Sandra Maischberger und die Gäste der Sendung im Studio

Faktencheck zu "maischberger" vom 22.04.2026

Von Tim Berressem

Im Gespräch mit Ursula Wagner, deren Tochter als Soldatin im Ukraine-Krieg gefallen ist, äußerte sich ARD-Journalist Vassili Golod zur Gesamtzahl ausländischer Rekruten, die die ukrainische Armee unterstützen. Er sprach von etwa 10.000 Soldaten. Die konkreten Zahlen schauen wir uns hier genauer an.

Unterstützung für die Ukraine: Wie hoch ist die Zahl ausländischer Rekruten?

00:45 Min. Verfügbar bis 23.04.2027

Golod: "Es ist prozentual etwa ein Prozent von ausländischer Unterstützung, von Menschen aus dem Ausland, die in die Ukraine gereist sind, um dort auch militärisch zu unterstützen. Wir sprechen von 10.000 Soldatinnen und Soldaten etwa. Aber ich habe mit Militärexperten und Soldaten darüber gesprochen, die sagen, gerade in der Anfangszeit dieses Krieges war das unglaublich wichtig, weil Menschen sind in das Land gekommen mit gewissem Wissen, mit Fähigkeiten, um Menschen zu helfen, mit medizinischem Wissen. Und diese Kenntnisse haben den Ukrainerinnen und Ukrainern sehr geholfen. Und vor allem auch die Tatsache, da kommen Menschen aus dem Ausland, von weit weg, und sind bereit ihr Leben zu riskieren, um zu helfen. Das hat in der Ukraine doch sehr viele Menschen bewegt und das tut es bis heute."

Hintergrund: Wie viele ausländische Rekruten unterstützen die ukrainische Armee?

Unabhängige Zahlen darüber, wie viele Ausländer die Ukraine dabei unterstützen, sich gegen die russische Invasion zu verteidigen, gibt es nicht. Die zuständige Koordinierungsstelle der ukrainischen Armee spricht von über 10.000 Frauen und Männern, die seit Kriegsbeginn im Februar 2022 ins Land gekommen seien, um sich den Streitkräften anzuschließen. Die Rekruten sollen demnach aus insgesamt 75 verschiedenen Ländern stammen. Eine genaue Aufstellung nach Nationalitäten veröffentlicht das ukrainische Militär aus Sicherheitsgründen nicht.

Wie der stellvertretende Leiter der Koordinierungsstelle, Kostiantyn Milevskyi, gegenüber dem ukrainischen Nachrichtenportal Donbas Realii erklärte, sei die Zahl der monatlichen Neuzugänge seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen. Waren es im Jahr 2022 durchschnittlich 100 bis 150 Menschen pro Monat, geht man aktuell von rund 600 aus. Laut Milevskyi hänge dieser Anstieg vor allem damit zusammen, dass freiwillige Kräfte aus dem Ausland inzwischen gezielt gefördert werden, z.B. durch Übernahme der Reisekosten und einen vereinfachten Zugang zur Aufenthaltserlaubnis. Auch wurden Registrierung sowie Ausbildung der Freiwilligen mit der Zeit effizienter organisiert und in einem neu geschaffenen Rekrutierungszentrum gebündelt.

Die ausländischen Kräfte werden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, die sie selbst wählen können. Ein Einsatz als Sanitäter ist dabei ebenso möglich wie als Drohnenpilot oder Scharfschütze. Voraussetzung ist immer eine entsprechende körperliche Eignung sowie ein militärisches Training, das durch die ukrainische Armee bereitgestellt wird. Wer sich freiwillig meldet, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Die Obergrenze liegt bei 60 Jahren. Anders als die ukrainischen Soldaten, die seit Ausrufung des Kriegszustands auf unbestimmte Zeit dienen müssen, verpflichten sich ausländische Kräfte in der Regel für drei Jahre. Auf eigenen Wunsch können sie den Dienst bereits nach sechs Monaten wieder abbrechen.

Wie viele Deutsche die ukrainische Armee bislang unterstützt haben, ist nicht eindeutig zu beziffern. Wie oben bereits erläutert, machen die ukrainischen Behörden keine Angaben über die Staatsangehörigkeit der Freiwilligen. Auch in Deutschland wird keine offizielle Statistik geführt, eine Meldepflicht besteht nicht. Schätzungen gehen jedoch von einem eher geringen Anteil zwischen einigen Dutzend bis zu wenigen Hundert aus.

Rechtlich ist die Beteiligung übrigens unproblematisch. Deutschen ist es erlaubt in einer ordentlichen fremden Armee zu kämpfen, solange sie keine Kriegsverbrechen begehen und einen Dienstvertrag haben. So stellte die Bundesregierung kurz nach Kriegsbeginn im Februar 2022 klar, dass man eigene Staatsbürger nicht grundsätzlich daran hindern werde, als Kämpfer in die Ukraine zu reisen. Diesen Personen drohe keine strafrechtliche Verfolgung. Ein Sprecher der damaligen Innenministerin Nancy Faeser (SPD) machte jedoch eine Einschränkung: Man wolle verhindern, dass Extremisten ausreisen. Wenn "Reiseabsichten deutscher Staatsangehöriger mit extremistischer Gesinnung" mit der möglichen Absicht bekannt werden, sich an militärischen Übungen oder Kämpfen zu beteiligen, prüfe die Bundespolizei, ob eine "Ausreiseuntersagung" rechtlich zulässig sei.

Besonderheiten gelten zudem für aktive Soldaten der Bundeswehr. Wer sich als Bundeswehrsoldat fremden Streitkräften anschließt, begeht ein schweres Dienstvergehen. Auch das Anwerben deutscher Staatsbürger zum Militärdienst für einen anderen Staat ist strafbar, sofern dies in Deutschland geschieht. Gemäß Paragraph 109h des Strafgesetzbuches wird schon der Versuch mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren geahndet.

Fazit

Wie viele ausländische Rekruten die ukrainische Armee bei der Verteidigung gegen Russland unterstützen, ist nicht klar zu beziffern. Offizielle Statistiken hierzu sind nicht öffentlich. Die zuständige Koordinierungsstelle der ukrainischen Armee spricht von über 10.000 Frauen und Männern aus insgesamt 75 Ländern, die seit Kriegsbeginn im Februar 2022 ins Land gekommen seien, um sich den Streitkräften anzuschließen. Eine genaue Aufstellung nach Nationalitäten veröffentlicht das ukrainische Militär aus Sicherheitsgründen nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass nur ein geringer Anteil der Freiwilligen aus Deutschland stammt.

Stand: 23.04.2026, 15:53 Uhr