Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr: Wer muss jetzt mehr leisten?

Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr: Wer muss jetzt mehr leisten? Der Faktencheck zur Sendung vom 02.02.2026

Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr: Wer muss jetzt mehr leisten?

In der aktuellen Ausgabe von HART ABER FAIR ging es um die schwächelnde Wirtschaft und die Rezepte der Regierungsparteien für mehr Wachstum sowie mehr Gerechtigkeit. Manche Aussagen unserer Gäste werfen Fragen auf, wir prüfen nach der Sendung gründlich und klären diese hier im Faktencheck.

Unser Gast Kai Viehof, der ein großes Erbe ausgeschlagen hat und sich für Steuergerechtigkeit engagiert, sagt während der Sendung, Deutschland habe nach den USA die zweithöchste Vermögenskonzentration weltweit. Diese Einschätzung lohnt einen genaueren Blick, denn die Messung von Vermögensungleichheit ist komplex. Verschiedene Indikatoren und Datensätze führen zu teils deutlich abweichenden Ergebnissen.

Ein Indikator, um Ungleichheit zu messen, ist der Gini-Koeffizient. Mit ihm kann man die Verteilung von Vermögen auf einem Index zwischen 0 (vollständige Gleichheit) und 1 (maximale Konzentration bei einem Haushalt) darstellen. Der jüngste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung errechnet einen Gini-Koeffizienten von 0,72 bezogen auf das Nettovermögen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt wiederum zu einem Gini-Koeffizienten von 0,83. Außerdem kommt der Bericht der Bundesregierung zu dem Ergebnis, dass den oberen 10% der Bevölkerung 54% des Gesamtvermögens gehören. Das DIW kommt auf 67%. Beide Berichte stützen sich auf das Sozioökonomische Panel als Datengrundlage, ergänzen dieses aber durch weitere Datensätze und Schätzungen.

Da schon bei der Analyse der nationalen Ungleichheit solche Diskrepanzen entstehen, verwundert es nicht, dass ein internationaler Vergleich schwierig ist. In den Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt Deutschland zu den Nationen mit einer sehr hohen Vermögenskonzentration, ist aber nicht auf den ersten beiden Rängen in den Statistiken. Schaut man sich Nationen außerhalb der OECD an, gibt es noch deutlich mehr Länder, die eine höhere Vermögenskonzentration aufweisen, wie zum Beispiel Südafrika und China.

Noch eine kleine Ergänzung: In ihrer Anmoderation wird unser Gast Helene Bubrowski fälschlicherweise als stellvertretende Chefredakteurin von Table.Media vorgestellt. Tatsächlich ist sie Chefredakteurin, sie leitet Table.Media gemeinsam mit Michael Bröcker.

Quellen: