Sandra Maischberger und die Gäste der Sendung im Studio

Faktencheck zu "maischberger" vom 10.06.2026

Von Tim Berressem

Ingo Zamperoni äußerte sich in der Sendung zur politischen Dimension der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika. Konkret ging es dabei um die strenge Grenzpolitik der Vereinigten Staaten. Zamperoni erklärte, dass gewisse Mannschaften, Fan-Gruppen und auch ein Schiedsrichter nicht in die USA einreisen dürfen. Was dahinter steckt, schauen wir uns hier genauer an.

Fußball-WM in Trumps Amerika: Was hat es mit den Einreiseverboten auf sich?

01:11 Min. Verfügbar bis 11.06.2027

Maischberger: "Wir haben ja gerade einen Ausschnitt gesehen aus dieser Dokumentation, mit Philipp Awounou gedreht, und da gibt es einen US-Soziologen, der zitiert wird, Ben Carrington. Der sagt, das Motto in Deutschland war 'Die Welt zu Gast bei Freunden', und er sagt, in den USA könnte es eigentlich auch heißen 'Die Welt zu Gast bei Feinden'. Ist das das Gefühl?"

Zamperoni: "Naja, im Fall von Iran ist das nicht nur im übertragenen, sondern auch im buchstäblichen Sinne der Fall. Das ist ja auch eine kuriose Situation, die es so in der Form auch noch nicht gab. Dass nicht nur die Einreise verboten wird für Fans aus dem Iran, aber auch die ganze Mannschaft rausgeworfen wird im Prinzip. Die muss ihr Quartier jetzt in Mexiko aufschlagen. Und wer weiß, in den nächsten Tagen, es hat ja diese Woche wieder Angriffe gegeben auf beiden Seiten, wie sich das noch hochschaukelt. Also, das ist das eine. Und das andere ist eben, bestimmte Fan-Gruppen kommen aus Ländern, die nicht einreisen dürfen. Der FIFA-Referee, der Schiedsrichter aus Somalia ist wieder zurückgeschickt worden. Das sind so Dinge, die es schwer machen zu sagen, das wird das große, fröhliche, freie Fußballfest, das man sich wünscht unter diesen Voraussetzungen. Also, das ist natürlich ein bisschen zugespitzt, 'Die Welt zu Gast bei Feinden', so natürlich nicht. Ich glaube, da ist auch eine Menge Potenzial, dass das ein tolles Fußballfest auch wird. Aber da sind so viele Fragezeichen, und das ist eines der großen."

Hintergrund: Was hat es mit den Einreiseverboten rund um die WM auf sich?

Tatsächlich kam es im Vorfeld der Fußball-WM wiederholt zu Problemen bei der Einreise, speziell in den USA. Grund ist die restriktive Grenzpolitik der Trump-Regierung.

Schiedsrichter aus Somalia darf nicht einreisen

Ein Fall, der zuletzt besonders viel Aufsehen erregte, betrifft den somalischen Schiedsrichter Omar Artan. Nach den Plänen des Fußballweltverbands FIFA sollte er ursprünglich als einer von 52 Hauptschiedsrichtern beim Turnier zum Einsatz kommen. Artan wäre damit der erste Somalier überhaupt gewesen, der ein WM-Spiel pfeift. Doch die Grenzbeamten am Flughafen von Miami verweigerten ihm die Einreise – trotz eines gültigen Visums.

Die US-Regierung begründet die Entscheidung mit Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation. Ein namentlich nicht genannter Regierungsvertreter sagte dem Nachrichtensender CNN, dass die Überprüfung am Flughafen bei Artan "Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen" ergeben habe. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.

Artan selbst sagte der New York Times, dass die Vernehmung insgesamt elf Stunden gedauert habe. Die Grenzbeamten hätten ihn zu seiner Reise sowie zur politischen Lage in Somalia befragt, vor allem zur islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab. Diese ist in Teilen des ostafrikanischen Landes aktiv und kämpft seit Jahren gegen die somalische Regierung.

Als einer von 39 Staaten, die von den verschärften Einreisebestimmungen der Trump-Regierung betroffen sind, steht Somalia schon länger im Fokus der US-Behörden. Menschen mit einem somalischen Pass werden bei der Einreise zusätzlichen Überprüfungen unterzogen.

Omar Artan bestreitet jede Verbindung zu einer Terrormiliz. Wie er der New York Times mitteilte, sei er "sehr, sehr enttäuscht" über die Entscheidung. Er sei "einfach nur ein Schiedsrichter", der versuche, sich mit der WM-Teilnahme den größten Traum seines Lebens zu erfüllen. Die somalische Regierung habe sofort Kontakt zu den US-Behörden und zur FIFA aufgenommen, jedoch ohne Erfolg. Der Fußballweltverband teilte mit, dass allein das Gastgeberland – in diesem Fall die Vereinigten Staaten – über die Einreise entscheiden könne. So sei es auch bei früheren Turnieren gewesen.

Weil Artan nun nicht an den Vorbereitungsseminaren der WM-Schiedsrichter in Miami teilnehmen kann, ist wohl auch ein Einsatz in den weiteren Gastgeberländern Mexiko und Kanada ausgeschlossen.

Iranische Mannschaft musste Quartier verlegen

Auch für die iranische Nationalmannschaft kam es im Vorfeld des Turniers zu zahlreichen Schwierigkeiten. Wegen des anhaltenden Krieges zwischen den USA und Iran gab es zwischenzeitig sogar Spekulationen, ob das Team von der WM ausgeschlossen werden könnte. Dazu kam es am Ende nicht. Trotzdem ist die iranische Teilnahme nur unter strengen Auflagen möglich.

Der Grund: Aktuell gilt für iranische Staatsangehörige ein weitreichendes Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten. Bestimmte Ausnahmen gelten u.a. für Teilnehmer großer Sportereignisse, wie der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.

So verlegte der iranische Fußballverband das geplante WM-Quartier vom US-Bundesstaat Arizona kurzfristig in die mexikanische Stadt Tijuana. Nach Angaben des iranischen Botschafters in Mexiko darf sich die Mannschaft nur an den Spieltagen in den USA aufhalten. Weil alle drei Vorrundenspiele Irans in den USA stattfinden (zwei in Los Angeles, eines in Seattle), beklagen Kritiker eine mögliche Wettbewerbsverzerrung aufgrund der größeren Reisedistanzen.

Wie die New York Times berichtete, haben die USA bereits 15 Mitgliedern der iranischen Delegation die nötigen Visa zur Einreise verweigert. Davon betroffen ist u.a. der langjährige Verbandschef Mehdi Taj. Offizielle Stellungnahmen dazu gibt es weder von den US‑Behörden noch von der FIFA. Das Ticketkontingent für iranische Fans wurde dem Verband nach eigenen Angaben entzogen.

Viele Fans beklagen Visa-Probleme

Auch auf Fan-Seite häufen sich die Berichte über Einreiseschwierigkeiten. Laut der britischen BBC hatten mehrere schottische Fans Probleme mit ihrer ESTA-Genehmigung, die eine Einreise in die USA für die Dauer von 90 Tagen ermöglicht. Der Status ihrer Reiseanträge habe sich kurzfristig von "genehmigt" zu "Reise nicht autorisiert" geändert. Gründe seien den Fans nicht genannt worden.

Auch Fans aus dem Irak und Jordanien beklagen laut BBC umständliche Visa-Prozesse oder hohe Rückweisungsraten ihrer Anträge – obwohl ihre Länder nicht auf der sogenannten "roten Liste" der US-Behörden stehen. Der Vorsitzende der Fan-Vereinigung Jordaniens gibt an, keinen einzigen Anhänger aus seinem Land zu kennen, der ein Visum erhalten hat. Er zeigt sich frustriert: "Diese WM ist nicht für uns Araber."

Auch Journalisten aus den betroffenen Ländern berichten von ähnlichen Problemen. Der Internationale Sportjournalisten-Verband AIPS teilte dazu mit: "Die Fälle sind zahllos und nicht zu akzeptieren." AIPS-Chef Gianni Merlo forderte die FIFA zur Intervention bei den US-Behörden auf.

Fazit

Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika kam es zuletzt vermehrt zu Problemen bei der Einreise. Speziell die US-Behörden verweigerten zahlreichen Funktionären, Fans und Journalisten die nötigen Genehmigungen. Ein somalischer Schiedsrichter wurde trotz gültiger Papiere an der Grenze abgewiesen – wegen angeblicher Sicherheitsbedenken. Und selbst die Spieler erleben teils erhebliche Einschränkungen. So darf etwa die iranische Nationalmannschaft nur unter strengen Auflagen am Turnier teilnehmen. Grund ist die restriktive Grenzpolitik der Trump-Regierung.

Stand: 11.06.2026, 14:59 Uhr