Sandra Maischberger und die Gäste der Sendung im Studio

Faktencheck zu "maischberger" vom 09.06.2026

Von Tim Berressem

Sandra Maischberger sprach den langjährigen Trigema-Chef Wolfgang Grupp in der Sendung auf sein Verhältnis zur Politik an. Konkret ging es um eine Anekdote aus dem Jahr 1987, als Grupp einem lokalen CDU-Kandidaten zum Einzug in den Landtag verholfen habe. Die Hintergründe schauen wir uns hier noch einmal genauer an.

"Bananenwahlkreis-Affäre": Verhalf Wolfgang Grupp im Jahr 1987 einem CDU-Mann zur Landtagskandidatur?

01:09 Min. Verfügbar bis 10.06.2027

Maischberger: "Einmal haben Sie sich dann doch eingemischt, das haben wir doch mal rausgefunden. Das war 1987. Da ging es um die Aufstellung von Landtagskandidaten von der CDU. Und da gab es einen, der war schon im Landtag. Und einer, der gegen ihn in der CDU kandidiert hat, das war der Sohn von einem Ihrer Prokuristen. Und der ist dann aufgestellt worden, und das hatte auch damit zu tun, dass eine Menge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Trigema plötzlich CDU-Mitglieder wurden. (…) Es geht nur darum, ob Sie heute sagen können, ja, unter Ihrem Einfluss sind dann schon ein paar in die CDU eingetreten und Herr Mauz hat damals gewonnen."

Grupp: "Ja, klar. Darum hat man aber mich gebeten. Da hat mich einer gebeten, ob ich nicht ein paar Mitarbeiter in die CDU bringen könnte, damit die den Kandidaten durchkriegen. Und dann habe ich gesagt, das ist für mich kein Problem. Wenn ich meine Mitarbeiter um etwas bitte, dann tun die das, weil ich – wir stehen zusammen. Und ich habe dann demonstriert, dass ich innerhalb kurzer Zeit 120 Mitarbeiter in die CDU gebracht habe."

Maischberger: "Das war ja die Frage."

Grupp: "Und das muss man als Unternehmer natürlich – da bin ich stolz, denn ich stehe zu meinen Mitarbeitenden und die stehen auch zu mir."

Hintergrund: Verhalf Wolfgang Grupp im Jahr 1987 einem CDU-Kandidaten ins Amt?

Tatsächlich hat der Unternehmer und langjährige Trigema-Chef Wolfgang Grupp im Jahr 1987 entscheidenden Einfluss auf eine CDU-interne Wahl genommen. Konkret ging es damals um die Frage, wer bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg als CDU-Kandidat für den Wahlkreis Hechingen-Münsingen an den Start gehen sollte. Zwei Männer standen zur Auswahl. Als Favorit galt lange Zeit Theo Götz aus Reutlingen, der bereits seit 1976 als CDU-Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag saß. Eine erneute Kandidatur erschien vielen als naheliegend.

Doch sein Herausforderer, der erst 27-jährige Arzt Paul-Stefan Mauz, wollte das verhindern. Mauz stammte aus der Kleinstadt Burladingen, in der Trigema schon damals der mit Abstand größte Arbeitgeber war.

Wie Wolfgang Grupp bereits 2024 in einer Dokumentation des SWR erzählte, seien Vertreter des CDU-Kreisverbands Zollernalb, zu dem auch Burladingen gehört, mit der Bitte auf ihn zugekommen, den lokalen Kandidaten Mauz zu unterstützen. Dass Grupp ein gutes Verhältnis zu seiner Belegschaft pflegte, war damals weithin bekannt. "Können Sie nicht ein paar Mitarbeiter überreden, dass sie in die CDU eintreten?", habe man ihn deshalb gefragt. Brisantes Detail: Paul-Stefan Mauz ist der Sohn eines damaligen Trigema-Prokuristen.

Grupp sei daraufhin durch seine Firma gegangen und habe die Mitarbeiter gefragt, ob sie der CDU beitreten wollen. "Dann können wir gemeinsam die Wahl machen und unseren Burladinger – das war der Sohn unseres ehemaligen Prokuristen – wählen. Wenn Sie mitmachen – der Antrag liegt im Sekretariat", so erinnert sich Grupp in der SWR-Doku. "Dann hatte ich innerhalb weniger Tage 120 Mitarbeiter, die in die CDU eingetreten sind." Archivaufnahmen zeigen, wie die Trigema-Belegschaft in gecharterten Bussen zur Wahl fährt.

Die Unterstützung zeigte den gewünschten Erfolg: Paul-Stefan Mauz gewann die Wahl mit 459 zu 416 Stimmen. Als Dank für das Vertrauen der Belegschaft, so heißt es, übernahm Trigema den Mitgliedsbeitrag für die 120 neuen Mitglieder.

Doch als öffentlich bekannt wurde, dass Mitarbeiter gezielt angeworben wurden, um die Wahl zu beeinflussen, hagelte es Kritik. Die sogenannte "Bananenwahlkreis-Affäre" (namensgebend war die Form des Wahlkreises auf der Landkarte) nahm ihren Lauf. Wie Aufzeichnungen des Staatsarchivs Baden-Württemberg zeigen, wurde die Wahl sogar noch einmal wiederholt. Am Ausgang veränderte das aber nichts. Mauz ging als CDU-Kandidat in die Landtagswahl 1988. Und auch hier war er erfolgreich: Bis 2001 vertrat er seinen Wahlkreis Hechingen-Münsingen im Stuttgarter Landesparlament.

Fazit

Tatsächlich unterstützte Wolfgang Grupp im Jahr 1987 den baden-württembergischen CDU-Politiker Paul-Stefan Mauz auf seinem Weg zur Landtagskandidatur. Nach eigenen Angaben brachte Grupp 120 seiner Mitarbeiter dazu, in die CDU einzutreten und für den Kandidaten Mauz – nebenbei der Sohn eines damaligen Trigema-Prokuristen – zu stimmen. Die Aktion löste deutliche Kritik aus. Trotzdem gewann Mauz und zog schließlich als Abgeordneter in den Stuttgarter Landtag ein.

Stand: 10.06.2026, 16:24 Uhr