Sandra Maischberger und die Gäste der Sendung im Studio

Faktencheck zu "maischberger" vom 13.05.2026

Von Tim Berressem

Unsere Kommentatoren äußerten sich zu einer Aussage von US-Präsident Donald Trump, wonach die Wirtschaft der Vereinigten Staaten nicht unter der Blockade der Straße von Hormus leiden würde. ARD-Wirtschaftsexpertin Anja Kohl und Spiegel-Journalist René Pfister widersprachen Trump deutlich und verwiesen auf die Verbraucherpreise in den USA, die seit der Blockade enorm gestiegen seien. Die konkreten Zahlen schauen wir uns hier genauer an.

Straße von Hormus: Wie sehr leidet die US-Wirtschaft unter der Seeblockade?

00:40 Min. Verfügbar bis 14.05.2027

Maischberger: "Das hat dann doch einige überrascht. Die Vereinigten Staaten sind nicht von dem betroffen, was die Schließung dieser Straße [von Hormus] oder die Blockade bedeutet?"

Kohl: "Ja, das stimmt natürlich überhaupt nicht. Es ist in Amerika jetzt so, dass 73 Prozent der Menschen da sagen, unsere größte Sorge sind die Lebenshaltungskosten. Denn es stimmt, die USA sind Nettoproduzent von Öl und Gas, und sie exportieren das auch. Aber an den Preisen hängt man trotzdem genauso dran. Und die Benzinpreise sind exorbitant hoch jetzt auch in Amerika. Und die Leute sind extrem unzufrieden."

(…)

Pfister: "Es ist natürlich Unsinn, wenn Trump behauptet, es würde den Amerikanern nicht wehtun. So schlau sind seine Wähler auch, um zu sehen, wenn sie an die Zapfsäule fahren, dass die Preise hochgegangen sind."

Hintergrund: Wie abhängig sind die USA von der Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Für die großen Produzenten am Persischen Golf ist die Meerenge der einzige Zugang zum Welthandel. Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak exportieren den größten Teil ihres Rohöls über die Straße von Hormus. 2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße – das sind fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Auch große Mengen Flüssiggas (LNG) werden über diesen Weg aus der Golf-Region in die Welt exportiert.

Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe gegen den Iran am 28. Februar 2026, verfügte das dortige Regime eine Sperrung des wichtigen Seewegs. Seitdem ist der Schiffsverkehr in der Region sehr stark zurückgegangen. Nur vereinzelt dürfen Schiffe die Straße von Hormus passieren, meist gegen Zahlung einer hohen Gebühr. Um die strategische Kontrolle zurückzugewinnen, verhängte US-Präsident Donald Trump Mitte April ebenfalls eine Blockade. Er befahl der US-Marine, keine Schiffe mehr durch die Straße von Hormus fahren zu lassen, wenn sie einen iranischen Hafen ansteuern oder von dort wieder die Meerenge verlassen wollen.

Die Folgen für die Weltwirtschaft sind enorm. Gas- und Rohölpreise erreichten seit Beginn des Konflikts immer wieder neue Höchststände. Der Preis für die Ölsorte Brent z.B. stieg im April auf 144 US-Dollar pro Barrel und übertraf damit das alte Rekordhoch aus dem Jahr 2008. Energie- und Kraftstoffpreise stiegen weltweit, Lieferketten verteuerten sich und sorgten für deutlich höhere Verbraucherpreise.

Auch die USA sind betroffen. Zwar erklärte US-Präsident Trump in einem TV-Interview vom 10.5.2026, die Vereinigten Staaten seien nicht auf eine Öffnung der Straße von Hormus angewiesen, doch die konkreten Zahlen sprechen für sich.

Zum Beispiel an den Tankstellen: Normalbenzin der Sorte Regular kostete Ende April knapp 4,18 Dollar je Gallone (3,79 Liter), wie aus einer Aufstellung des Automobilclubs AAA hervorgeht. So teuer war der Sprit seit der globalen Energiekrise von 2022 nicht mehr. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf Iran hat sich Regular um 1,22 Dollar je Gallone verteuert. Noch stärker ist der Preissprung beim Diesel. Dieser hat sich durchschnittlich um 1,73 Dollar auf 5,46 Dollar je Gallone verteuert

Insgesamt ist die US-Inflation im April auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. Wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte, legten die Verbraucherpreise um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Die Energiepreise insgesamt stiegen um 17,9 Prozent. Für Lebensmittel mussten die Verbraucher 3,2 Prozent mehr zahlen. Grund für die wachsende Inflation ist laut Arbeitsministerium vor allem der massive Preisanstieg bei Öl, Gas und anderen Rohstoffen, die bislang durch die Straße von Hormus transportiert wurden. Das heißt: Trumps eigene Regierungsbehörde widerspricht dem US-Präsidenten in dieser Frage.

Je weiter die Inflation steigt, desto tiefer fällt Trumps Zustimmung bei den Wählern. Einer aktuellen Umfrage des Nachrichtensenders CNN zufolge erreichte Trumps Missbilligungswert beim Thema Wirtschaft zwischen dem 30. April und dem 4. Mai einen Höchststand von 70 Prozent. Eine weitere Umfrage der Nachrichtenagentur Associated Press aus dem April kam zu einem ähnlichen Ergebnis: 76 Prozent der Befragten lehnten die Art ab, wie der Präsident mit den steigenden Lebenshaltungskosten umgeht.

Das Leben in den Vereinigten Staaten wieder erschwinglich zu machen, war eines von Trumps zentralen Versprechen vor der Präsidentschaftswahl 2024. Besonders im Hinblick auf die nahenden Zwischenwahlen im November, gerät der Präsident nun zunehmend unter Druck. Am Montag (11.5.26) kündigte er an, die Kraftstoffsteuer des Bundes auszusetzen, um Autofahrern zu helfen, die höheren Benzinpreise zu bewältigen. Sowohl republikanische als auch demokratische Abgeordnete unterstützen den Vorstoß, um Familien und Unternehmen zu entlasten.

Übrigens: Dass die USA mehr Öl exportieren als importieren, wie Anja Kohl in der Sendung sagte, stimmt. Die ARD-Wirtschaftsexpertin hat aber genauso Recht, dass die Vereinigten Staaten trotzdem von der weltweiten Preisentwicklung abhängen. Denn auch wenn die Exporte die Importe übersteigen, bedeutet das nicht, dass die USA keinen Bedarf an ausländischem Öl haben. Der Grund: Öl ist nicht gleich Öl. Nicht jeder Rohstoff kann in jeder beliebigen Raffinerie zu Kraftstoff weiterverarbeitet werden. Während in den USA vor allem leichtes Schieferöl gefördert wird, sind viele amerikanische Raffinerien auf die Verarbeitung von Schweröl ausgelegt. Dieses wird hauptsächlich aus Kanada, Mexiko, Venezuela und dem Nahen Osten importiert.

Fazit

Anders als von Donald Trump in einem TV-Interview behauptet, leidet die US-Wirtschaft sehr wohl unter der Blockade der Straße von Hormus. Wie in vielen anderen Ländern der Welt sind auch in den Vereinigten Staaten die Verbraucherpreise zuletzt enorm gestiegen. Im April kletterte die Inflation dort auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Das US-Arbeitsministerium, das die Zahlen veröffentlichte, sieht den Hauptgrund im massiven Preisanstieg bei Öl, Gas und anderen Rohstoffen, die bislang durch die Straße von Hormus transportiert wurden. Trumps eigene Regierungsbehörde widerspricht dem US-Präsidenten also in dieser Frage.

Stand: 14.05.2026, 16:56 Uhr