Sandra Maischberger und die Gäste der Sendung im Studio

Faktencheck zu "maischberger" vom 15.04.2026

Von Tim Berressem

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel äußerte sich in der Sendung zum Vorhaben der Bundesregierung, die Bürger angesichts steigender Spritpreise zu entlasten. Gabriel erklärte die geplanten Maßnahmen für unzureichend. Insbesondere die Einmalzahlung für Arbeitnehmer in Höhe von 1.000 Euro kritisierte er, da diese nicht vom Staat, sondern von den Arbeitgebern übernommen werden soll. Was plant die Bundesregierung hier genau?

Entlastungsprämie für Arbeitnehmer: Was hat die Bundesregierung geplant?

00:34 Min. Verfügbar bis 16.04.2027

Maischberger: "Es geht einfach um die Frage, ob das, was die Koalition jetzt beschlossen hat, zum Beispiel die Absenkung der Spritpreise durch eben Kappung von 17 Cent – oder den Versuch, das zu kappen bei der Mineralöl- oder Energiesteuer, wie sie jetzt heißt. Und diese 1.000 Euro Prämie, die man machen kann als Arbeitgeber, aber nicht machen muss. Reicht das, um die Folgen dieses Krieges abzufedern?"

Gabriel: "Nein, natürlich nicht. Zumal das mit den 1.000 Euro natürlich ein Geschäft zulasten Dritter ist."

Maischberger: "Es macht nicht die Regierung, es sollen die Arbeitgeber machen."

Gabriel: "So ist es. Die Arbeitgeber sollen das machen. Das finde ich, sagen wir mal, einen eher unhöflichen Akt."

Hintergrund: Wie soll die geplante Einmalzahlung für Arbeitnehmer funktionieren?

Wie am vergangenen Montag (13.4.2026) bekannt wurde, will die Bundesregierung sowohl Bürger als auch Unternehmen in der nächsten Zeit finanziell entlasten. Grund ist die aktuelle Entwicklung bei den Energie- und Mobilitätskosten, die infolge des Iran-Kriegs enorm gestiegen sind. Neben einer Senkung der Energiesteuer um 17 Cent pro Liter Benzin bzw. Diesel plant die schwarz-rote Koalition auch eine Entlastungsprämie für Arbeitnehmer. Konkret soll es Unternehmen ermöglicht werden, jedem Mitarbeiter einmalig bis zu 1.000 Euro steuer- und abgabenfrei auszuzahlen. Zur Gegenfinanzierung der steuerlichen Mindereinnahmen will die Bundesregierung noch in diesem Jahr die Tabaksteuer erhöhen.

Wer bekommt die Einmalzahlung?

Einen gesetzlichen Anspruch auf die Prämie gibt es nicht. Jedes Unternehmen kann freiwillig entscheiden, ob es das Geld an seine Mitarbeiter auszahlt. Wie viele Menschen am Ende tatsächlich von der Einmalzahlung profitieren werden, ist also unklar. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks haben bereits Zweifel geäußert, dass sich viele Betriebe die Prämie leisten können. Das Problem: Unternehmen können die Sonderzahlung zwar von der Steuer absetzen, müssen die 1.000 Euro pro Mitarbeiter aber aus der eigenen Tasche bezahlen, wenn sie sich dafür entscheiden.

Rentner, Studierende, Arbeitslose und Selbstständige können die Prämie grundsätzlich nicht bekommen. Auch für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst stehen die Chancen auf den Krisenbonus schlecht. Zwar macht der Beamtenbund Druck auf den Staat, doch der verweist auf leere Kassen. So erklärten bereits mehrere Bundesländer, dass sie eine Auszahlung an die Landesbediensteten derzeit nicht für möglich hielten oder noch Beratungsbedarf bestehe. Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) lehnt eine Prämie für Beschäftigte in der Bundestagsverwaltung ab, wie das Nachrichtenportal Table.Briefings am 14.4.2026 berichtete.

Welche Kritik gibt es an dem Vorstoß?

Weil die Auszahlung jedem Unternehmen selbst überlassen ist, fürchten Experten, dass Beschäftigte in kleineren Betrieben und in Branchen mit niedrigen Löhnen leer ausgehen könnten. Das heißt: Ausgerechnet diejenigen, die finanzielle Entlastung besonders dringend brauchen, könnten am Ende ohne Hilfe dastehen. "Wer wenig verdient, wird auch wenig entlastet", kritisiert Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Besonders laut ist die Kritik bei denen, die die Prämie am Ende bezahlen sollen – nämlich den Arbeitgebern. Aus ihrer Sicht verschiebt die Politik damit die Verantwortung für Entlastungen auf die Unternehmen, obwohl viele Betriebe wegen der angespannten Wirtschaftslage bereits stark unter Druck stehen. "Da platzt mir wirklich auch der Kragen", sagt Christoph Ahlhaus, Vorsitzender des Mittelstandverbands BVMV. Es sei eine "Unverschämtheit", in diesen Zeiten so eine Idee auf den Weg zu bringen. Die Bundesregierung bringe damit "Unfrieden und Ärger" in die Betriebe.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, sagte gegenüber Bild, viele Firmen könnten sich eine solche Zahlung schlicht nicht leisten. Er warf der Koalition vor, mit einer angekündigten Entlastungsoffensive in Wahrheit neue Lasten für Unternehmen zu schaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hätten Erwartungen geweckt und deren Erfüllung an andere weitergereicht. "Man kann nicht eine Party bestellen und sie andere Leute zahlen lassen", so Kampeter.

Auch der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, hält den Vorschlag für wenig durchdacht. Wo ein Handwerker, Friseur oder Bäcker das Geld hernehmen solle, wenn sein Umsatz wegen steigender Kosten zurückgehe, sei unklar. Eine sachgemäße Entlastung wäre aus Holznagels Sicht eher eine höhere Entfernungspauschale für Berufspendler.

Gab es in der Vergangenheit ähnliche Maßnahmen?

Während der Corona-Pandemie zwischen 2020 und 2022 wurde zur Abmilderung der zusätzlichen Belastungen eine Unterstützung von einmalig bis zu 1.500 Euro eingeführt. Auch hierbei handelte es sich um eine freiwillige Leistung, die Unternehmen ihren Mitarbeitern gewähren konnten, aber nicht mussten. Ähnlich wie bei der aktuell diskutierten Entlastungsprämie konnte diese sogenannte Corona-Sonderzahlung steuer- und abgabenfrei ausgezahlt werden. Doch auch schon damals kritisierten die Arbeitgeber, der Staat würde seine Verantwortung für finanzielle Entlastungen auf die Unternehmen abwälzen. Offizielle Zahlen darüber, wie viele Arbeitnehmer tatsächlich von einer Corona-Sonderzahlung profitiert haben, gibt es nicht.

Als im Jahr 2022, nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, die Preise hierzulande teils auf Rekordniveau stiegen, entschied sich die damalige Ampel-Koalition für ein ähnliches Modell. Mit der sogenannten Inflationsausgleichsprämie konnten Arbeitgeber ihren Angestellten bis zu 3.000 Euro steuer- und abgabenfrei auszahlen. Die Regelung endete am 31. Dezember 2024 – mit gemischter Bilanz. Laut Statistischem Bundesamt haben vor allem Tarifbeschäftigte profitiert. Von ihnen erhielten rund 86 Prozent eine steuerfreie Prämie. Bei Beschäftigten ohne Tarifvertrag bekamen nur 35 Prozent den Bonus. Selbstständige, Freiberufler, Rentner und Bürgergeld-Empfänger gingen leer aus.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer eigenen Erhebung zu dem Ergebnis, dass vor allem jene Arbeitnehmer von der Inflationsausgleichsprämie profitiert haben, die sie am wenigsten brauchten. Während bei Geringverdienern unter 1.000 Euro Bruttomonatslohn nur jeder Vierte eine Zahlung erhielt, waren es bei Einkommen zwischen 4.000 und 6.000 Euro sechs von zehn Beschäftigten. Wer gezielt niedrige Einkommen entlasten will, so das IW-Fazit, greife mit einer solchen Prämie zum falschen Instrument.

Fazit

Mit einer geplanten Einmalzahlung von bis zu 1.000 Euro will die Bundesregierung die hohen Energie- und Spritkosten hierzulande abfedern. Dieses Geld soll aber nicht vom Staat kommen, sondern von den Arbeitgebern, die die Prämie steuer- und abgabenfrei an ihre Mitarbeiter auszahlen können. Eine Pflicht besteht nicht. Kritiker befürchten, dass vor allem Menschen in ohnehin bereits gut bezahlten Jobs davon profitieren werden. Arbeitgeberverbände werfen der Regierung zudem vor, die Entlastung der Bürger auf die Unternehmen abzuwälzen.

Stand: 16.04.2026, 17:42 Uhr