Alles wird teurer: Was tun gegen die steigenden Preise?

Alles wird teurer: Was tun gegen die steigenden Preise? Der Faktencheck zur Sendung vom 20.10.2025

Alles wird teurer: Was tun gegen die steigenden Preise?

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt HART ABER FAIR nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

In der Sendung geht es unter anderem darum, wie groß der Wettbewerb in Deutschland im Lebensmitteleinzelhandel ist und inwieweit Marktmächte den Handel bestimmen. Ralph Brinkhaus, CDU-Bundestagsabgeordneter, kritisiert, dass es „nur vier große Spieler“ auf dem Lebensmittelmarkt gebe. Kleine und mittelständische Händler und Hersteller säßen unter dem Diktat der großen Vier. Diese Konzentration sei für eine soziale Marktwirtschaft nicht gesund. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, widerspricht. Zum einen sei der Mittelstand im Lebensmitteleinzelhandel das A & O. Zudem sei der Lebensmitteleinzelhandel nur ein Bereich, den die Hersteller bedienten, und damit die Abhängigkeit geringer als behauptet. Sie produzierten auch zu großen Teilen für den Export oder die Gastronomie, argumentiert Genth.

Ein Blick in den Jahresbericht des Bundeskartellamtes 2024/25 zeigt: Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist tatsächlich relativ stark konzentriert. Laut dem Bericht entfallen beim Absatz von Lebensmitteln an die Verbraucherinnen und Verbraucher mehr als 85 Prozent des Gesamtumsatzes auf die vier „Großen“: Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland). Dennoch heißt es beim Bundeskartellamt, von einem wettbewerbslosen Oligopol könne nicht ausgegangen werden, da zwischen den „Großen“ durchaus Wettbewerb bestehe. Das Verhältnis der Handelsketten zu den Herstellern und Lieferanten sei von einer großen Heterogenität geprägt. Neben kleineren regionalen Produzenten gebe es ebenso global operierende Hersteller von Markenprodukten, die eine entsprechend bedeutende wettbewerbliche Position hätten. Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, betont, die Behörde beobachte diesen Sektor aufmerksam, um sicherzustellen, dass Wettbewerb erhalten bleibe und Lieferanten nicht unangemessen benachteiligt würden. Besonders bei Übernahmen werde sorgfältig geprüft, ob durch diese der Wettbewerb eingeschränkt oder die Verhandlungspositionen gegenüber Lieferanten unzulässig verstärkt würden.

Inwieweit die Hersteller auf mehrere Absatzmärkte – über den Lebensmitteleinzelhandel hinaus – ausweichen können, darüber gibt wiederum der „Handelsreport Lebensmittel“ Aufschluss. Der aktuelle Bericht aus dem Jahr 2024 bezieht sich dabei auf Zahlen von 2023, die u.a. das Statistische Bundesamt sowie das EHI Retail Institute in Köln, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband und die Gesellschaft für Konsumforschung liefern. Der Lebensmitteleinzelhandel nehme „eine bedeutende, aber keine überragende Rolle“ ein – wenn man alle Absatzkanäle der Industrie betrachte, heißt es in dem Bericht.

Demnach entfallen von insgesamt 365 Mrd. Euro Absatz 37 Prozent auf den Lebensmitteleinzelhandel sowie Drogerien. 27 Prozent gehen in den Export und 16 Prozent in die Weiterverarbeitung. Weitere 8 Prozent entfallen auf den sogenannten Food-Service, was z.B. Restaurants, Hotels, Kantinen und Mensen umfasst.

Der Bericht unterscheidet bei der Darstellung der verschiedenen Absatzmärkte jedoch nicht zwischen mittelständischen und Großunternehmen, sondern bildet einen Durchschnitt aller Hersteller in Deutschland ab. Insgesamt aber lässt sich sagen, dass der Lebensmitteleinzelhandel nur einer von mehreren Absatzmärkten für die Hersteller ist, wenngleich dieser eine wirtschaftlich bedeutende Rolle spielt.

Quellen: