [13]Georg Restle: "Wenn wir über Faschismus in den USA sprechen, dann müssen wir auch über Trumps Bündnisgenossen hier in Deutschland reden. Insbesondere über diesen Mann hier, Markus Frohnmaier, Spitzenkandidat der AfD Baden-Württemberg für die Landtagswahlen im März. Wie kaum ein anderer stellt er sich immer wieder hinter Trumps Bewegung; zuletzt bei einem Gala-Dinner der stramm rechten jungen Republikaner in New York, wo er sogar einen Preis bekommen hat.
Markus Frohnmaier, Landesvorsitzender Baden-Württemberg (Übersetzung MONITOR): "Lasst diesen Preis zu einem Signal werden an die Globalisten in Berlin, Brüssel und Washington. Die Tage, an denen wir uns für unser Erbe entschuldigt haben, sind vorbei."
"Globalisten", das ist ein beliebter Kampfbegriff rechtsextremer Kreise für eine angebliche internationale Weltverschwörung. Auch das erinnert an dunkle Zeiten. In Baden-Württemberg geben sich Frohnmaier und die AfD dagegen bewusst bodenständig. Mit einem Wahlkampf, der ganz auf die Krise der Automobilindustrie setzt und auf die Ängste der Menschen vor Jobverlust und sozialem Abstieg. Mit Slogans, als seien sie direkt von Donald Trump kopiert. Lutz Polanz, Greta Stangner und Mariia Kalus."
Ende letzten Jahres in Bühl in Baden-Württemberg. Die Angst um ihre Jobs, ihre Zukunft bringt an diesem Abend rund 2.000 Menschen auf die Straße. Der größte Arbeitgeber im Ort hat einen massiven Stellenabbau angekündigt. Hier produziert der weltweit größte Autozulieferer Bosch – allein in diesem Werk soll es 1.550 Beschäftigte treffen. Und in der Stadt macht sich Angst breit. Tanja Braun arbeitet seit 36 Jahren für Bosch in der Qualitätssicherung und Messtechnik.
Tanja Braun: "Jeder Zweite – wird gemunkelt – soll gehen. Also nach den Zahlen stehst du zusammen in einer Gruppe, überlegst du, ist das der Zweite oder bin ich der Zweite? Es ist schwierig, es macht Angst."
Die Ankündigung von Bosch kommt wenige Monate vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Große Hoffnungen auf die Politik setzen hier nicht mehr viele. Und vereinzelt hören wir auch solche Stimmen.
Mann: "Ich würde mir wünschen, dass es eine Politikänderung gibt, aber ich denke mal, durch die Brandmauer wird es da zu nix kommen."
Reporter: "Sie meinen, dass die AfD da Lösungen hätte?"
Mann: "Vielleicht müsste man mal zusammen versuchen, mit denen eine Lösung zu finden."
Eine "Lösung?" Für die AfD ist die Krise DER Wahlkampfmotor.
Markus Frohnmaier, Landesvorsitzender Baden-Württemberg, 23.11.2025: "Man kann morgens nicht mehr die Zeitung aufschlagen, ohne dass man sieht, dass dieser Standort Baden-Württemberg immer weiter den Bach runter geht."
Aber nicht nur der Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, auch die Parteichefs zeichnen ein bedrohliches Bild.
Alice Weidel, 14.05.2025: "Sie machen weiter mit der Zerstörung der deutschen Automobilindustrie."
Tino Chrupalla 26.11.2025: "Also, wenn Sie so weitermachen, haben wir nämlich überhaupt keine Betriebe mehr, die noch Betriebsrenten überhaupt zahlen können."
Alice Weidel 06.10.2025: "Das ist keine Rezession, das sind Vorboten des Zusammenbruchs."
"Zusammenbruch"; wie die AfD die Krise für sich ausnutzt, sei kaum überraschend, sagt die Sozialpsychologin Beate Küpper.
Prof. Beate Küpper, Sozialpsychologin, Hochschule Niederrhein: "Die AfD lebt von Unzufriedenheit und sie lebt vom Erzeugen von Bedrohungen und dem Gefühl von: es wird alles schlechter. Davon ernährt sie sich, deswegen hat sie keine progressiven Angebote, weil das im Grunde genommen ihre Marketingstrategie kaputt machen würde."
Die Krise der Automobilindustrie allerdings ist real, die Gründe dafür sind vielfältig. Ein E-Auto-Boom aus China, deutsche Hersteller, die noch immer auf große und teure Verbrenner setzen, Trumps Zölle und vor allem ein massiver Einbruch bei der Nachfrage im In- und Ausland. Die AfD aber hat dafür vor allem eine Lösung: Klimaschutzpolitik zurückdrehen und …
Andreas Bleck AfD 25.11.2025: "Das Verbrennerverbot abschaffen."
Alice Weidel 25.10.2025: "Wir wollen Verbrenner-Motoren fahren und man sollte Verbrenner-Motoren noch bauen dürfen."
Dabei würde die Abkehr vom Verbrenner-Aus hier in Bühl alles eher noch schlimmer machen. Denn hier sei die Transformation zur E-Mobilität eigentlich geglückt, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Im Werk werden Elektroantriebe gefertigt.
Francesco Tramonti, Betriebsratsvorsitzender Bosch Bühl: "Unser Standort hat im Prinzip die Transformation überstanden, also wir liefern Produkte für die Elektromobilität. Und wir müssen auch mit den Streitigkeiten aufhören über den Verbrenner – ja, nein – die Technologie geht nun mal in die Richtung Elektromobilität und wir müssen diese Richtung auch mitgestalten."
Doch viele wollen eben in die andere Richtung – zurück in eine Welt, die noch fossil und einfach war.
Prof. Beate Küpper, Sozialpsychologin, Hochschule Niederrhein: "Das, was die AfD anbietet, ist ja so ein nostalgischer Blick in eine Vergangenheit, die scheinbar so rosig war und mit dem Versprechen, wir können einfach so machen wie bisher. Und dann ist alles sicher. Und das gilt immer für Krisenzeiten. Wir neigen dann dazu, die Schotten dicht zu machen und uns in auch – ich sag mal – Verklärungen zu flüchten und Hoffnungen zu flüchten, wo eigentlich viele Menschen wissen, das können wir nicht so weitermachen, wie wir es bisher gemacht haben."
Wahlanalysen zeigen, in Industriehochburgen konnte die AfD bei der Bundestagswahl deutlich zulegen. Je mehr Menschen in einem Wahlkreis im produzierenden Gewerbe arbeiten, desto stärker war der Zuwachs der AfD. Das gilt auch in Baden-Württemberg, zum Beispiel in Rastatt. Hier hat bei der Bundestagswahl 2025 jeder Dritte AfD gewählt – Rastatt lebt vom Auto: Allein rund 6.000 Menschen arbeiten hier für Mercedes und Daimler Truck. Dazu kommen Autozulieferer, wie etwa die Firma Grammer. Doch die Zulieferer verlagern ihre Produktion immer öfter ins Ausland. Die Angst ist spürbar: Niemand will hier mit uns reden. Wir hören uns stattdessen auf dem Wochenmarkt um. Wie sehr die Krise die Stimmung in der Stadt und auch den Blick auf die AfD prägt, merkt man auch hier.
Mann: "Die Leute sind viel pessimistischer geworden. Also wenn man so hört, was sie vorm Stand reden. Ja, aber schon kein so großes Vertrauen mehr."
Mann: "Wenn halt der der Frust da ist und sich nicht ändert – kann ich es – eigentlich kann ich es nicht nachvollziehen, wo man die AfD wählt, aber irgendwo so ein bisschen dann schon die Beweggründe hinten dran verstehen."
Die AfD als Alternative? Obwohl die Partei immer wieder ganz offen Rechtsextremismus und Rassismus zeigt? Spielt das bei der Wahlentscheidung keine Rolle?
Prof. Beate Küpper, Sozialpsychologin, Hochschule Niederrhein: "In Zeiten von Krisen neigen wir als Menschen dazu, uns zusammenzuschließen und dann den Feind außen zu suchen. Auch als Sündenbock für die Misere. Diejenigen, die sich vorstellen können, der AfD ihre Stimme zu geben, teilen zu einem Viertel bis zu einem Drittel tatsächlich selber ausgesprochen rassistische und fremdenfeindliche Einstellung. Zu Kommt noch so ein Graubereich, und damit unterscheiden sie sich deutlich von den Wähler:innen anderer Parteien."
Sündenböcke für die Krise, Migranten, sozial Benachteiligte. Das spürt man auch hier. Im Diakonieladen in Rastatt können Menschen gebrauchte Sachen kaufen. Die Diakonie bietet aber auch Schuldnerberatungen an, unterstützt psychisch erkrankte Menschen. Das alles stehe jetzt auf der Kippe, fürchtet Geschäftsführer Sven Reutner. Das habe mit der Krise zu tun, aber auch mit dem Erfolg der AfD hier in Rastatt.
Sven Reutner, Geschäftsführer Diakonie Baden-Baden und Rastatt: "Wir merken es in den Sozialausschüssen, in den Jugendhilfeausschüssen, aber auch im Gemeinderat immer mehr, dass die, die der Ton ein anderer wird. Ja, es wird immer genau hinterfragt, warum diese Gruppe jetzt eine Unterstützung braucht. Es wird wieder so salonfähiger, gegen bestimmte Gruppen auch ein Stück weit zu wettern."
Verteilungskämpfe! Randgruppen, Migranten werden zur Zielscheibe. Was wir aber auch erlebt haben, die Mehrheit der Menschen hier will genau das nicht. Auch weil es der Industrie und ihren Beschäftigten wohl kaum helfen würde.
Stand: 05.02.2026, 22:15 Uhr
13 Kommentare
Kommentar 13: Uwe schreibt am 21.02.2026, 12:49 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)
Kommentar 12: Berta schreibt am 21.02.2026, 12:24 Uhr :
Nun steigert sich der Wahlkampf wegen der anstehenden Landtagswahlen. Kanzler Merz betont wieder einmal dass er keine Politik auf Seite der AfD will. Er will eine Politik der Mitte, sagt er. Denkwürdig, diese Aussage denn die AfD steht im Wechsel mit der „Mitte-Partei“ Union. Unsere Bevölkerung erkennt also die AfD auch als eine Partei der Mitte an. Betreff Außenpolitik, welche ja fast ausschließlich nur noch kriegsbezogen ist scheint er von seinen Beratern empfohlen zu haben nicht zu laut aufzutreten weil eine Mehrheit in Deutschland nicht hinter der Kriegspolitik der EU-Führung und der Bundesregierung steht. Selbstverständlich kommt es auf die Frage an welche der Bevölkerung gestellt wird. Ich denke dass einhundert Prozent der Bevölkerung ihr eigenes Leben, das Leben der Kinder nicht für den Kriegswillen der „Koalition der Willigen“ im Krieg opfern will. Wir brauchen ehe die Regierung uns in Krieg schickt per Volksentscheid Fragen beantwortet ob wir im Volk real kriegswillig sind.
Kommentar 11: I schreibt am 06.02.2026, 22:28 Uhr :
Früher in den sechziger gab es einen bekannten Schlager in dem alles Schlechte der SPD zugeschoben wurde, selbst das Wetter. Heute ist an allem Schlechten scheinbar, aber deutlich in Medien beschrieben die AfD schuld, irre!
Kommentar 10: P. schreibt am 06.02.2026, 19:48 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)
Kommentar 9: InBayern schreibt am 06.02.2026, 09:16 Uhr :
Kann man bitte mal eindrücklich darauf hinweisen, dass die AfD genau zu diesen "Globalisten", allen voran die Tecs aus California (die tatsächlichen Globalisten), die Milliardengeschäfte weltweit machen ohne entsprechend Streuen zu bezahlen, die die Welt unter sich aufteilen wollen, reist? Was macht eine deutscher Regional-Politiker in den USA, wenn er sein Land "great again" machen möchte, bei einer Veranstaltung, die ebenso das eigene Land "great again" machen möchte und dies auch mittels Zöllen und Dollar-Abwertung (damit Verteuerung Importe) tut? Was macht er bei den Menschen, die die EU zerstören wollen? Die fortlaufend Deutschland und andere Nato-Partner beleidigen? Und vor allem "...great again": Die USA wollen ja nicht in Deutschland investieren, sondern sie wollen, dass Arbeitsplätze in den USA entstehen? Also, was will er da?
Kommentar 8: Haupts schreibt am 06.02.2026, 09:13 Uhr :
Hunderttausende verlieren Arbeit und Einkommen, Steuereinnahmen brechen ein und all das mit sehr traurigen Folgen für die Betroffenen aber die Hauptsorge von Monitor ist das die Rechten profitieren ?
Kommentar 7: Joachim Freimuth schreibt am 05.02.2026, 22:48 Uhr :
Ihre Sendungen tragen sehr viel zum Niedergang der deutschen Autoindustrie und damit zum Erfolg der AfD bei. Ich habe heute wieder mal herausgehört, dass man am „fossilen Verbrenner“ festhalten will. Es wäre völlig richtig, wenn man - so bald wie möglich - fossile Brennstoffe verbieten würde, aber nach meiner Meinung ist es hirnrissiger Schwachsinn, dass man Verbrennungsmotoren und konventionelle Heizungen verbieten will. Für beide gibt es klimaneutrale Alternativen: E-Fuel und synthetisches Methan. Wenn die sich nicht durchsetzen können, weil sie zu teuer und nicht ausreichend verfügbar sein werden, dann kommt das halt so. Aber beides sollte man den Wissenschaftlern, den Ingenieuren und dem Markt überlassen. Journalisten sollten sich schlau machen, wirklich neutral berichten und nicht die inkompetenten Träumer unterstützen.
Kommentar 6: Aga Bellwald schreibt am 05.02.2026, 22:34 Uhr :
Unglaublich, wie sich die Blaubraunen überall wie ein Gift ausbreiten und so tun, als ob nur sie die Probleme im Land lösen könnten. Und ja, die Mitte ist immer der Steigbügelhalter der Faschist*innen, egal, wo auf der Welt. Diese scheint nichts aus der Geschichte gelernt zu haben. Hoffe, BaWü kriegt doch noch die Kurve und wendet die Wahl der FckAfd ab.
Antwort von Haupts , geschrieben am 06.02.2026, 09:17 Uhr :
Offensichtlich gefällt Ihnen nicht das in einer Demokratie vor dem Gesetz alle Bürger gleich sein sollten und das der mündige Bürger selbst entscheidet wie er sich informiert, was seine Interessen sind und wen er wählt.
Antwort von Sergej , geschrieben am 07.02.2026, 17:49 Uhr :
Natürlich „vertraut“ man in den gebrauchten Bundesländern den Altparteien. „Wir schaffen das“ hieß es mal. Ich spüre davon jedenfalls nichts. FckCDU, FckSPD und erst recht FckGrüne!
Kommentar 5: Wie immer schreibt am 05.02.2026, 22:03 Uhr :
Ein typischer Restle, vorbei an der Realität.
Kommentar 4: Brigitte Schtuss schreibt am 05.02.2026, 20:08 Uhr :
Würden nicht helfen ? Und wenn doch ?
Kommentar 3: Armin schreibt am 05.02.2026, 19:12 Uhr :
Es sollte erwähnt werden warum KfZ-Hersteller in Deutschland Fabriken schließen, Mitarbeiter entlassen oder ins Ausland abwandern. Hier wird mit anderen Wirten wieder die AfD als Verursacher beschrieben. Doch wer trägt die wahre Verantwortung? Es ist die über viele Jahre vorrangig ideologisch links-grün-68er orientierte Politik welche die Wirtschaftskraft, somit auch das soziale Gefüge unseres Deutschland zerstört. Abschaltung von Atomkraftwerke, Sanktionen gegen Russland, Importverbot von russischem Erdas, Import von überdurchschnittlich teurem US-Frackinggas, die aus ideologischen Gründen zwanghafte Umstellung der Autos auf Akku-Autos (derer Akkus umweltschädlich sind). Die östliche Ausweitung westlicher Interessens-Sphäre auf frühere Ostblock- Sowjetländer. Das Einmischen in innere Angelegenheiten östlicher Länder einschließlich Unterstützung der ukrainischen Kriegsführung. Das nicht beenden wollen des Krieges zwischen Russland - Ukraine durch Stopp von Krieg-Unterstützung.
Antwort von InBay , geschrieben am 06.02.2026, 09:36 Uhr :
Ursache und Wirkung : - Automobilbrachne hält zu lange am Verbrenner fest, wird von Musk und China eingeholt, denn der Käufer entscheidet den Markt! - Chinesen kaufen lieber billige E-Autos mit Spielekonsole als teuere Benziner? - Chinesen bauen lieber Solarparks und Windkraftwerke (größtes installiertes Volumen). - Russland beginnt einen Krieg, der dazu führt, dass wir kein Gas mehr dort kaufen? Nein, das nennt man Sanktionen! Friedliche Maßnahme gegen Kriege.... Putin ist so mächtig, dass er sowohl einen Krieg sofort stoppen als auch beginnen kann. Wir haben seit 1945 keinen Krieg mehr begonnen und stehen so blank da, weil wir nur verteidigen würden. Und da haben wir auf Putin vertraut, dass das nicht mehr nötig ist, sonst könnten wir das auch... Wir sind keine Bedrohung im militärischen Sinne, für niemanden!